Hallo an alle Mitlesenden,
Vielleicht interessiert es.
Ich habe mich intensiv mit der Bedeutung von deutschen Familiennamen über etliche Jahre beschäftigt.
Daher kann ich zur Namensbedeutung folgendes beisteuern
Es handelt sich bei „Übelhör“ um einen sogenannten Übernamen. Das sind Namen, die den ersten Namensträger charakterlich (Körper, Geist, ungewöhnliche Angewohnheiten) kennzeichnen, ein wenig mit „Spitznamen“ (engl. „nicknames“) vergleichbar. Das ist eine sehr variable Gruppe,
In diese Namensgruppe fallen alle rein, die einen Farbnamen haben (Braun. Schwarz, Weiß, Fuchs(rot)) oder die einen Namen haben, der sich von der Körperstatur ableiten (Groß, Klein, Lang, Kurz, Dürr, Dick, inklusive aller dialektalen Ausdrücke dafür, die es in den unterschiedlichen Regionen dafür gibt : das bayerische Wort für „dick“ ist beispielsweise „feist“, in der Eifel kenne ich den Ausdruck „jod om Foder“; woraus in Bayern z.B. ein. Feistling werden kann, im Westen der Republik könnte „Foder“ daraus geworden seinund auch aller gebräuchlichen Bilder, die man dafür verwenden kann: so könnte ein großgewachsener, dürrer Mensch den Namen „Stangel“ erhalten haben, ein klein gewachsener kann zum "Däumling werden).
Auch sein Gemüt kann zum Familiennamen geworden sein: Fröhlich, Sauer, Frech, Sanftmut (wurde häufig zu „Sanftleben“), Langmut = interessiert sich für nicht = Langeweile, Streit, häufig lachen = Lach etc.
Dann natürlich Vorlieben oder Abneigungen des ersten Namensträgers Frühauf, Baldauf, Spät(auf). Hierunter fallen auch oft die sogenannten Satznamen: dabei wurde ein ganzer Satz zu einem Wort zusammengezogen: Hassenteufel (= er hasst den Teufel), im Englischen ist am bekanntesten William Shakespeare: (He shakes the spear = er schwingt den Speer = ist angriffslustig), Steuvesand = Raufbold (er wirbelt = staubt den Sand auf), Schönpflug (= er scheut den Pflug = ist nicht gerne Bauer). An diesem Beispiel sieht man schön, wie die Sprache die eigentliche Bedeutung bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt hat : Schö = scheut; -n- = den ; der Gleiche könnte an anderem Ort als Scheunpflug bezeichnet worden sein)
Etwas Lustiges sind in dieser Namensgruppe die sogenannten Echo-Namen (auch „Papagei-Namen“) genannt: Ein Ausspruch, den der erste Namensträger ständig und überall gesagt hat: Die anderen haben diesen Namen nachgeäfft, woraus dann der Familiennamen wurde. Es gibt relativ häufig den Familiennamen „Lachnit“ = Lache nicht!; In Fürstenfeldbruck hat es im 17. Jh eine Familie „Schlechtsleben“ gegeben, resultierte aus dem dauernden Ausspruch „Ach, ist das ein schlechtes Leben!“. Oder ein ständiger Tröster wurde zu „Traunit“ (= trauere nicht, sei nicht traurig!).
Dann natürlich Charaktereigenschaften, die sich rein auf den Körper beziehen: Humpel(Fuß), Stock (steif), Flink, Schnell, unbehent (= ungeschickt), stark (kann auch „dick“ meinen), klug, Luchs (gutes Gehör; kann aber auch von einem Vornamen herrühren), oder das Gegenteil: schlechtes Gehör = er hat ein übles Gehör => Übelhör.
Es ist also KEIN „übler Herr“ gewesen. Denn eine Schreibweise insbesondere im Bayerischen ist „Übelherr“. Rundungen bzw. Entrundungen von Vokalen kommen in der Sprachentwicklung häufig vor: die Bewohner der Oberpfalz sagen im Dialekt nicht „elf“ sondern „ölf“. Das ö wird mit runden Lippen gebildet (=Rundung), das e aber mit breiten Lippen (= Entrundung). Gleiches gilt beim i versus ü:
Im Bayerischen gibt es diesen Rundungslaut -ü- nicht (genau so wie im Englischen): Daher ist ein Bayer, der Mehl herstellt immer ein „Miller“, nie ein Müller.
Vielleicht interessiert es den einen oder anderen. Ich könnte noch stundenlang darüber referieren.
Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Peren