Hallo Gerda,
Hier ist ein Auszug aus dem Buch von von Siegmar Witzleben
Grüße von Ulrich
Ostholstein als Auffanggebiet von Flüchtlingen und Gefangenenlager
Zusammenfassung aus Kriegsende und Neubeginn in Ostholstein 1945 von Siegmar Witzleben, 2005.
Ostholstein erlebt kurz vor und nach Kriegsende den Zufluß von drei Flüchtlingswellen, außerdem der versuchten Deportierung von KZ-Häflingen und die Rückführung von Kriegsgefangen und Zwangsarbeitern.
Der 'Kral'.
Schon nach der Teilkapitulation am 5. Mai 1945, insbesondere aber nach der Kapitulation des Dritten Reichs am 8. Mai, war Schleswig-Holstein nicht nur mit Flüchtlingen, sondern auch mit Soldaten berfüllt. Etwa 1,5 Millionen Soldaten warteten hier auf ihre Entlassung. Das Internierungsgebiet Ostholstein betrug ca. 750.000 Mann, inclusive den aus Dänemark und anderen Teilen des Reiches zugeführten Soldaten.
Fassungslos, ungläubig, aber auch verunsichert sahen die Einwohner Ostholsteins nach den gerade abgeebbten Flüchtlingsströmen nun die geschlagene Armee in ihr Gebiet einziehen. Vielfach wurden von der Bevölkerung spontan entlang der Marschstraßen Getränke- oder Verpflegungsausgaben organisiert. Unter den Soldaten herrschte eine babylonische Sprachvielfalt. In Diensten der Weermacht stehende Männer aus Rußland, Angehörige der 'Wassow-Armee', Soldaten aus fast allen Ländern Europas, ja sogar KZ-Häftlinge, die in den letzten Wehrmachtstagen noch deutsche Uniformen tragen mußten.
Das Sperrgebiet verlief von Kiel, östlich von Malente und Eutin nach Neustadt. Der britische Befehlshaber des Krals war Major Quail, der mit seinem Stab in der damaligen Kreisstadt Oldenburg residierte. Die Ordnungsaufgaben übernahmen die Deutschen Einheiten unter dem Befehl von Generalleutnant Hunhold von Stockhausen. Glücklicherweise waren ab Mitte Mai die Viehställe und Vorratsscheunen lehr, hier konnten viele Soldaten untergebracht werden. Doch nicht annähern für alle waren feste Quatiere verfügbar. In Zelten, Erdlöchern Unterständen und Wäldern vegetierten Hunderttausende unter freiem Himmel; mehrere Zehntausend ausländische Soldaten, überwiegend Angehörige der Waffen-SS aus ganz Europa und Rußland, wurden in sogenannten Polenlagern zusammengefaßt und hausten unter menschenunwürdigen Verhältnissen. Der beißende Hunger war ständiger Begleiter, Wilderei und Nahrungsdiebstähle waren an der Tagesordnung.