Aus Gerd Schultze-Rhonhofs Buch "Der Krieg, der viele V�ter hatte."
Schultze-Rhonhof war Generalmajor und Territorialer Befehlshaber der Bundeswehr
f�t Niedersachsen und Bremen.
Aus dem Kapitel "Polnisch-tschechische Auseinandersetzungen" S. 345ff
///Zu Beginn des Kapitels steht ein geschichtlicher Abschnitt �ber das Teschener
Gebiet////...................
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Damit ist das Teschener Gebiet genauso wenig polnisch wie die Toskana deutsch.
Soweit die Legitimation der Polen.
1938, w�hrend der Sudetenkrise, greift Polen die Teschen-Frage wieder auf. Zu
der Zeit verlangt die Deutsche Reichsregierung von der tschechischen in Prag,
ihr die mehrheitlich deutsch besiedelten Sudetenlande zu �bergeben. In Warschau
h�lt man die eigene Forderung nach Teschen so berechtigt, wie die deutschen nach
den Sudeten. Nachdem England und Frankreich den Anspruch der Polen zun�chst
anerkennen, verwerfen sie ihn letztlich doch, weil sie als Konsequenz den
v�lligen Zerfall des tschechoslowakischen Vielv�lkerstaats bef�rchten. So
lehnen Briten, Franzosen und mit ihnen die Sowjets den Anspruch der Polen auf
West-Teschen ab. Die Sowjetunion droht sogar mit ernsten Konsequenzen. Moskau
und Prag haben 1935 einen Beistandspakt geschlossen. So warnen die Sowjets die
Polen, sich an Teschen zu vergreifen und drohen, sonst den Polnisch-Sowjetischen
Nichtangriffspakt vom Juli 1932 zu k�ndigen. Anders die Reaktion aus Berlin. Am
20.September 1938 fragt der polnische Botschafter Lipski in Berlin bei Hitler
an, ob es deutscherseits Bedenken gegen eine polnische Annexion des westlichen
Teschener Gebietes g�be. Hitler und sein Au�enminister Ribbentrop erheben keine
Einw�nde zum Schutz der Tschechen. Hitler �u�ert dabei allerdings die Hoffnung,
da� im Gegenzug auch die deutsche, noch immer unter V�lkerbundmandat stehende
Stadt Danzig mit dem Deutschen Reich vereinigt werden kann. Hierauf geht das
Buch an sp�terer Stelle ein.
In der letzten Septemberwoche 1938 l��t Polen dann ein Armeekorps bei Teschen
aufmarschieren und droht der tschechischen Regierung mit Krieg. Die
Tschechoslowakei, zu der Zeit ohnehin nicht handlungsf�hig, gibt nach, und Polen
besetzt vom 1. bis zum 10. Oktober das umstrittene Gebiet.
Der Zugewinn an Land, Industrie und Menschen hat f�r Polen verh�ngnisvolle
Konsequenzen. Als erste sei erw�hnt, da� die Sowjetunion postwendend den
Sowjetisch-Polnischen Nichtangriffspakt von 1932 k�ndigt, den Polen ein Jahr
sp�ter dringend h�tte brauchen k�nnen. Nicht einmal ein ganzes Jahr danach
greift die Sowjetunion das expansive Polen an. Zum zweiten sind nun auf h�chster
Ebene Gespr�che zwischen Berlin und Warschau um die Zukunft der Stadt Danzig
eingleitet. Da Hitler nach anf�nglichem Bedenken und vielem Hin und Her den
Polen mit West-Teschen auch die �berwiegend deutsch bewohnte Grenzstadt Oderberg
am Rand zu Oberschlesien zugesteht, sind seine Hoffnungen auf Kompensation in
Danzig sehr berechtigt. Die anschlie�ende Unnachgiebigkeit der Polen in dieser
Frage ein Jahr sp�ter bringt ein Fa� zum �berlaufen und den Polen einen Krieg,
in dem sie furchtbar bluten m�ssen. Zum dritten beginnt Polen gleich nach der
Annexion von Teschen mit der Entrechtung der dort lebenden Nichtpolen in
Wirtschaft und Verwaltung. Man beschuldigt vor allem die Slonzaken, nichts als
abtr�nnige Polen zu sein. So schafft sich der Staat Polen binnen kurzem weitere
Minderheiten, die sich eher den Untergang des Landes als alles andere w�nschen.
Zum vierten hat Polen nun zum wiederholten Male den Kellogg-Pakt verletzt, in
dem es sich 1928 mit anderen Staaten verpflichtet hatte,
"auf Kriege als Mittel f�r die L�sung internationaler Streitf�lle zu verzichten
und Regelungen niemals anders als durch friedliche Mittel anzustreben."
Der Aufmarsch des Armeekorps im September 1938 und das Ultimatum an die
Tschechen sind klare Br�che dieses Abkommens zur "�chtung des Krieges". Polen
kann damit sp�ter nicht mehr darauf hoffen, selbst vonm Kellog-Pakt gesch�tzt zu
werden. Und f�nftens hat Polen nun au�er Lettland und Rum�nien keinen Nachbarn
mehr, den es seit 1918 nicht zumindest einmal angegriffen h�tte.
Die relativ kleine Teschener Aff�re, die kein Schulgeschichtsbuch der Erw�hnung
wert findet, wird so zum Brandbeschleuniger der Danzig-Frage und des Zweiten
Weltkriegs."
MfG
Lutz Szemkus