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Betreff: Regional unterschiedliche Entstehung und Verteilung gleicher
Familiennamen und ihrer Schreibweisen
Datum: Tue, 23 Nov 2021 19:30:07 +0100
Von: Familienarchiv Fritsche & Saldarriaga
familienarchiv@genealogie-fritsche.de
Antwort an: familienarchiv@genealogie-fritsche.de
Organisation: Familienarchiv Fritsche & Saldarriaga
An: genealogy.net reply+f8d3e961b98b0d8f921097c808096c12@genealogy.net
Moin, Hartmut,
mit dem Namen RENSCH / RENTSCH könnte / dürfte es hinsichtlich der
Namensentwicklung ähnlich wie mit FRITSCHE / FRITZSCHE / u. ä. gewesen
sein: Sie sind schon früh im Hochmittelalter in mehreren
deutschsprachigen Regionen unabhängig (!) voneinander entstanden, haben
also zunächst keinerlei genealogische Verbindung untereinander!
Bei FRITSCHE / FRITZSCHE gibt es z. B. einerseits die
ostmitteldeutschen**Familienstämme an erster Stelle in Thüringen, dem
(heutigen) südlichen Sachsen-Anhalt, in Sachsen und in Schlesien, und
andererseits die westoberdeutschen Familienstämme im westlichen
schwäbischen und vor allem im alemannischen Sprachraum (als im Elsaß, in
Baden und in der Schweiz, sowie z. T. in habsburgischen Regionen, also
in Böhmen und den österreichischen Stammlanden). Innerhalb und zwischen
allen Regionen sind sie keineswegs zwangsläufig verwandt!
Da der spätere Familienname FRITSCHE / FRITZSCHE zunächst als Vorname
aus der Kurzform des Namens Friedrich entstand, also aus Fritz, und dies
früh in seinen Dialekt-Formen unterscheidbar ist (FRITZ in allen anderen
Regionen im Gegensatz zu *nur ostmitteldeutsch und **westoberdeutsch
*FRITSCH / FRITSCHE / FRITZSCHE / FRITSCHI) dürfte diese auffällige,
weiträumig getrennte und unabhängig voneinander in den deutschen
Sprachräumen aufgetretene Namensverteilung unmittelbar in diesen beiden
Dialektgruppen ihren Ursprung haben, die ja beide ursprünglich
elbgermanischer Herkunft sind und daher nur sie diese Dialektform
„tsch“ ausbildeten, während alle anderen mittel- und oberdeutschen
Dialekträume die sprachliche und später schriftlich fixierte Form FRITZ
mit „tz“ verwendeten.
Es gibt auch unter meinen Vorfahren zahlreiche Beispiele in der Weise,
wie unterschiedlich Kirchenbuchführer (Pfarrer, Küster, Lehrer) die
Einträge unseres Familiennamens vornahmen (extrem: in ein und demselben
Eintrag für eines unserer Familienmitglieder wird unser Familienname
viermal (!) unterschiedlich geschrieben - damals war das egal, jeder -
der den Eintrag lesen konnte - wußte genau, wer gemeint war).
Man kann anhand der unterschiedlichen Schreibweisen vermutlich auch
unterscheiden, ob die Kirchenbuchführer aus der Gegend stammten und mit
der dort üblichen Schreibweise vertraut waren und sie anwandten, sie sie
also aufgrund ihrer nahen Herkunft bzw. während ihrer Ausbildung so
gelernt hatten, oder ob sie von weiter her ins Amt kamen, u. U. einen
anderen Dialekt sprachen oder gewohnt waren und von dort eben eine
andere Schreibweise kannten und anwendeten. Da außer ihnen ohnehin kaum
jemand lesen und schreiben konnte und es keine Ausweisdokumente oder
festgelegte Schreibformen gab, sondern jeder einfach seinen Namen
mündlich angab und der Schreiber ihn dann wie verstanden (und gewohnt
bzw. gelernt) notierte, entstanden zahlreiche unterschiedliche
Namensschreibweisen.
Viele Grüße,
Jürgen