Frage an die "Erlebnisgeneration"

Liebe "Erlebnisgeneration",

ich finde, als junger Mensch von knapp 48 Jahren, Eure Berichte
�ber Flucht und Verteibung mehr als informativ, geben sie
mir doch einen tiefen Einblick in ein dunkles Zeitalter Deutschlands
der durch Geschichtsb�cher nicht vermittelt werden kann.

Meine Gro�eltern schrieben damals, es muss im Dez. 46 gewesen sein,
an ihre Verwandschaft in Hamburg:
"Wir wurden am 1. Dez. fr�h durch die polnische Polizei innerhalb
von 10 Minuten aus der Heimat gepeitscht ohne Bett, ohne Decke nur
in Arbeitskleidung ..."
Auf der Flucht starb meine 3 Monate alte Tante und meine Urgro�mutter.
Sicherlich ein Schicksal, dass viele Menschen in dieser Zeit geteilt haben.

Nun habe ich erfahren, dass meine Gro�eltern ihre schlesische Heimat (Schawoine)
schon
einmal vorher verlassen haben, mit all ihrem Hausstand und, dass sie wieder
zur�ckgegangen sind.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Warum? Gab' es trotz der Kriegswirren
eine politisch beruhigende Phase, die meine Gro�eltern "blind" werden lie�en.
Oder wollten sie ihren Hof nicht verlieren?

Meine Gro�eltern haben sich nie �ber diese Zeit mit ihren Enkeln dar�ber
unterhalten, schade, im nachherein betrachtet. Leider ist es jetzt zu sp�t.

Ihr, die ihr "dabei" wart, werded mir nat�rlich meine Frage nicht im
Detail beantworten k�nnen. Aber gab es nach Kriegsende die Einsch�tzung -
und ich sage es mal salopp - es ist vorbei und alles wird gut?

Mit freundlichen Gr�ssen
Andreas Guhr

Hallo Andreas,

Nun habe ich erfahren, dass meine Gro�eltern ihre schlesische Heimat

(Schawoine)

schon
einmal vorher verlassen haben, mit all ihrem Hausstand und, dass sie

wieder

zur�ckgegangen sind.

Sicherlich wurde ihr Fl�chtlingstreck von der Roten Armee eingeholt und sie
wurden
angewiesen wieder zur�ckzukehren.

Ihr, die ihr "dabei" wart, werded mir nat�rlich meine Frage nicht im
Detail beantworten k�nnen. Aber gab es nach Kriegsende die Einsch�tzung -
und ich sage es mal salopp - es ist vorbei und alles wird gut?

Mein Bruder (*1929) und ich (*1939) haben unsere Erlebnisberichte unter
"Erlebte Heimatgeschichte" im Internet.
http://www.boehm-chronik.com/geschichte.htm

"Im Rausch der Rache wird auch ein guter Mensch zur Bestie",
das sagte mir ein alter Indianer, den ich in den 70er Jahre anl�sslich
meiner Expeditionen in Mexiko traf.
�ber diesen Ausspruch mu� ich heute noch �fters nachdenken und versuche,
die erlebte Nachkriegszeit meiner Kindheit in Schlesien zu begreifen.

Herzliche Gr�sse aus Upstate New York,
Guenter Boehm (*1939 Friedland, Kreis Waldenburg in Schlesien)

Hallo Andreas,
viele Schlesier hatten ihre Heimat verlassen und sind dann wieder
zur�ckgekehrt. F�r`s Verlassen war meist die Front und die Furcht vor den
sowjetischen Befreiern die Ursache. Wie sich zeigte, waren ja die Ger�chte
und die Nazipropaganda tats�chlich war!
Die R�ckkehr war aus zwei Gr�nden zu verstehen, einmal, wo sollte man hin?
Zum anderen, die von den Alliierten vorgesehene Westverschiebung Polens und
die Annektion Nord-Ostpreu�ens durch die Russen, so man davon geh�rt hatte,
mochte man, wegen der Ungeheuerlichkeit dieser Ma�nahme ohnehin nicht
glauben.
�brigens, die polnische Polizei hie� damals Miliz und war tats�chlich der
Schrecken unserer ostdeutschen Landsleute.
Meine Mutter mit ihren zwei Kindern (7 und 5 Jahre) ist damals, am 7.Mai
1945 (ihr 31.Geburtstag) auch, mit anderen Dorfbewohnern vor den Russen
geflohen. Das ging aber schief. Wir sind den einr�ckenden Russen direkt in
die Arme gelaufen. Unsere kleine Gruppe hob brav die H�nde und die Befreier
nahmen den Erwachsenen die Ringe und Uhren ab. Das war ja noch
verh�ltnism��ig harmlos, bei der n�chsten Begegnung mit den Befreiern wurde
meine Mutter vor den Augen von uns Kindern vergewaltigt.
Bei der Wehrmacht wurden Vergewaltiger standrechtlich erschossen!
Gr��e aus Leipzig
Wolfgang Leistritz * 1938 im Eulengebirge

Hallo G�nter

> Nun habe ich erfahren, dass meine Gro�eltern ihre schlesische Heimat
(Schawoine)
> schon
> einmal vorher verlassen haben, mit all ihrem Hausstand und, dass sie
wieder
> zur�ckgegangen sind.

Sicherlich wurde ihr Fl�chtlingstreck von der Roten Armee eingeholt und sie
wurden
angewiesen wieder zur�ckzukehren.

Leider war dem nicht so. Nach Aussage einer Gro�cousine, waren sie
bereits in Hamburg angekommen.

Mit freundlichen Gr�ssen
Andreas Guhr

Hallo Wolfgang,
ich danke Dir f�r diese tiefen Einblicke.

Mit freundlichen Gr�ssen
Andreas Guhr