JENTSCH = GENTSCH? (war: GENTSCH in Söllichau und Düben)

Hallo J�rgen,

ganz eindeutig kann ich Deine Frage nicht beantworten, da ich sehr viele
KB-Eintr�ge zu Jent(z)sch, aber keine zu Gentsch besitze. In S�llichau habe
ich den Namen Gentsch im Zeitraum 1700-1800 als Familienname der
Jentsch-Ehefrauen/Ehem�nner bzw. als Name von Paten nicht gesehen.

Allerdings gibt es in dieser Gegend viele Namen mit ...tzsch wie Kertzsch,
Kretzsch, Pretzsch, Pertzsch...

Viele Gr��e
Karlheinz

Hallo,

in der Gegend Zoerbig-Bitterfeld kamen Gent(z)sch und Jent(z)sch ueber die
Jahrhunderte in den selben Familien vor (erst G, dann J). Man kann den
Wandel auch leicht nachvollziehen, wenn man den dortigen Dialekt kennt: Ich
jehe jerne in'n Jarten wenn de Jurken jeerntet wern... Ich weiss aber nicht,
fuer wie weit noerdlich das dann noch zutrifft, ich glaube aber, die
Berliner haben das auch noch.

Viele Gruesse
Petra (Watzka)

Hallo Karlheinz,

danke für Deine Erläuterungen. Es lag ja auch am Pfarrer, wie vertraut oder nicht vertraut er mit den örtlichen Namen war oder ob er bspw. aus einer anderen Gegend stammte, wo man bestimmte Namen anders aussprach und daher auch anders schrieb.

Im hamburgisch-holsteinisch-niedersächsischen und im brandenburgischen und mecklenburgischen Raum habe ich feststellen können, daß oft auch mal zwischen der hochdeutschen und der plattdeutschen Form eines Namens gewechselt wurde, je nach Sprachverständnis oder -vorliebe des Schreibers oder der Benutzung seines eigenen Namens durch den Sprecher, der ihn dem Schreiber nannte. So gab es z. B. parallel VOSS und FUCHS, KLEIN und LÜTT, KAUFMANN und KOOPMAN, BEERBOOM und BIRNBAUM, u. ä. für dieselbe Familie - und auch bei Vornamen kommt oft der Dialekt oder - im Fall des Niederdeutschen - eine andere deutsche Sprache zur Geltung.

<< > Allerdings gibt es in dieser Gegend viele Namen mit ...tzsch wie Kertzsch, Kretzsch, Pretzsch, Pertzsch... >>

Ja, das hat der mitteldeutsche Raum so an sich - es gibt ja auch FRITSCHE und FRITZSCHE, FRITSCH und FRITZSCH ...

Meine FRITSCHE-Vorfahren wurden mal so, mal so geschrieben, gelegentlich sogar mehrfach unterschiedlich in ein und derselben Urkunde!

Das belegt, daß es zu damaligen Zeiten, im damaligen Sprachgebrauch, gar nicht auf die Schreibweise ankam (eine verbindliche Rechtschreibung existierte ohnehin nicht) - jeder im Ort wußte offensichtlich, wer jeweils gemeint war. Insofern muß man ohnehin sämtliche Schreibvarianten eines Namens - auch auf den ersten Blick unähnliche oder nur entfernt ähnlich erscheinende - als potentiell zur Familie gehörig untersuchen und darf sich von unterschiedlichen Schreibweisen erst mal nicht beeinflussen lassen.

Für meinen Namen z. B. bedeutet das, daß ich mich nicht nur FRITSCHE und FRITZSCHE beschränken darf, sondern auch immer Personen der Namen FRITSCH, FRITZSCH, FRICZ, FRICZE, FRICS, FRICSE, FRITZ, FRITZE, FRITSCHING, FRITZSCHING, FRITSCHNER, FRITZSCHNER, u. ä., untersuchen muß, da sich herausgestellt hat, daß man damals all diese Namen / Namensformen für eine Person des Namens FRITSCHE (hier jetzt als Oberbegriff der Namensgruppe betrachtet) verwendete und es offenbar selbstverständlich war, daß all diese unterschiedlichen Namensformen ein und dieselbe Person bezeichnen konnten (natürlich konnten sie aber auch familienfremde Personen bezeichnen)

Man muß sich also, aus unserer heutiger Sicht und unserem heutigem Sprachgebrauch und Namensverständnis mit inzwischen unveränderlichen Namen, in der Genealogie völlig davon lösen, sich an Schreibvarianten zu stören und u. U. einige der gefundenen Varianten bspw. als "bestimmt nicht in Frage kommend" auszusortieren.

Viele Grüße,
Jürgen

Hallo Petra,

ja, diese dialektbedingten Schreibvarianten meinte ich. Allerdings gibt es im deutschen Sprachraum inselförmig mehrere, von einander unabhängige Dialekte, die Vokale und Konsonanten abwandeln. G <-> J ist nur ein Beispiel. Ein anderes ist bspw. A <-> E (HERMANN <-> HARMEN, WERNER <-> WARNER, BERG <-> BARG).

Es gibt zwischen Nordsee / Ostsee und Alpen / Erzgebirge übrigens mehrere Dialektbereiche, die G <-> J verwandeln - und zwischen diesen G <-> J-Inseln wird die normale Aussprache verwendet.

Also kann man davon ausgehen, daß in diesen Regionen bspw. JENTSCH = GENTSCH sein dürfte (und Jürgen = Gürgen, auch das gibt es).

Viele Grüße,
Jürgen