Kreis Oels 1945 / 1946 / Flüchtlingsströme

Guten Abend Liste

Nach meinen bisherigen Informationen war die Flucht aus den Gebieten im
Osten im Jahre 1945 eine Einbahnstrasse. Mein Vater ist z.B. 1945 aus
Liegnitz mit seinen Schwestern geflohen und nicht mehr dorthin zur�ck
gekehrt.
Nun sehe ich im Buch von U.M. von B�low �ber den Kreis Oels, dass die
Bewohner des Kreises Oels 1945 vor der herannahenden Front - mehr oder
weniger organisiert - geflohen sind. Daher stammen nach meinen Informationen
auch die verschiedensten Fluchtberichte. Anschliessend kehrten anscheinend
mehr oder weniger starke Bev�lkerungsgruppen in ihre Heimatd�rfer zur�ck und
wurden dann 1946 von den polnischen Beh�rden ausgewiesen.

Ich weiss aus Berichten meiner Grossmutter und ihrer Schwestern, die auch
aus Liegnitz geflohen waren, dass sie in ihrer neuen Heimat Bayern nicht
sehr freudig aufgenommen worden sind. Daher meine Frage:

- Was l�ste die R�ckkehr aus? Sind das Gruppen gewesen, die von der Front
�berrollt wurden und dann zur�ckgeschickt worden sind oder handelt es sich
um eine freiwillige R�ckkehr?
Aus anderen Berichten weiss ich, dass sehr viele Leute versucht haben, sich
in die amerikanischen oder englischen Zonen durch zu schlagen, weil es dort
weniger hart zuging, als im Osten. Daher ist mir die R�ckwanderung noch
unerkl�rlicher.

Ist diese R�ckwanderung eine typische Erscheinung f�r den Kreis Oels oder
gilt das auch f�r andere Teile der Ostgebiete? Bei meiner Arbeit am Kreis
Sternberg/Neumark ist mir diese R�ckkehr nicht aufgefallen, was aber nicht
unbedingt heisst, dass es sie nicht gegeben hat.

Wie wurde die Ausweisung 1946 durchgef�hrt? Sind die Menschen dann per Zug
gen Westen geschickt worden oder gab es dann wieder Fl�chtlingstrecks zu
Pferd und Wagen oder zu Fuss?

Es geht mir hier nicht um die politischen Teile der Frage, sondern rein um
die historischen Hintergr�nde.
Mit besten Gr�ssen aus der Schweiz

Christian Heilmann
Walenstadt, Schweiz
Heilmann@GCA.CH
WWW.GCA.CH
079 6104 880

Hallo Herr Heilmann,
da ich 1945 bzw. 1946 die Flucht bzw. die Vertreibung pers�nlich erleben
mu�te, kann ich Ihnen hierzu einige Antworten geben. Generell ist zwischen
Flucht und Vertreibung zu unterscheiden: Flucht war vor der heranr�ckenden
Front bzw. der Roten Armee. Vertreibung spielte sich dann sp�ter ab, n�mlich
als die Russen oder Polen die Gebiete von den Deutschen s�uberten. Heute
w�rden wir sagen, es war eine "ethnische S�uberung".

Guten Abend Liste

Nach meinen bisherigen Informationen war die Flucht aus den Gebieten im
Osten im Jahre 1945 eine Einbahnstrasse. Mein Vater ist z.B. 1945 aus
Liegnitz mit seinen Schwestern geflohen und nicht mehr dorthin zur�ck
gekehrt.
Nun sehe ich im Buch von U.M. von B�low �ber den Kreis Oels, dass die
Bewohner des Kreises Oels 1945 vor der herannahenden Front - mehr oder
weniger organisiert - geflohen sind. Daher stammen nach meinen
Informationen
auch die verschiedensten Fluchtberichte. Anschliessend kehrten anscheinend
mehr oder weniger starke Bev�lkerungsgruppen in ihre Heimatd�rfer
zur�ck und
wurden dann 1946 von den polnischen Beh�rden ausgewiesen.

Genau das war oft der Fall. So f�chteten wir im Januar 1945, kurz bevor
Breslau eingeschlossen wurde, mit einem �berf�llten Lazarettzug von Breslau
nach Plomnitz bei Habelschwerdt. Ich ging dort sogar noch zur Schule.
Unverge�lich bleibt mir eine weinende junge Lehrerin in Erinnerung, die uns
vom Tode des "F�hrers, der im Kampfe um Berlin gefallen" sei, berichtete.
Sie zeigte dabei auf das Hitlerbild im Klassenzimmer. Kurz darauf erlebten
wir im Mai die Besetzung durch die Russen. Was da passierte, besonders mit
den Frauen, will ich hier nicht erw�hnen.

Ich weiss aus Berichten meiner Grossmutter und ihrer Schwestern, die auch
aus Liegnitz geflohen waren, dass sie in ihrer neuen Heimat Bayern nicht
sehr freudig aufgenommen worden sind. Daher meine Frage:

- Was l�ste die R�ckkehr aus? Sind das Gruppen gewesen, die von der Front
�berrollt wurden und dann zur�ckgeschickt worden sind oder handelt es sich
um eine freiwillige R�ckkehr?

Nat�rlich war die R�ckkehr freiwillig. Wo sollten wir denn auch hin. Keiner
wu�te damals, da� unser Schlesien an Polen verschachert wurde und wir alle
vertrieben werden w�rden. Also, eine Vorhut von einigen Frauen (M�nner,
selbst alte, gab es ja nicht) lief auf abenteuerlichen Wegen nach Breslau um
nach den dort gebliebenen Verwandfen und Freunden zu sehen und auch um zu
erkunden, ob das Haus noch stand bzw. die Wohnung noch bewohnbar war. Meine
Mutter war bei einer solchen Erkundung. Wir hatten Gl�ck: Mein Gro�vater und
meine Tante, die beide in der Festung Breslau Dienst taten (Volkssturm bzw.
Krankenschwester) lebten noch und das Haus am Stadtrand stand noch. Wir sind
also alle wieder nach Breslau "zur�ckgemacht", wie man damals sagte.
Brachten dann unser v�llig verw�stete Haus wieder in Ordnung und waren froh,
da� drei russische Offiziere ins Obergescho� einzogen, weil dann die Frauen
vor den �bergriffen der Soldateska sicher waren.

Aus anderen Berichten weiss ich, dass sehr viele Leute versucht
haben, sich
in die amerikanischen oder englischen Zonen durch zu schlagen,
weil es dort
weniger hart zuging, als im Osten. Daher ist mir die R�ckwanderung noch
unerkl�rlicher.

Ist diese R�ckwanderung eine typische Erscheinung f�r den Kreis Oels oder
gilt das auch f�r andere Teile der Ostgebiete? Bei meiner Arbeit am Kreis
Sternberg/Neumark ist mir diese R�ckkehr nicht aufgefallen, was aber nicht
unbedingt heisst, dass es sie nicht gegeben hat.

Wie wurde die Ausweisung 1946 durchgef�hrt? Sind die Menschen dann per Zug
gen Westen geschickt worden oder gab es dann wieder Fl�chtlingstrecks zu
Pferd und Wagen oder zu Fuss?

