Johann Leiblin genannt Fugger

Liebe Mitforschende,

was habt Ihr für Erfahrungen mit Nachnamenszusätzen wie „genannt …“

In den Ratsprotokollen vom Kloster Weingarten erhält am 23.05.1639 ein
„Hans Leüblin genannt Fugger, Bürger in Altdorf, ein Lehensgut vom
Kloster Weingarten in Briach.“. Dieser zieht dann von Altdorf in den
nahe gelegenen Ort Briach.

Im Kirchenbuch von Altdorf (Weingarten bei Ravensburg) finden sich zwei
Taufen im Jahr 1637 eines „Jois Fugger“ mit seiner Ehefrau Anna Heilig
(die Ehe mit Anna Heilig war 1633 und er steht dort als Johann Leuib).

Auch in den Protokollen des damaligen Marktflecken Altdorfs (noch keine
Stadt gewesen) taucht der Beiname „genannt Fucker, Fugger“ in diesen
Zeiten auf. Als Hans Leublin 1633 Bürger in Altdorf wird, kam er aus
Baienfurt.

Seine Kinder heissen später Leublin/Leiblin.

Was meint Ihr dazu? Ist dieser Beiname „Fugger“ eine Berufsbezeichnung,
ein Hinweis auf die Fuggerfamilie oder ganz was anderes? Etwas
merkwürdig ist sein Nachname bei den Taufen, bei denen er eindeutig
lesbar als Fugger genannt wird.

Viele Grüße
Daniel (Oswald)

Hallo Daniel,

gem. Reinhard Riepl, Wörterbuch ….

ist ein Fucker = Fugger = ein Großhändler

o. O. (ohne Obligo)

Beste Grüße

Wolfgang Merk

Hallo Daniel,

m.E. kann es alles sein.

a) einer der mit dem Hause Fugger in Verbindung stand (persönlich, verwandtschaftlich oder geschäftlich)

b) Fugger/Fucker heißt auch Großhändler (s. R. Riepl, Wörterbuch zur …, S. 147)

c) Kann aus einem ähnlich lautenden Ort kommen. Genauso lautende gibt es östlich von Stuttgart.

Aber in der Region gibt es Voggen und Voggenreute, OA Waldsee

Wenn aus V oft F wurde, so wie scheint’s bei Vogel zu Fugel,

kann auch aus dem Wohnplatz Voggen Fuggen werden und der dort herkam eben Fugger heißen.

So wie ich eben Kögler’s Franz bin.

In sehr alten Büchern ist im alfabet. Register oft zusammengefasst: B+W, F+V, I+Y, G+K, K+C, C+Z, usw.

Viel Grüeß

Franz Ruetz genannt Kögler :wink:

Lieber Framz, lieber Wolfgang,

vielen Dank für Eure Nachrichten. Im Moment gehe ich wegen des Beinamnes
„genannt Fugger“ von einer Berufsbezeichnung aus. Der Hof auf dem Hans
Leublin genannt Fugger lebte, war damals ca. 50 Hektar groß. Eher ein
größerr Hof vom Kloster Weingarten. Fugger dürfte hier evtl. eher für
einen Großbauern gestanden haben, der aus einer entsprechenden Familie
kam. Angeblich kam er laut dem Ratsprotokoll der heutigen Stadt
Weingartens (Altdorf) bei dessen Einbürgerung 1633 aus Baienfurt und
nicht aus Augsburg.

Viele Grüße,
Daniel

Hallo Herr Oswald,

Ich kann nur aus Altbayern-Erfahrung sprechen.

Genannt bedeutet hier immer der „Hausname“. Der Hausname seinerseits hat natürlich einen Ursprung. Ich deute einen Hausnamen „Fugger“ als Steuerempfänger des Hauses,

d.h.

Ich würde in Altdorf mal schauen, welche Güter dort den Fuggern zinsbar (steuerpflichtig) waren. Das hat ja bekanntlich nichts mit der Niedergerichtsbarkeit zu tun (wie Sie schreiben, niedergerichtsbar zum Kloster Weingarten). Gibt es für BaWü auch einen „Historischen Atlas“ wie hier in Bayern, in dem man so etwas super-einfach nachlesen kann?

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Feiertag-Abend mit Biergarten und Badesee

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Hallo Herr Peren,

das ist ein guter Hinweis. In unserer Region habe ich aufgrund meiner
chronologischen Besitzerketten der bäuerlichen Familien auf den Kloster
Weingarten Höfen sehr häufig feststellen können,dass dieser Beiname
„genannt“ im Mittelalter den Vorgänger auf dem Hof meinte, auf dem der
Bauer war. Freies Beispiel: „Nans Maier genannt Müller“ meint, dass
Müller die Vorgängerfamilie auf dem gleichen Hof war.

Leider ist es bei uns im oberschwöbischen nicht leicht (mitunter durch
die komplizierten Verhältnisse von damals) die Eigentümer bzw.
Zinseinnehmer, festzustellen. Unser „Historischer Atlas“ ist da leider
nicht so ergiebig wie der bayerische. Oftmals muss man hierfür in die
entsrpechenden Archive gehen.

Viele Grüße
Daniel (Oswald)