Friedrich Schlie - Buchsuche

Hallo liebe Mitforschende,

hat irgendjemand folgendes Buch und könnte mir ausd diesem einige Seiten als Scan zusenden?

Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin (Band 2)

Gruß

Dirk

Familienforschung auf der Insel Poel

Hallo miteinander,

hat vielleicht schon jemand �ber G�rtner in Altmecklenburg geforscht?

Es geht mir nicht vordergr�ndig um Einzelf�lle, sondern mehr um globale
Fragen (Seit wann ist die Berufsbezeichnung in MEC nachweisbar? Z�hlten
G�rtner zum Handwerk? Gab es irgendwo Z�nfte/Innungen/�mter der G�rtner oder
waren sie anderweitig organisiert? Wie stand es um die Lehrausbildung? etc.
etc.)

Any help would be welcome!

Peter Starsy

Hallo Peter,

ich habe im LHA und im Kirchenbuchamt in Schwerin einige Male einen Forscher getroffen, der sich eine Zeit lang intensiv mit den G�rtnerdynastien befasst hat. Vielleicht kann er weiterhelfen. Ich wei� seinen Namen nicht mehr, aber im LHA kennt man ihn.
Seine Beschreibung schicke ich bilateral.

Gru�
Anne Schwarm

Peter Starsy,

der Beruf "Gärtner" in heutigem Sinne wurde historisch als "Ziergärtner"
oder "Kunstgärtner" oder auch in deutschsprachigen Regionen "Planteur"
benannt.
Die Arbeitsfelder dieser waren die Parkanlagen des Adels und der
Herrscherhäuser seit dem ausgehenden Mittelalter.

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Städte kannten keine Ziergärten oder
städtische Parkanlagen.
Erste bürgerliche Gärten/Parks im deutschsprachigen Raum entstanden in
Hamburg ab Ende 16. Jahrh., Vorgänger/Vorläufer waren die großen Städte in
den Niederlanden und in Flandern. Erste städtische Parkanlagen entstanden
unter dem Preußenkönig Friedrich-Wilhelm II, angeregt durch Peter Josef
Lenné in Magdeburg (erste solche Anlage überhaupt, etwa zu 50 % bis heute
erhalten) und dann in Berlin ab 1828.

Zunft ähnliche Zusammenschlüsse einer Berufsbezeichnung <Gärtner> sind in
Süd- und Westdeutschen Städten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
nachgewiesen, nicht in Nord-Ost und Ostdeutschen Sprachregionen.

Erwiesen ist dass <Gärtner> in Nord-Ost und Ostdeutschen Regionen beim
dortigen Landadel und den Gutsbesitzern beschäftigt waren. Sie sind jedoch
dort dem Gesinde zugeordnet gewesen, gingen also ihrem Broterwerb als
Lohnempfänger, wohl mehrheitlich als Leibeigene (ohne Land- und sonstigen
Besitz) nach. Ihre Arbeitsfelder werden Gemüsebau und allgemeine Pflege der
hausnahen Flächen gewesen sein, in den seltensten Fällen wird man vor 1700
von Parkanlagen sprechen können.

Auch am Herrscherhof in Brandenburg tritt erst unter dem Großen Kurfürst der
Gedanke auf, umfangreichere Parkanlagen an zu legen und zu pflegen. In
Italien, Frankreich und Wien entstanden Jahrhunderte zuvor die ersten großen
Parks, nicht in Nord- und Ost-Europa.

Unter dem Herrschaftsadel bildete sich dann der Stand der "Hofgärtner"
heraus, in Brandenburg beginennd unter dem "Große Kurfürsten". Das waren
previlegierte Angehörige des "Hofstaates".

Zum Thema siehe auch: Clemens Alexander Wimmer in verschiedenen Literaturen
zu den Preußischen Parkanlagen und Hofgärtner-Veröffentlichungen,
insbesondere Ausstellungskatalog "Preußisch Grün" 2004, vergriffen, aber in
allen größeren Bibliotheken vorhanden.

Grüße

Krafft-Aretin

Peter Starsy,

Nachtrag:

Mecklenburg gehörte weitgehend zum kulturellen Einflußgebiet
Brandenburg-Preußen, im westlichsten Bereich Hamburg bzw. Lübeck.

Lehrberuf in unserem heutigen Sinne ab 1821 mit Gründung der preußischen
Gartenlehranstalt in Potsdam auf Initiative von Peter Josef Lenné.