Die Vertreibung sollte nach den alliierten Vertr�gen human gestaltet werden.
So wie ich es schildere war sie wirklich: Die Polen r�umten 1946
systematisch die Stadtteile ab. Es erschien unvermittelt polnische Miliz,
die die Bev�lkerung aufforderte, innerhalb von zwei Stunden die Wohnung zu
r�umen, wobei nur das, was mitf�hrbar ist, mitgenommen werden darf. Das
waren dann die Elendsz�ge: Lange Schlangen von Frauen, Greisen und Kindern,
wo viele Handw�gelchen mit den letzten Habseligkeiten zogen. Unterwegs
drosch die polnische Miliz mit Peitschen auf uns ein, wenn der Zug z.B. bei
der Querung von Unterf�hrungen zu langsam wurde. Der Zug ging zum
Hauptbahnhof in Breslau. Dort mussten wir eine Nacht warten, bis wir in
G�terwaggons gepfercht wurden. Viel zu viele in einen Waggon, soda� nur die
Kinder Nachts richtig liegen konnten. Herumlungernde polnische Soldateska
schoss �fter wild in der Gegend herum. Ich erlebte, wie ein kleines M�dchen
dabei einen Streifschu� am Kopf erhielt. Der Zug ging nun in Richtung
Westen, ein Mann stimmte das Lied "Nun ade du mein lieb Heimatland" auf der
Mundharmonika an und alle weinten.

Damit war die Auspl�nderung noch nicht vorbei: Der Zug wurde auf ein
Abstellgleis gefahren. Das polnische Zugpersonal und der Lokf�hrer
erkl�rten, da� sie nur weiterfahren w�rden, wenn jeder Waggon soundsoviel
Zloty bzw. den letzten Schmuck abliefern w�rde. Das wurde dann eingesammelt.
Damit wurde uns buchst�blich alles genommen. Man kann sich vorstellen, wie
die hygienischen Verh�ltnisse in den Waggons waren! Meine Gro�mutter wollte
sich das Leben nehmen, da sie es nicht mehr ertrug. Sie tat das dann
wirklich 1948, da sie die Heimat nicht vergessen konnte und in der Fremde
das erlebte, was Sie weiter oben mit "in der neuen Heimat nicht freudig
aufgenommen" bezeichnet haben.

Nie vergesse ich, als der Zug in Braunschweig einfuhr und die ersten
britischen Soldaten pro Familie eine B�chse Corned Beef verteilten. Das war
der Himmel f�r uns. Dann erwartete uns ein gro�es Lager, das Leben in
Baracken usw. Wir waren uns aber jetzt unseres Lebens sicher. Aus dem Lager
wurden wir dann z.B. wie bei uns auf das Land in ein Dorf gebracht. Dort
mu�ten Einheimische ein Teil der Wohnung f�r uns r�umen, was nat�rlich b�ses
Blut erzeugte. Wir hatten dann aber zwei kleine Zimmer f�r sieben Personen,
bekamen Strohs�cke zum Schlafen usw. Es dauerte Jahre, bis es wieder
aufw�rts ging. Viele erholten sich auch wirtschaftlich nie mehr.

Es geht mir hier nicht um die politischen Teile der Frage, sondern rein um
die historischen Hintergr�nde.
Mit besten Gr�ssen aus der Schweiz

Christian Heilmann
Walenstadt, Schweiz
Heilmann@GCA.CH
WWW.GCA.CH
079 6104 880

So war es, so waren die Fakten und so habe ich es als Kind erlebt. Und es
soll mir niemand damit kommen, "es sei ja alles nicht so schlimm gewesen"!
Wir, die Ostbev�lkerung, haben f�r Hitlers verbrecherischen Krieg bitter
bezahlen m�ssen. Denn Russen und Polen haben an uns grausame Revanche
genommen.

Bernd G�rtz

So war es, so waren die Fakten und so habe ich es als Kind erlebt. Und es
soll mir niemand damit kommen, "es sei ja alles nicht so schlimm gewesen"!
Wir, die Ostbev�lkerung, haben f�r Hitlers verbrecherischen Krieg bitter
bezahlen m�ssen. Denn Russen und Polen haben an uns grausame Revanche
genommen.

Hallo Bernd,
Du sprichst mir aus der Seele. Wir mussten noch bis 1948 unter diesem
revanchistischen Regime leben. Siehe auch: Erlebte Heimatgeschichte
Boehm-Chronik -- Erlebte Heimatgeschichte . Das, was wir erlebt haben,
kann man einfach niemanden wuenschen.

Herzliche Gruesse aus Upstate New York,
Guenter

Hallo!

