Kostenlose Portale oder nicht?

Liebe Listies,

meine Mail "teilen" sollte eigentlich nicht �ber die Liste gehen: Egal, viel Schaden kann sie sicher nicht anrichten.

Die folgende Zuschrift m�chte ich aber hier kommentieren:

Hallo Herr Schlang,

in �sterreich hat die katholische Kirche mit der Digitalisierung der
Kirchenb�cher begonnen und weite Teile �sterreichs sind auch schon
kostenlos online verf�gbar, siehe z.B.
http://matricula-online.eu/

Es ist ja allm�hlich bekannt, dass in Frankreich die allermeisten Departementsarchive KB und standesamtliche Akten bis etwa 1902 kostenlos zur Verf�gung stellen. Zahlen muss man daf�r nur noch in 2 Departements, aber die Kosten sind sehr niedrig.

Man darf aber nicht glauben, dass die Digitalisierung f�r den frz. Staatsb�rger total kostenlos verlaufen ist: Wir zahlen hier in jeder Gemende eine hohe Einwohnersteuer (in unserem Dorf von 1800 Einwohnern f�r meinen Mann und mich �ber 1000�), von denen ein Teil ans Departement, ein anderer Teil an die Region abgef�hrt wird. Und diese Anteile sind in den letzten Jahren kr�ftig gestiegen.
Die "kostenlose" Bereitstellung ist also sicher mit unseren Steuern finanziert worden.

Was in Frankreich anders ist als in Deutschland, ist das Verh�ltnis des Staates und der Kirchen zu den KB und standesamtlichen Unterlagen: Seit der Revolution sind alle Zivilstandsunterlagen Volkseigentum und die Urkunden an sich stehen daher zur freien Verf�gung aller. Zahlungspflichtig ist nur die Beschaffung: Bearbeitungsgeb�hr, Kopien.
2 Geburtsurkunden aus dem Stadtarchiv Metz aus den 1890er Jahren, die ich mit genauer Angabe des Tages, Monats und Jahres (online in den Dezennaltabellen gefunden) angefordert habe, kosteten je 2,50� plus je 15cts Bearbeitungsgeb�hr. Portokosten sind vom Archiv nicht berechnet worden.
Wenn man selbst in den Archiven sucht, zahlt man keine Benutzungsgeb�hr, nur Kopiekosten, falls man nicht selbst fotografiert.

Dort finden sich auch viele B�cher aus der Di�zese Passau. Die
evangelische Kirche, die in �sterreich nicht so stark verbreitet ist,
fehlt noch. Urspr�nglich wurde auch dar�ber nachgedacht, ob ein
Kostenbeitrag erhoben werden soll. Anscheinend sieht man den Aufwand daf�r
als zu hoch ein und es bleibt kostenlos.

Das ist hier auch schon vorgekommen: Das Departement Savoie hat nach etwa einem Jahr den Kostenbeitrag f�r Online-Dokumente abgeschafft, weil die Bearbeitungskosten den Gewinn deutlich �berstiegen haben.

Viele Gr��e
Ernst Ambros

Mit Gr�ssen aus Frankreich
Colette (Llorca)

www.llorcahome.org

Liebe Colette,

was du vielleicht nicht mehr wei�t: wir zahlen hier jede Menge Kirchensteuer
und f�r jede Taufe / Trauung / Beerdigung und Pflichteintragung ins KB haben
unsere Vorfahren auch viele Batzen, Gulden, usw. hingelegt.

Viele Gr��e
Dietger (Braun)

Lieber Dietger,

mal abgesehen davon, dass der Begriff "jede Menge Kirchensteuer" relativ ist (es wird ja auch niemand gezwungen, in der Kirche zu bleiben), möchte ich doch auch mal darauf hinweisen, dass die Kirchensteuer in voller Höhe als Sonderausgabe bei der Einkommensteuererklärung abziehbar ist. Siehe hier: http://www.ekd.de/kirchenfinanzen/kirchensteuer/869.html.

Und wenn man heute in einem Pfarramt anfragt, wird in aller Regel ja auch etwas berechnet oder zumindest um eine Spende gebeten.

Ich bin ja auch nicht sicher, ob es nicht einen anderen Weg gegeben hätte. Andererseits halte ich die Preise auch nicht für so überzogen. Und wenn damit dauerhaft der Betrieb des Portals sichergestellt ist (was angesichts schwindender Mitgliederzahlen bei der Verwendung von Kirchensteuermitteln keineswegs sicher wäre), ist das doch auch was.

Wie heißt es so schön: Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben...

Viele Grüße

Matthias (Eislöffel)