Hüttenbesitzer Mariott aus Lüttich

Hallo Detlef,

die Familiengeschichte meiner Frau steht in enger Verbindung zur Grube Friedrichssegen/Lahnstein. Beigefügt sende ich daher die von Richard Steinmetz angesprochene Passage aus der Geschichte von Oberlahnstein.

Grüße aus der Kurpfalz

Helmut Kuhn

Jean Mariotte aus Lüttich, der schon 1639 von Trier die Konzession zum Bau eines Gieß- und Hammerwerkes bei Dernbach und dann eine Reihe ähnlicher Konzessio­nen für Vallendar, Katzenelnbogen, Weinähr, Haarmühle und Fachbach bekommen hatte, erhielt am 9. Juni 1668 vom Kurfürsten Joh. Phil. v. Schoenborn zu Mainz die Konzession des Ahler Eisenhammers. Es wurde ihm erlaubt, einen Eisenhammer und eine Eisenschmiede zu errichten und hat ihm dazu ein Wassergang aus der Lahn gestattet. Dafür sollte er 10 Tlr. jährlich an die Kellerei als Wasserpacht geben. Auch sollte ihm, im Falle er auf erzstiftischem Territorio Eisensteine oder sonstiges Erz fände, vor allem die Konzession für Bergwerksanlagen gegeben werden. Ferner wurde ihm gestattet auf erzstiftischem Boden einen Wippkranen aufzustellen, und ihm ein Vorkaufsrecht für alles im Stadtwald gefällte Holz zuerkannt. Der Oberlahnsteiner Zollschreiber Vogt hatte Mariotte warm befürwortet, da er "dem Stättchen, welches sonsten sehr verderbt, bahre Mittel wegen der verwaxenen hecken und Nahrung zubringe."195 Am 13. November 1670 starb Joh. Mariotte, der Be­gründer zahlreicher Berg- und Hüttenwerke an der unteren Lahn. Seine Haupterben wurden die Söhne Walter und Johann. 1677 starb auch schon Johann der Jüngere mit Hinterlassung einer Witwe Susanna Katharina geb. de Gall, und zweier minder­jähriger Söhne. Die umsichtige und kluge Frau leitete die Verwaltung des umfang­reichen Besitzes mit sicherer Hand. - 1671 hatten die Mariottes vom Kurfürsten von Trier namens seiner Neffen v. d. Leyen noch die Konzession für eine Eisenhütte zu Nievern erhalten. Ferner hatte der Reichskommissar Koch zu Hohenrhein, an­stelle der alten Arnsteiner, später Metternichschen Mühle eine Hütte, bestehend aus zwei Schmelzen und zwei Hämmern nebst einem Wehr errichtet, die aber schon 1692 fallierte und 1736 von einem angeheirateten Mitglied der Familie Mariotte, de Requill, wieder neu aufgebaut wurde. Auch hatte Koch mit seinen Konsorten Lorenz Grießen und dem Niederländer Weinand Nottemann vom Mainzer Kur­fürsten die Weißmühle gepachtet, um dort eine Eisen-Schneidemühle zu errichten. Dieses Unternehmen kam aber nicht zustande, weswegen der Kurfürst 1686 die Mühle wieder einzog.

Anfangs der achtziger Jahre errichteten die Mariottes in Ahl große Bauten, um für die dortige Hütte stets genügend Wasser zu haben, weswegen sich am 19. Juni 1683 der Niederlahnsteiner Schultheiß wegen der dadurch verursachten Schiffahrts­beeinträchtigung bei der Trierer Hofkammer beschwerte. Er berichtete derselben, daß die Witwe "zu der auf der Oberlahnsteiner Seiten erbawter newer Eisenhütten ein Wasserfang und fach dergestalt verfassen zu lassen angefangen, daß dies nit allein der Schiffahrt verhinderlich, sondern auch dem Trierer Territorio zuwider und nach­teilig sei.'< Damals wurde jedenfalls jenes mächtige Wehr gebaut, das von der dem Ahler Werk zunächst gelegenen Insel, auf der die Hauptbaulichkeiten standen und die von dem linken Ufer nur durch einen schmalen überbrückten Wassergang getrennt war, schräg flußaufwärts bis zu halben Lahn zog.

Quelle: Fritz Michel - Geschichte der Stadt Oberlahnstein 1960-