- Was l�ste die R�ckkehr aus? Sind das Gruppen gewesen, die von der Front
�berrollt wurden und dann zur�ckgeschickt worden sind oder handelt es sich
um eine freiwillige R�ckkehr?
Aus anderen Berichten weiss ich, dass sehr viele Leute versucht haben, sich
in die amerikanischen oder englischen Zonen durch zu schlagen, weil es dort
weniger hart zuging, als im Osten. Daher ist mir die R�ckwanderung noch
unerkl�rlicher.

Ich selbst bin zu jung (Jahrgang 1969), habe es nicht miterlebt, aber meine
Mutter erz�hlte sehr viel �ber diese Zeit. Sie war 1923 in der N�he von Breslau
geboren. Die Familie floh 1945 bis kurz vor Prag. Dann hie� es, der Krieg w�re
vorbei. Sie gingen zur�ck, fanden ihr Haus leicht zerst�rt und machten sich an
den Wiederaufbau. Die zerbrochenen Fenster wurden ersetzt, die v�llig verst�rte
Katze wieder gez�hmt, man machte weiter, baute sein Zuhause wieder auf. Dann
kamen die Russen ins Dorf, hier sehr zivilisierte Leute, russische Vergewaltiger
wurden sofort erschossen, die deutschen Bewohner wurden in Ruhe gelassen,
bekamen zu essen, wenn sie arbeiteten und bekamen nichts, wenn sie zu krank oder
zu alt waren. Meine Mutter kochte f�r das Dorf, mein Vater, der auf dem Weg von
seiner Truppe nach Danzig im Dorf von den Russen festgenommen wurde und schnell
die Sprache lernte, baute Stromm�sten ab und zers�gte sie als Feuerholz, trieb
K�he zusammen, die nach Russland gebracht werden sollten, baute Bahnschienen ab,
die eingeschmolzen werden sollten. Als die Polen kamen, verkauften die Russen
ihnen Pferde, die sie in der Nacht darauf wieder klauten. Als die Polen das
Gebiet �bernahmen und die Russen gingen, weinten die russischen Frauen, weil sie
wieder nach Hause mussten. Das Haus meiner Gro�eltern wurde nun von einer
polnischen Familie bewohnt, unsere Familie konnte jedoch bleiben. Mein Gro�vater
starb 1946 nach langer Krankheit, und immer wenn er nach seinem Lieblingssohn
rief, der noch nicht wieder zu Hause war, nahm ihn der polnische Familienvater
in den Arm und tat so, als w�re er dieser Sohn. Das waren die Menschen, die dort
hinkamen, eine ganz andere Sache als die Politik. Meinen Eltern wurde angeboten,
"Volkspolen" zu werden, dann h�tten sie auch Haus und Land behalten k�nnen, die
polnische Familie w�re umquartiert worden. Das kam aber f�r meine Eltern nicht
in Frage. Sie verlie�en das Land �ber Breslau mit der Bahn und kamen dann nach
Braunschweig. Sie wurden dann in einem Dorf in der N�he von Wolfsburg bei einem
Bauern einquartiert, bei dem sie eine Weile arbeiteten. Ich schicke dies auch
�ber die Liste, denn ich wei�, dass viele diese Geschichten nicht zu h�ren
bekommen haben, weil ihre Eltern/Gro�eltern nicht dar�ber reden wollen, doch das
sind die Tatsachen, die nur zu selten in den Geschichtsb�chern stehen.

Viele Gr��e von Karin!

