Hiller

Liebe Liste,

auch für alle anderen HILLER-Forscher: Ich habe um 1750 eine Linie HILLER in Posen, die der mündlichen Überlieferung nach aus Württemberg gekommen sein soll, während eine Reihe von Indizien bisher aber auf Schlesien hindeuteten.

Mein bisheriger Kenntnisstand als Auszug:

Namenkundliche Untersuchungen belegen das gehäufte Vorkommen des Namens Hiller vor dem 30jährigen Krieg im schlesischen Weichbild Schweidnitz.006

Auch gab es einen Ort Hillersdorf im späteren österreichischen Schlesien. Knie und Melcher027 geben den Ort 1830 daher nicht an. Karzel schreibt dazu: „Der Ort wurde erst 1558 wieder besiedelt (Haase: in JPÖ 7 (1886) S. 84). Der protestantische Grundherr Jaroslaus von Skrbenski ließ 1604 eine hölzerne Kirche errichten, deren Gründungsurkunde von 1605 datiert. … Der erste Pastor 1605 hieß Johannes Conradus. 1607 bekam die Kirche eine Glocke. 1631 wurde der Ort Filiale von Neudörfl. Bei der 1770 erbauten katholischen Kirche findet sich folgende Grundsteininschrift: … dann nachdem die lutherischen Prädikanten, wo auch einer zu Neudörfel seinen Sitz hatte, waren aus dieser Gegend vertrieben worden, so seind die Kirchen, mithin auch die dießige Hüllersdorfer Kirch verschlossen worden, bis anno 1670 von dem hochwürdigen bischöflichen Amte ein Weltpriester namens Andreas Franciscus Abesla gesendet worden, die Kirchen auf der Herrschaft Gotschdorf (Anm: Kr. Hirschberg) zu administrieren. Es waren damals vor Hundert Jahr in den 3 Gemeinden Hüllersdorf, Kuttelberg und Hirschberg 51 katholische und 500 lutherische erwachsene Seelen usw.“ 040;S.246-247Anders nennt unter den evangelischen Parochien des österreichischen Schlesiens für die Gründung der Parochie Hillersdorfdas Jahr 1782, die Anteile Ober-Hillersdorf und Nieder-Hillersdorf, sowie die dazu gehörigen Dörfer Neudörfel, Karlsthal, Würbenthal und Einsiedel. 041;S.749

Im Jahre 1830 noch nennen Knie und Melcher einmal Hillersche Konsortensowie das Hillersche- jetzt Reymansches Lehngut, zu Alt-Jauer, Kr. Jauer gehörig.
Hillersche Consortenwaren Besitzungen bei der Regierungs- und Kreisstadt Liegnitz, zwischen der Goldberger Vorstadt und der Vorstadt Jauergasse.027;S.266 Als Konsorten oder Consortium wurden „verschiedene, bei Liegnitz belegene, dem Steuerverhältnis nach zum platten Lande gehörige, der Stadt-Kämmerei aber zinsbare kleine Gemeinden genannt, denen jede aus ihrer Mitte einen sie repräsentierenden Kurator hat.“ Die Jurisdiktion über sie übte das königliuche Land- und Stadtgericht in Liegnitz, wohin sie auch kirchlich gehörten, und eigenes Patrimonal Gericht hatte nur: Ottomansches Consortengut, Justitiar Verwalter Clemens in Liegnitz 027;S.96
Das schlesische Ortschaftsverzeichnis von 1925 nennt schließlich ein Hillersdorfim Kreis Falkenberg (ev. Kirche und kath. Kirche Friedland 039;S.87).
Während also schon vor dem 30 jährigen Krieg der Name Hiller / Hueller auch als Ortname nachzuweisen ist, ist nach dem 30jährigen Krieg der Name Hillerauch häufig im polischen Posen nachzuweisen005, sodass eine kriegsbedingte Ostwanderung nahe liegt.

So findet man zwischen 1640-1669 als Pastoren der evangelischen Kirche von Zduny einen Christian Hiller, * 1617 in Reichenstein / Schlesien, seit 1663 Gen. Sen. in Großpolen, † 1669.019;S.115

Während das Herzogtum Oels erst 1648 zu Württemberg kam ist, findet man schon für die Zeit davor bei Anders unter „sonstigen Bemerkungsworten“ zur Parochie Döberle: Von 1638 - 51 Pfarrer und Probst in Oels: Martin Hiller, ein treuer vielfach verfolgter Zeuge des Evangeliums.041;S.299

Bei Anders findet man weiter zur Parochie Oels unter „2. Umfeld der Parochie“ u.a. das Dorf Würtemberg. 041;S.293 sowie unter „5. Filial- und Nebenkirchen“ : „Die St. Salvator-Kirche, früher Barbara Kirche, lange wüste, 1695 wiederhergestellt, 1730 durch Brand zerstört, darauf durch den Hoffprediger Textorwiederhergestellt.“ Der Name Textorerscheint bei mir später wieder im Familienverbund zusammen mit Hillerin Posen.

Quellennachweis

006Arthur Zobel. Schlesische Bauernsippen. Die Verbreitung Ihrer Namen vor dem dreißigjährigen Krieg. Quelle bei Martin Opitz Bibliothek, Herne

019Arnold Golon, Johannes Steffani. Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548-1945. Hilfskommitee der Glieder der Posener Evangelischen Kirche, Lüneburg 1967

027J.G. Knie, J.M.L. Melcher; Geographische Beschreibung von Schlesien preußischen Antheils, der Grafschaft Glatz und der Markgrafschaft Ober-Lausitz, Abtheilung III. Alphabethische, topograpisch-statistische Uebersicht aller größeren und kleineren Orte der Provinz Schlesien; Graß, Barth und Comp.; Breslau 1830

039Schlesisches Ortschaftsverzeichnis. Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Städte, Flecken, Dörfer und sonstiger Ortschaften und Wohnflächen der Provinz Nieder- und Oberschlesien. 10. Auflage. Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1925

040Othmar Karzel. Die Reformation in Oberschlesien. Ausbreitung und Verlauf. Quellen und Darstellungen zur schlesischen Geschichte. Zwanzigster Band. Holzner Verlag Würzburg 1979

041Eduard Anders. Historische Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien nebst einer Kirchen-Charte. Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1867

Bin für jeden frühen Hinweis zu HILLER im Kreis Oels dankbar.

Mit herzlichen Grüßen aus Hameln

Christian Schwarzer

"Harald Heidenreich" <vonHeidus@compuserve.de> schrieb: