Frage an Ernst: 1816 Feldzug in Portugal

Hallo Ernst,

nachdem ich Ihre gut und unterhaltsam geschriebenen Erläuterungen über die
Armee verfolgt habe, möchte ich Sie auch etwas fragen:

Ich habe in einem Heiratseintrag der verwitweten Ehefrau folgende Angaben
über deren ersten Mann gefunden:

Er war "Militair unter'm Jägerkorps des Herzogs von Braunschweig und verstarb
um 1816 bei einem Feldzug in Portugal an den Folgen einer im Kriege
erhaltenen Verletzung".

Er selber kam aus Weissenfeld in Sachsen. Wie kommt er an den Herzog von
Braunschweig? Was für ein Feldzug war das?
Kann ich da noch nähere Angaben bekommen von irgendwelchen Stellen?

Viele Fragen .....

Freue mich schon auf Ihre Antwort. :slight_smile:

Vielen Dank und Grüße

Andrea (Thausing)

Andrea!

Des militaer-genealogischen Raetsels I. Abteilung

Der Großvater unseres gesuchten Herzogs (er hiess so weil er staendig hin und HERZOG) hiess Karl und
hatte was gegen die Franzosen (War ja schließlich kein Wunder, sein Herzogtum Braunschweig-Wolfenbuettel
hatte schliessliche keine gemeinsame Grenze mit o.a. genanntem Land). Er hatte als Kronprinz 1733 in einer beruemten Doppelhochzeit
Charlotte von Brandenburg geheiratet, die Tochter des damals in Preußen regierenden Soldatenkoenig. Gleichzitig hatte dessen
etwas missratener Sohn und Kronprinz die Schwester des besagten Kronprinzen Elisabeth geheiratet. (Es soll eine ueberaus
glueckliche Ehe gewesen sein, kein einziges boeses Wort). Neun Jahre spaeter heiratete der Prinz von Preussen (so nannte man damals
die pp. Kronprinzen in Brandenburg) und Bruder August Wilhelm des nun zu Macht und Einfluß in Preussen gelangten Koenigs AMALIE:
womit fuer die naechsten 177 Jahre die Nachfolgefrage in Brandenburg und Ostpreussen kein Thema fuer eine Diskussion in dieser
Mailing-Liste ist. Besagter Herzog (der uebrigens einen wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Bluete der Hannoverschen Keksindustrie
hatte, weil er einen gewissen Herrn Lessing in die späte Nachfolge eines gewissen Leibniz als Buecherwurm in Wolfenbuettel berief)
Also besagter Herzog Karl hatte einen Vetter Georg der in Hannover Kurfuerst war, gleichzeitig aber in England einen Nebenjob als Koenig
des Vereinigten Koenigreiches von England und Schottland ausuebte. Mit viel Eifer gelang es unserem Herzog diesen Kurfuerst-Koenig fuer
eine Beteiligung an den Wirren des Siebenjaehrigen Krieges zu gewinnen und ihm ein Buendnis mit dem Schwager aufzuschwaetzen.
Die Armee unseres Herzogs hatte leider nicht die adaequate Groesse um ihr ein stetiges Avancement und damit einen gewissen Lebensstandard
zu garantieren. Deshalb entschlossen sich drei der Brueder des durchlauchtigsten Herzogs mit den Namen Ferdinand, Friedrich und Albrecht
dem Lockruf der Werbetrommel zu folgen und bei ihrem Schwager ihr Glueck zu versuchen. In der Ausbildungszeit fiel Albrecht im zweiten Schlesischen
Krieg bei Soor (gegen seinen Bruder Ernst Ludwig <erst in kaiserlich russischen Diensten als Herzog von Kurland und Semgallen und General beschaeftigt, der aber in der Folgezeit in kaiserlich <oesterreichische> trat und in Soor gegen seinen Bruder stand um dann in niederländischen Diensten Feldmarschall zu werden) waehrend Friedrich den siebenjährigen Krieg, den Rang eines Generalmajors und den Schlachtentod bei Hochkirch mit 26 erreichte.
Im Wettstreit mit seinem älteren Bruder Anton Ulrich <der in Russland kaiserlicher Generalissimus wurde, was seine spaetere Verwendung in Sibirien als Verbannter befoerderte
klomm Ferdinand Stufe um Stufe auf der Befoerdungsleiter nach oben bis er Generalfeldmarschall war und dem Koenig keine weiteren Befoerderungs-Dienstgrade mehr einfielen.
Jedenfalls wurde ER 1757 Oberbefehlshaber der englischen Truppen im Reich (was den Herzog, der das Buendnis schließlich eingefaedelt hatte, veraergerte und veranlasste
neutral zu bleiben). Ferdinand focht dies nicht an, er erfand fuer die Schlacht bei Minden eine neue Taktik und fuer die franzoesische Armee die als Rueckzug getarnte Flucht.

1780 stirbt Herzog Karl I, und wird vom Bruder der beruemten Anna Amalie Regentin von Sachsen-Weimar beerbt. (Ich muss jetzt mal ein paar braunscheiger weglassen) dieser
neue Herzog heisst Karl II und hatte was gegen die Franzosen. Macht aber nix: er wurde preussischer Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber in den Koaltionskriegen. wo er nacheinander die Kanonande von Valmy und die Schlacht bei Kaiserslautern vor die Wand fuhr, was ihm den Oberbefehl in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 einbrachte
<"Irgendwann wird es schlkiesslich jeder mal lernen"> Persoenlich sehr tapfer erhielt er in der Schlacht eine Kopfwunde an deren Folgen er in Ottensen bei Hamburg starb

Die Zeit zwischen der Schlacht von Jena und Auerstedt und dem Tod in Ottensen hatte ein gewisser ex-Artillerie-General Napoleum Buonaparte genutzt <er hatte was gegen die

um das Herzogtum zu besetzen, was den nunmehrigen

Nachfolger und Sohn von Herzog Karl II Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbuettel um Lohn und Brot brachte und ihn in die Fremde auf die Gueter seines Onkels Friedrich August in Oels bei Breslau trieb. Ausserdem hatte man als preussischer Generalmajor einen gewissen Anspruch auf Versorgung und etwas gegen die Franzosen. Was macht man in solchen Faellen: man gruendet 1809 ein Freikorps <als Reichsfuerst selbstverstaendlich unter oesterreichischem Patronat> von 200o Mann (Farben fuer Uniformen waren s.Zt, gut und teuer und so verzichtete man auf sie und wählte wie später Henry Ford "Schwarz" als Farbe ("Ihr koennt jede Uniformfarbe haben, unter der Bedingung das sie schwarz ist"). DER VEREIN WAR GEGRUENDET und jetzt konnte man auch an eine Beschaeftigung denken: Wenn schon Privatarmee, denn schon Privatkrieg, dachte sich der Herzog a.D. und veranstaltete eben diese gegen die Franzosen mit nem Ueberfall hier und nem Ueberfall dortens. Da man seine schwarz uniformierte Elite-Privatarmee ja nicht gut "Die roten Teufel" nennen konnte
hiess sie bald ueberall (besonders aber in franzoesischen Geheimdienstberichten der Zeit: "Des Herzogs Schwarze Schar". Wie hatten wir doch oben schon gesagt: "Napoleon Buonaparte, er hatte was gegen Braunschweig und so wurde der Kreis immer enger und der Boden immer heisser und der Herzog packte im fernen Schlesien seine Fahne und seine Truppen zusammen und machte sich auf den Weg Richtung Westen, Irgendwie wurde die Zahl der Verpflegungsteilnehmer (entgegen der gleichzeitigen Tradition aehnlicher militaerischer Organisationsformen) und nach einiger Zeit kam man in bekannte Gegenden und konnte in Braunschweig in einer Marschpause auch noch die Regierung uebernehmen und sich den Hurra-Rufen der Bevölkerung aussetzen. Da das kleine zersplitterte Herzogtum fuer eine großraeumige Verteidigung jedoch nur schwer einzurichten
war, marschierte man mit lautem Gesang <um die Franzosen wachzuruetteln und zu aergern> nach Bremen und dort auf die bereitliegenden englischen Schiffe. Diesen hatten gerade ihren Herzog von Wellington zwecks Organisation eines Kleinkrieges auf die iberische Halbinsel gesandt (Das dies der Beginn der Geschaeftstaetigkeit eines gewissen Thomas Cook war, ist ein uebeles Geruecht und wird von mir auf das schaerfste zurueck gewiesen. Nicht nur Touristen auch Soldaten schmeckt der Portwein!) so lernten sich Wellington und Friedrich Wilhelm Herzog von Braunschweig-Wolfenbuettel kennen <man hatte was gegen die Franzosen). Der Krieg nahm fuer die beiden Verbuendeten einen achtbaren Verlauf und entfaltet noch jedes Jahr seine positive propagandistische Wirkung in der "Last Night of the Proms" in der Royal Albert Hall und unseren Fernsehgeraeten
<British Sea Songs> An der Schlacht von Leipzig 1813 konnte er nicht teilnehmen <die England-Cuxhaven Faehren hatten wohl gerade wieder die Preise erhoeht> aber er uebernahm in Braunschweig wieder die Regierung und als Napoleon das suesse Nichtstun in seinem Fuerstentum Elba satt hatte, und nach Frankreich zurueckkehrte, erhielt auch unser Friedrich Wilhelm einen Marschbefehl fuer eine Dienstreise nach Frankreich. Eigentlich hatte er sich auf das Abendessen mit Wellington und Bluecher im Gasthaus "La belle alliance" gefreut aber am 16. Juni 1815 kam ihm im Gefecht bei "Quatre-bras" etwas dazwischen <in Kugelform!> was ihm das Atmen zukuentig unmoeglich machte. Trotzdem hatte er bis zu seinem Tode was gegen die Franzosen!>

Wie schrieb doch Borries von Muenchhausen in seiner Ballade ueber die Hochzeit des niedersaechsischen Adels: "Nein, eigentlich Heilige waren sie nicht !"

Ernst