Guten Abend Christian,

zur Information über diese Thema kann ich Dir sehr empfehlen das Buch
"Die Flucht Niederschlesien 1945"" von Rolf O.Becker. ISBN NR.3-7612-0116-8. Preis ca.40.-DM, Aufstieg-Verlag München.
Hier sind Original-Berichte von einzelnen Augenzeugen mit eingebracht.
Es werden folgende KREISE behandelt: Groß-Wartenberg, Namslau, Oels, Militsch,Trebnitz,Wohlau, Guhrau, Fraustadt, Brieg, Breslau-Land, Stad Breslau, Ohlau, Lüben, Glogau, Grünberg, Freystadt, Strehlen, Neumark, Liegnitz, Jauer, Goldberg, Bunzlau, Sprottau, Rothenburg, Lauban, Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Reichenbach, Schweidnitz, Waldenburg, Landeshut, Hirschberg, Löwenberg, u.Görlitz sowie Fotos u.
2 Kartenskizzen.
"In authentischer Berichterstattung gelang es , über den Rahmen der Kampfhandlungen hinaus aus einer Fülle von Einzelschicksalen ein gültiges Bild jener tragischen Tage und Wochen entstehen zu lassen."

Grüsse von

Winfried

So war es, so waren die Fakten und so habe ich es als Kind erlebt. Und es
soll mir niemand damit kommen, "es sei ja alles nicht so schlimm gewesen"!
Wir, die Ostbev�lkerung, haben f�r Hitlers verbrecherischen Krieg bitter
bezahlen m�ssen. Denn Russen und Polen haben an uns grausame Revanche
genommen.

Bernd G�rtz
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Lieber Herr G�rtz,

vielen Dank f�r Ihren ausf�hrlichen und eindringlichen Bericht, der
die Tatsachen der Vertreibung so schildert, wie ich es im Westen er-
lebt und erz�hlt bekommen habe. Ich hatte zwar keine Verwandten aus
Schlesien, aber aus Ostpreu�en, die auch im Jahre 1946 von dort aus-
gewiesen wurden. Ich war dabei, als mein Opa aus dem Westen f�r mei-
ne Tante aus dem Osten (Schwiegertochter/Frau des gefallenen Sohnes)
und ihre Eltern und Kinder eine Toilette neben ihrer Baracke baute.

Das Wohnungsamt erlaubte nur ein Zimmer je Person, also durfte eine
Familie mit drei Personen z.B. K�che, Schlafzimmer und Kinderzimmer
benutzen. In die anderen R�ume wurden dann Fl�chtlinge eingewiesen,
so z.B. bei meinem Opa eine Familie Schaf aus Breslau. Nach einigen
Jahren, etwa 1952, war die Lage aber wieder einigerma�en normal. In
diesem Zusammenhang kann ich auch nur wieder auf das Buch hinweisen,
das die wahren Hintergr�nde des Krieges und des "Wirtschaftswunders"
beschreibt. F�r Ru�land sieht die Zukunft aber auch nicht rosig aus,
wie man noch feststellen wird.

Ganz herzliche Gr��e aus Luxemburg

Gerd M�llenheim

Hallo Herr Heilmann,
eigentlich ist dem wahrheitsgetreuen Bericht vom Landsmann Bernd G�rtz
nichts mehr hinzuzuf�gen. Da ich (Jahrgang 1938) die Vertreibung als
Achtj�hriger 1946 erlebt habe noch einige eigene Antworten auf Ihre Fragen.

Nach meinen bisherigen Informationen war die Flucht aus den Gebieten im
Osten im Jahre 1945 eine Einbahnstrasse. Mein Vater ist z.B. 1945 aus
Liegnitz mit seinen Schwestern geflohen und nicht mehr dorthin zur�ck
gekehrt.
Nun sehe ich im Buch von U.M. von B�low �ber den Kreis Oels, dass die
Bewohner des Kreises Oels 1945 vor der herannahenden Front - mehr oder
weniger organisiert - geflohen sind. Daher stammen nach meinen

Informationen

auch die verschiedensten Fluchtberichte. Anschliessend kehrten anscheinend
mehr oder weniger starke Bev�lkerungsgruppen in ihre Heimatd�rfer zur�ck

und

wurden dann 1946 von den polnischen Beh�rden ausgewiesen.

