Hallo liebe Listis.
Wie aus den Ortschroniken der Dörfer Hofstetten/Schwarzwald und
Fischerbach/Schwarzwald zu entnehmen ist, gab es im Zeitraum um 1850 in
diesen übrigens rein katholischen Dörfern als Spitzenreiterin eine nie
verheratete Frau mit 4 unehel. Kindern, sowie gleich mehrere Mägde mit
dreien.
Die Gründe liegen auf der Hand: Da eine Heiratserlaubnis (richtig gelesen)
der Gemeinde mit einem Nachweis an Geldvermögen/Grundbesitz verbunden war,
waren uneheliche Geburten eine schlichte Alltäglichkeit. Eine Ehe konnte
sich nicht jeder leisten.
Bei einer späteren Heirat wurden fremde Kinder übrigens gerne anerkannt.
Schliesslich waren bereits Kinder feste und dabei auch noch unentgeltliche
Arbeitskräfte* die man auf dem Hof halten wollte, nicht zuletzt der eigenen
Altersversorgung willen, wennn man den Hof übergab und ins abseits stehende
Leibgeding zog (Naturalrente/Nutzrechte).
Auf dem Schwarzwaldhof lebten und arbeiteten 30 und mehr Menschen.
Zuletzt weisen die Chronikverfasser darauf hin, dass es nicht selten der
Fall war, dass die Geburt mit dem Tod der Mutter verbunden war. So gab es
Fälle, dass am Ende Ehemann und Ehefrau gar nicht mehr mit allen Kindern
verwandt waren, wenn dann der Altbauer verstorben war und seine junge zweite
Ehefrau sich neu verheiratete mit einem anderen Witwer. Das waren nach
weiteren Wiederverheiratungen dann echte Kuckuckskinder: Vater UND Mutter
war jemand gänzlich anderes.
Es sei also darauf hingewiesen, dass man in früheren Zeiten sehr pragmatisch
mit seiner Sexualität umging und wenn es auch relativ unromantisch klingt,
Versorgungsfragen im Vordergrund standen. Die überlieferten Gerichtsakten
der damaligen Zeit weisen als häufigste und zweithäufigste Klagegründe
Vaterschaftsklagen und Unterhaltsfragen auf (Gerichtsbezirk Wolfach).
Eheliche Kinder sind in diesen Dörfern in jener Zeit nicht in der grossen
Mehrheit vorhanden gewesen aber noch nicht einmal unbedingt von besonderem
*Interesse.
Die Kehrseite der ehelichen Treue ist für die Dörfer übrigens ebenfalls
beschrieben.
Es gab nämlich aufgrund der inzestiösen Verhältnisse viele behinderte
Mitmenschen.
Eheliche Treue barg so besehen also u.U. sogar ein erhebliches
Gesundheitsrisiko für die eigenen Kinder.
Matthias Kuntze
Familienname WITTWER
in Niederhermsdorf und Langwaltersdorf