Hallo Marion,
ich habe zwar keine Quassowski-Bände zur Verfügung, aber in einem Buch über
die Stadt Schippenbeil gibt es etwas interessantes:
Rudolf Karl GREGOROVIUS, geb. den 4. Februar 1808 in Oletzko, wo der
Vater Justizamtmann war, bezieht 1827 die Universität Königsberg, studiert zuerst
2 Jahre Jura, wird dann aus Überzeugung Theologe und schließt sich so der
Reihe seiner Vorfahren an, welche mit nur einmaliger Unterbrechung (der Vater)
300 Jahre hindurch in verschiedenen Orten unserer Provinz im geistlichen Amte
thätig gewesen. Nach Beendigung der Studien bereitet er seine jüngeren
Brüder, darunter den berühmten, gegenwärtig in Italien lebenden Historiker, Dichter
und Schriftsteller Ferdinand GREGOROVIUS (geb. 1819 in Neidenburg) fürs
Gymnasium vor. Als Rector in Willenberg (seit 1833) heirathet er Ottilie
Schickert, Tochter des dortigen Domainenbesitzers, wird dann 1839 Prediger in
Schaaken, 1845 Pfarrer in Rogehnen und den 21. October 1855 Pfarrer in Schippenbeil.
Es hat bis dahin nicht an Segen, aber auch nicht das Kreuz gefehlt.
Krankheiten und Todesfälle bilden den Inhalt einer langen Reihe von Prüfungen. Am
Charfreitage des Jahres 1852 senken die schwer geprüften Eltern ihr letztes
Kind, einen hoffnungsvollen, überaus befähigten Knaben ins Grab. Von Königsberg,
wo er das Gymnasium besuchte, wurde er gerade an dem Tage als Leiche ins
Elternhaus gebracht, an welchem man ihn zu den Osterferien erwartete. Fest im
Glauben, mit ungebeugtem Muthe nahm des Herrn Diener das Kreuz auf sich und trug
es seinem Meister nach. Auch in Schippenbeil, wo er mit Freudigkeit,
rastlosem Eifer und voller Hingabe seines Herzens nur dem Berufe lebte, sollten
bittere Stunden nicht fehlen. Ende Juni 1861 griff des Todes kalte Faust wieder in
die warmen Beziehungen des Lebens. Zwei Schwestern, Hausgenossen und
Freundinnen der Familie, starben in 1 1/2 Stunden eine der andern folgend. Wiewol im
Alter nur drei Jahre auseinander, traf beider Geburts- und Todestag
zusammen. Schon um diese Zeit fing G. an zu kränkeln, verwaltete jedoch in gewohnter
Treue bis 1866 sein ihm über Alles werthes Amt. Da erkrankte er an einer
Brustentzündung, am Bußtage konnte er nicht mehr predigen. Nach Beseitigung der
Krankheit folgte ein 2 monatliches Siechthum, gegen welches G. in Königsberg
Hilfe suchte. Aber seine Zeit war abgelaufen, sein Lebensziel erreicht. Mit
vollem Bewußtsein und ungeschwächter Glaubenskraft ging er in den Tod. "Wenn
man an der Pforte des Grabes steht", sprach er in den letzten Augenblicken,
"dann ist es Zeit, sich zu fragen, wie hast du gelebt, wie dein Amt verwaltet?
Hast du des Herrn Heerde recht geweidet? Wüßte ich das, wie gern und freudig
eilte ich meinem Herrn und Heilande in die Arme." Seine letzten Worte waren:
"Ich bete für meine Gemeinde, für meine ganze Gemeinde!" Außerhalb des Bettes
aufrecht sitzend, wie er es sich in gesunden Tagen gewünscht, entschlief er
in den Armen seiner schwer geprüften, allein zurückbleibenden Lebensgefährtin
am 23. Juni 1866, Mittags 12 Uhr in Königsberg. Von hier wurde die Leiche
nach Schippenbeil überführt. Am 1. Juli, einem Sonntage, trug man ihn im Beisein
der zahlreich versammelten Gemeinde aus seiner Kirche auf den stillen
Friedhof. Hier ruht er unter dem ihm von seiner Frau monumental errichteten
Denkmal. <<
Eine Abbildung mit dem Grab: Der H.Geistkirchhof, nach der Natur
aufgenommen von Frau Pfarrer Gregorovius.<<
Aus:
Gustav Liek: Die Stadt Schippenbeil mit Berücksichtigung des Kirchspiel und
der Umgegend, Königsberg 1874 - Seite 251, 252, 253.
Ich hoffe, es hilft irgendwie weiter. Aber auch wenn kein Bezug besteht, es
ist ein interessanter Text...
Grüße aus Berlin
Viktor