Ich weiss aus Berichten meiner Grossmutter und ihrer Schwestern, die auch
aus Liegnitz geflohen waren, dass sie in ihrer neuen Heimat Bayern nicht
sehr freudig aufgenommen worden sind. Daher meine Frage:

- Was l�ste die R�ckkehr aus? Sind das Gruppen gewesen, die von der Front
�berrollt wurden und dann zur�ckgeschickt worden sind oder handelt es sich
um eine freiwillige R�ckkehr?

Mein Gro�vater, Jahrgang 1882, der im Kreise Neumarkt eine Landwirtschaft
betrieb, verlie� Anfang 1945 vor der herannahenden Front mit Frau, Sack und
Pack sein Dorf und fl�chtete nach Sachsen. �brigens versuchte die polnische
Ostarbeiterin, heute hei�t es Zwangsarbeiterin, h�nderingend, mitgenommen zu
werden, da sie aus guten Grund Angst vor den Russen hatte.
Dort, in Sachsen, hielt es ihn nicht lange, er dachte immer an sein
unversorgtes Vieh, was ihn bald in den Wahnsinn trieb. So machte er sich
wieder auf den Weg und gelangte sogar bis nach Eisendorf wurde aber von den
Russen gefangengenommen und musste Tag und Nacht K�he melken. Die Russen
trieben das vorgefundene Vieh Richtung Osten. Milchk�he m�ssen aber
regelm��ig gemolken werden, an sonsten bekommen sie "Brand"
(=Euterentz�ndung). In Eisendorf war so eine Melkstation eingerichtet
worden.
Ihm gelang sp�ter die Flucht und er kam auch wieder, nach vielen F�hrnissen,
in Sachsen an. Doch diese Flucht w�re ein eigenes, abendf�llendes Thema.
Was ich sagen will. Eine R�ckkehr war von den Alliierten, Polen usw. nicht
gewollt. Einzelnen Personen und Gruppen unternahmmen das auf eigenes Risiko.
Dabei wurden von den "R�ckkehrern" die Verh�ltnisse des noch nicht
etablierten polnischen Staates genutzt. 1946 w�ren solche Unternehmungen
kaum mehr gelungen.

Aus anderen Berichten weiss ich, dass sehr viele Leute versucht haben,

sich

in die amerikanischen oder englischen Zonen durch zu schlagen, weil es

dort

weniger hart zuging, als im Osten. Daher ist mir die R�ckwanderung noch
unerkl�rlicher.

Wir Schlesier, die nach der Vertreibung im Osten (sp�ter DDR) gelandet
waren, sagten immer, dass wir den Krieg dreimal verloren hatten. Es gab im
Osten keinen Lastenausgleich, keine Heimattreffen, keine Heimatzeitungen. In
den Schulen wurde gelehrt und in den Zeitungen geschrieben, dass der
deutsche Osten schon immer polnisches Land war. Das tat, neben materiellen
Nachteilen im Osten, nat�rlich auch dem Gem�ht weh.

Wie wurde die Ausweisung 1946 durchgef�hrt? Sind die Menschen dann per Zug
gen Westen geschickt worden oder gab es dann wieder Fl�chtlingstrecks zu
Pferd und Wagen oder zu Fuss?

Das hat Bernd G�rtz eindringlich geschildert.
Wir wurden in G�terwaggons (Journalisten heute, die �ber Zwangsarbeiter,
Kriegsgefangene usw. von damals berichten w�rden "Viehwaggons" schreiben),
38 Personen pro Waggon, in unserem Falle, aus der Heimat abtransportiert.
Vorangegangen war ein 20 km langer Fu�marsch, �bernachtung in v�llig
�berf�llter Schule (auf dem Hof bei str�mendem Regen). Am n�chsten Tag wurde
unser Hab und Gut nochmals willk�rlich kontrolliert und um die attraktiven
Dinge reduziert.
Das alles im August 1946, als die zivilisierten Engl�nder, Franzosen und
Amerikaner schon mitbestimmten.

Freundliche Gr��e aus Leipzig
Wolfgang Leistritz