Hallo Eckhard,
hier ein Artikel, der für Dich ( und für andere) vielleicht interessant ist.
Mit internetten Forschergrüßen
aus Flörsheim am Main
Reinhard (Lehrig)
Aus der Geschichte des Bergbaus im Buchholz
Die Aufgaben der Kohlenmesser
Recke. Im Vorfeld seines für den 20. Oktober, 17 Uhr, geplanten Bergfestes im
Buchholz macht der "Bergbauhistorische Verein Buchholzer Forst 1650 Recke"
auf verschiedene Aspekte der Bergbaugeschichte des Buchholz aufmerksam. Eine
interessante bergbauliche Geschichte hat die alte Gaststätte am Buchholz.
Nicht nur gesellige Feiern fanden statt, unter dem Dach dieses Hauses
arbeiteten viele Jahre Kohlenmesser und Buschbewahrer. Forstaufsicht und
Verkauf würde man heute sagen. Doch welche Aufgaben hatten diese Personen
damals? Hubert Rickelmann gibt hierzu in seinem 1934 erschienenen Buch zur
Geschichte über den Steinkohlenbergbau wesentliche Informationen. Daraus geht
hervor, dass die Abgabe der Kohlen von dem Kohlenmesser vorgenommen wurde. Zu
-b-eginn des 18. Jahrhunderts wurde diese Aufgabe von Grubenaufsehern und
später von Steigern wahrgenommen. Als die Reviere größer wurden und sie
dadurch voll beschäftigt waren, übertrug man das Ausmessen der Kohlen den
Kohlenmessern. Diese hatten als Sicherheit eine Kaution zu stellen. Die
Entlohnung erfolgte ursprünglich über Messgelder, ab 1803 erhielten sie Lohn
aus der Grubenkasse, hinzu kam freier Brand und freie Wohnung. Der
Kohlenmesser auf dem Buchholz war gewöhnlich ein Bauer, der in der Nähe
wohnte. Im Laufe der Zeit waren als Kohlenmesser auf dem Buchholz eingesetzt:
1744 Severin, 1750 Hüls, 1766 Lindenbaum, 1787 Heinrich Remke, 1803 Bernhard
Wilhelm Remke, 1841 Anton Kampschmidt. Als man im Jahre 1862 zum Verwiegen
der Kohlen übergegangen war, nannte man die Kohlen ausmessenden Personen
Kohlenwieger. Die Forstaufsicht wurde von den Buschbewahrern durchgeführt.
Das Grubenholz war für den Bergbau im Buchholzer Forst immer besonders
wichtig. Um 1785 gab es einen ausgesprochenen Mangel und dadurch bedingt hohe
Holzpreise. Der in Cappenberg geborene berühmte Preußische Staatsmann
Freiherr vom und zum Stein regte bei seiner ersten Anwesenheit in dem
Grubenfeld am 13. Mai 1785 an, dem Bergwerk aus den genügend vorhandenen
Markengründen größere Flächen zuteilen zu lassen und diese aufzuforsten. Das
Bergwerks- und Hüttenamt in Berlin zeigte zunächst Zurückhaltung, befürchtete
das Auftreten von Raupenfraß, insbesondere aber die Anstellung einer
besonderen Aufsichtsperson. Die Bedenken wurden aber später aufgegeben. Bei
einer Besprechung mit den Chefs des Bergwerks- und Forst-Departements im
September 1787 in Lingen wurde entschieden, unter anderem eine Fläche im
Bereich des Buchholz aufzuforsten. Kiefernsamen wurden ausgelegt, Buchen und
Eichen wurden gepflanzt. Die kleinen Tannen entwickelten sich zwar gut, doch
wurde viele Schaden durch Diebstahl, man spricht von 900 Bäumen in einem
Jahr, und durch Waldfrevel angerichtet. Man war gezwungen, eine Buschbewahrer
für den Buchholz anzustellen, der seinen Sitz im Gebäude des Gasthauses am
Buchholz hatte. Eine weitere Aufgabe fiel des Buschbewahrer auch für den
vorhandenen älteren Baumbestand zu. Auf dem Bergbaubild von 1650 ist in einer
seltenen und sehr eindrucksvollen Weise ein Waldbestand aus überalterten und
ruinierten Althölzern udn Strünken dargestellt, der sicherlich gepflegt
werden musste. So wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts vermerkt, es hätten
"die königlichen Forsten die alten, schweren Bäume schon verausgabt, und man
schritt dazu, die alten Eichen von den Höfen der Eigenhörigen zu nehmen". Man
kann sich gut vorstellen, dass der Buschbewahrer hier ordnend tätig werden
musste. Lange vor dem letzten Fördertag im Westfeld, dem 29. Juni 1979 wurde
der Absatz der Kohlen am Oeynhausenschacht zentralisiert. Kohlenmesser und
Buschbewahrer hatten schon viel länger ihre Aufgabe aufgegeben. Doch
anlässlich des Bergfest am Buchholz, das am 20. Oktober am Fuße des
Buchholzes begangen wird, möchte der Bergbauhistorische Verein auch an diese
Momente in der Buchholzer Sozial- und Industriegeschichte erinnern. Quelle :
Ibbenbürener Zeitung
http://www.untertage.com/presse/niedersachsen/nied1.htm