Grabstein Henriette Juliane Eleonore Thieme

Hallo,

einen Grabstein mit folgendem Text liegt in Bad Charlottenbrunn, vielleicht hilft er jemandem weiter.

"Hier ruht die irdische Hülle der werten Henriette Juliane Eleonore Jung geborene Thieme. Sie war geboren den 8. September 1781 zu Salzbronn und verlies allhier den Ruf der Allmacht, das Land der Prüfung am 21. Oktober 1818 als liebende und geliebte Gattin und Mutter aller [...], umgeben von Gräbern geliebter Kinder. Ruhe hier ihre Asche in Frieden."

(Da meine Tante mir den Text am Telephon diktiert hat, mag die Rechtschreibung möglicherweise nicht unbedingt derjenigen auf dem Stein entsprechen!)

Der Stein ist inzwischen kaum mehr lesbar. Er befand sich früher unweit der (ev.) Kirchenmauer und liegt heute stellvertretend auf dem Grab, in dem sich die Überreste der Gebeine des zerstörten deutschen Friedhofes befinden.

Kann mir jemand erklären, warum anfangs von "irdischer Hülle", später aber von "Asche" die Rede sein könnte? In meinen Augen widerspricht sich das!

Falls ein Photo gewünscht wird, so kann ich eines heraussuchen, allerdings habe ich keine Aufsicht des Steines, sondern nur eine Ansicht des gesamten Grabes.

Grüße

Hallo Petra,

meine Interpretation ist:

"irdische Hülle" - Henriette Juliane Eleonore Jung wurde begraben;

"Asche" ist im Bezug auf die "Gräber geliebter Kinder" die in
unmittelbarer Nähe beigesetzt wurden.

Viele Grüße

Thomas (Schütz)

Petra Strobel schrieb:

Hallo Petra, hallo Thomas,

Zunächst einmal vielen Dank für diese nicht alltägliche Grabinschrift,
besonders das mit dem "Land der Prüfung" hat mir gut gefallen!

"Ruhe hier ihre Asche in Frieden" bezieht sich mit Sicherheit nicht auf
Gräber der geliebten Kinder in der Umgebung. Es ist auch kein Widerspruch in
sich, der gar in einer christlichen Ablehnung der Feuerbestattung begründet
sein könnte. Das wäre viel zu sehr theologisch überinterpretiert. Wobei
sicher interessant zu wissen wäre ob es sich bei den Verstorbenen um
katholische oder protestantische Christen gehandelt hat?

Viel wahrscheinlicher scheint mir eine Interpretation zu sein, die auf den
Büchern Moses, des Alten Testamentes beruht. Demnach wurde der Mensch von
Gott aus Lehm (bzw. Staub, Dreck, Asche, usw.) geformt und seine "irdische
Hülle" wird sich, nach seinem Tod, in diesen Stoff zurück verwandeln.
"Bedenke, Mensch, das du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst",
"Asche zu Asche, Staub zu Staub", das sind ja die prägnanten, christlichen
Sätze, die einem die Vergänglichkeit immer wieder verdeutlichen sollen.
Diese Sichtweise liegt meiner Meinung nach auch dieser Grabinschrift zu
Grunde.

Viele Grüße aus dem Rheinland,
in dem ja bekanntlich am Aschermittwoch alles vorbei ist,
Georg

Hallo Miträtselnde

"Ruhe hier ihre Asche in Frieden" bezieht sich mit Sicherheit nicht auf

Gräber der geliebten Kinder in der Umgebung. Es ist auch kein Widerspruch in
sich, der gar in einer christlichen Ablehnung der Feuerbestattung begründet
sein könnte. Das wäre viel zu sehr theologisch überinterpretiert. Wobei
sicher interessant zu wissen wäre ob es sich bei den Verstorbenen um
katholische oder protestantische Christen gehandelt hat?

Viel wahrscheinlicher scheint mir eine Interpretation zu sein, die auf den
Büchern Moses, des Alten Testamentes beruht. Demnach wurde der Mensch von
Gott aus Lehm (bzw. Staub, Dreck, Asche, usw.) geformt und seine "irdische
Hülle" wird sich, nach seinem Tod, in diesen Stoff zurück verwandeln.
"Bedenke, Mensch, das du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst",
"Asche zu Asche, Staub zu Staub", das sind ja die prägnanten, christlichen
Sätze, die einem die Vergänglichkeit immer wieder verdeutlichen sollen.
Diese Sichtweise liegt meiner Meinung nach auch dieser Grabinschrift zu
Grunde.<

Vielleicht ist sie aber auch schlicht eingeäschert worden und da liegt wirklich ihre Asche.

Da Grabinschriften in den seltensten Fällen nachträglich geändert werden, ist davon auszugehen,
das ihre Kinder (alle?) vor oder mit ihr gestorben sind.
(vielleicht sogar bei einem Feuer ?)
Dann könnte sich >ihre Asche< tatsächlich auch auf alle beziehen.

Wie immer gibt es jede Menge Möglichkeiten, aber macht das nicht gerade den Reiz unseres Hobbys aus.

Viele Grüße

Jens OESER