Zuvor waren die höfischen Hofgärtner personenbezogene Lehrherren,
Ausbildungszeit 3 - 4 Jahre, Ausbildungsbeginn der jungen "Hofgärtner" im
Alter von 13 bis 14 Jahren. Ende der Ausbildungszeit mit einem vom
Lehrherren persönlich ausgestellten "Lehrbrief" - teilweise auch
Gesellenbrief benannt, Entspr. Beispiele sind erhalten.
Sie waren dann "Gartengehilfen". Die Hirarchiestufen ab etwa 1830 in
Preußen: Gartengehilfe, Obergärtner, Hofgärtner, Königl. Hofgärtner, Königl.
Oberhofgärtner, Gartendirektor.

Die Berufsbezeichnung "Gärtner" blieb den nicht höfischen Gärtnern
vorbehalten, siehe zuvor.

Grüße

Krafft-Aretin

Hallo Herr Starsy,

ein frühes Hofgärtnervorkommen in Mecklenburg ist:

KB Neustadt (-Glewe), Copul. 1709
14. Novbr.
Bräutigam: M(eister) Frantz Joseph Ernst, Gärtner zu Friederichs- Mohr
aus Erlo in Nieder-Ungern (das heutige Eger/ Erlau in Ungarn)
Braut: Sophia Dor. Lüken,
Vater: Joch. L., Posamentierer in Schwerin

Das Jagdschloss Friedrichsmoor wurde ab 1705 aus kleinen Anfängen
entwickelt, der Gärtner war also bereits frühzeitig einbezogen.

http://www.jagdschloss-friedrichsmoor.de/index.php?geschichte_jagdschloss_friedrichsmoor

Mit freundlichen Grüßen,

Harald Thiel

Peter Starsy schrieb:

Hallo Harald Thiel,

danke f�r den Hinweis! Steht in zeitnahen Quellen f�r ihn wirklich der
Begriff "Hofg�rtner"?

Sp�tere Staatskalender kennen anscheinend auch G�rtner, die zwar Mitglied
eines der Hofstaaten von Mitgliedern der F�rstenfamilie waren, jedoch nicht
Hofg�rtner. Jedenfalls wird 1896 im Hofstaat des Herzogs Paul Friedrich
deutlich differenziert: im Amt seines "G�rtner"s wird der "Herzogliche
Hofg�rtner Helmuth Klien" erw�hnt, der unter den Hofg�rtnern aber nicht
vorkommt. Von letztere werden 1896 nur unter der "General-Gartenverwaltung"
drei genannt (KLETT/Schwerin; SCHMIDT/Ludwigslust; SCHULZE/Schwerin), dazu
noch einige Ober-G�rtner. An anderer Stelle, unter den "Hof-Lieferanten und
Hof-Handwerkern" findet sich noch ein Kunstg�rtner (BRINCKMANN/Rostock).
Aber wie gesagt, das ist Stand knapp 200 Jahre sp�ter.

MfG, Peter Starsy

-----Urspr�ngliche Nachricht-----

Hallo Herr Starsy,

nach erneuter KB- Einsicht zeigt sich die Standeszuordnung der Gärtner
in und um Neustadt (-Glewe) zu Beginn des 18. Jahrhunderts
folgendermaßen (Originaltext und -schreibweise):

KB Neustadt, Geb. 1700, S. 76, Nr. 3
Den 30 Martii hat der Fürstl. Gärtner Johann Sörens seinen jungen Sohn
Johann Gottfriedt genandt, tauffen laßen. Gevattern sindt gewesen Herr
Magist. Johann Fridr. Frahm, Pastor alhir, Herr Küchenmeister Gottfrid
Faber und die Frau Ambtmannin Grantzsche des Tit. Herrn Ambtmanns
Caspari Grantzen eheliebliche Hausfraw.

KB Neustadt, Gest. 1700, S. 26, Nr. 5
Den 18. April hat der Fürstl. Gärtner M. Johan Sörenß sein junges
Söhnlein Johan Gottfriedt beerdigen laßen.

KB Neustadt, Copul. 1709, S. 26, Nr. 7
Den 14. dito (Novembr.) hatt sich Meist. Frantz Joseph Ernst Hochfürstl.
Gärtner zum Friederichs- Mohr, aus Erlo in Nieder- Ungern bürtig, mit J.
Sophia Dorothea Lückens, Seel. Jochim Lückens gewesenen Posamentirers
aus Schwerin Eheleibl. Tochter ehel. vertrauen laßen.

KB Neustadt, Copul. 1711, S. 28, Nr. 1
Den 12. April ist Herr Georg Schauer fürstl. Lustgärtner allhie mit
Jungfer Anna Sophia Tesmers, Hrn. Christian Tesmers Wollverdienten
hiesigen Bürgermeisters u. Kirchen Oeconomi Eheleibl. Tochter Ehr- u.
Ehelich Copuliret worden.

Für alle drei zeigt sich eine durchaus gehobene Position.

Mit freundlichen Grüßen,

Harald Thiel

Peter Starsy schrieb: