Liebe Listenleser!
Wer kann mir etwas über den in den 50er Jahren gewährten Lastenausgleich für
Vertriebene sagen? Mich interessiert insbesondere der Ablauf des Verfahrens.
Was und in welcher Form mußte bei der Antragstellung beigebracht werden und wie
hoch war die Entschädigung ( in etwa) bei Verlust von Grund und Boden und der
Existenzgrundlage (eigenes Gewerbe). Als Beispiel angenommen, etwa ein Wert
von ca. 30Tsd. Reichsmark.
Bin gespannt auf Eure Informationen.
Gruß aus Berlin Dieter Seemann
Hallo Dieter, Bundes-Lastenausgleichsgesetz!
In der Bibliothek des Bundestags werden sie Dich mit
Literatur zuschmeissen k�nnen. Gru�, Gert
Hallo,
Mein Vater war als Beamter in der Lastenausgleichstelle in Hannover
tätig. Einiges habe ich aus den Erzählungen erfahren. Es wurden die
Antragsteller gemeinsam eingeladen. Flurkarten kamen auf den Tisch. Die
Antragsteller mussten in den Karten Ihre Besitzungen angeben. Unter den
Anwesenden kam es dann manchmal auch zum Streit. "Das gehörte uns" ,
andere widersprachen, "das Landstück hat Dein Großvater schon an
Schulzes verkauft". Mein Vater erzählte, dass die Flurstücke der
Antragsteller zusammengerechnet manchmal oft den Hektars der gesamten
Gemeinde weit überschritten. Da gab es dann allerhand Klärungsedarf. Im
allgemeinen ging es jedoch friedlich ab. Die Hektarerträge lagen weit
über denen der westlichen Landschläge. Schlesien war überaus fruchtbar.
Das wusste schon Friedrich der Große.
Viele Grüße
Ekkehart
Noch ein Hinweis:
Es wurde in aller Regel mit eidesstattlichen
Versicherungen und mit Bezeugungen durch Dritte
gearbeitet, wie auch im Bereich der Sozialversicherung.
F�r die einzelnen Orte waren Heimatortsvertrauensleute
eingesetzt. Die kannten sich in der Regel dort gut aus.
Die wurden zur Best�tigung der Angaben der Gesch�digten
und auch bei Streitigkeiten als sachkundige B�rger
herangezogen.
Mein Vater war Heimatortsvertrauensmann.
Hallo Dieter,
ich habe auf meiner Gerlachsheim-Homepage eine Nacherz�hlung eines
Lastenausgleichs-Verfahrens f�r eine B�ckerei mit Warenhandlung.
Diese Nacherz�hlung beruht auf einem dicken Stapel Papier, der zeigt, dass man nicht
einfach zusammenkam und schon hatte man sein Geld. Alles musste aufgelistet werden
(lebendes Inventar wie die 16 Tauben genauso wie die Warenbest�nde im zugeh�rigen
Gesch�ft wie Zahnpasta oder das Inventar von Laden und B�ckerei von Zuckerschaufel bis
Kuchenblech). Dazu ein Grundriss des Hauses, genaue Beschreibungen von Haus und Hof
(bezeugt von anderen Ortsbewohnern) und dergleichen.
Das ganze Verfahren einschlie�lich der Zahlung hat sich �ber 20 Jahre hingezogen. So
"schnell" ging es �brigens nur deshalb, weil die letzten Monatsraten gro�z�gigerweise
als Abschlag gezahlt wurden, da die Antragsteller mittlerweile im achten
Lebensjahrzehnt standen.
Es gab f�r das gro�e Wohn- und Gesch�ftshaus der B�ckerei 7.350 Mark, f�r ein weiteres
der Familie geh�riges normales Einfamilienhaus 2.160 Mark. Zugrundegelegt wurden dabei
25 Mark pro qm Wohnfl�che und 55 Mark pro qm Verkaufsraum. Die B�ckerei alleine hatte
Ende des 19. Jahrhunderts 30.000 Reichsmark gekostet, der Wert etwa 50 Jahre sp�ter
unmittelbar vor der Vertreibung d�rfte nat�rlich h�her gewesen sein.
Wer es genauer nachlesen will: www.gerlachsheim.net/geschichte (und dann "Lasst� den
Ausgleich" anklicken) oder direkt www.gerlachsheim.net/geschichte/geschichte7.html
Herzliche Gr��e, Thomas
www.gerlachsheim.net