Eine Frage, die sicherlich viele Forsche interessiert:
Für Hessen kann man alle (digitalisierten) standesamtliche Urkunden lesen
In Baden-Württemberg gibt es die digitalisierzten Kirchenbücher 1810-1870
Gibt es auch Ähnliches in anderen Bundesländern und für andere Forschungsbereiche?
Eine Antwort wäre sehr willkommen!
Walter Wiesner
Zentgrafenstraße 54
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walter@wiesner-frankfurt.de
Bei Ancestry gibt es - gegen Bezahlung - die Standesamtsregister von Berlin, Königsberg in Ostpreußen, Magdeburg und viele andere, meist im (ehemaligen) Osten. Geschäftsmodell dabei: Ancestry tritt an die Archive heran und bietet die Gratisdigitalisierung an gegen das Recht, die Urkunden auf der eigenen kostenpflichtigen Seite zu vermarkten. Selbst kleinere Archive wie in meinem Heimatort Hann. Münden in Südniedersachsen (rund 20.000 Einwohner) sind betroffen. Das ist ein Angebot, das viele aus Kostengründen nicht ausschlagen, nicht mal das Bundesarchiv (Kartei der Gefallen im 2. Weltkrieg). "Mein" Archivar hatte nein gesagt, weil er das Ansinnen datenschutzrechtlich bedenklich fand, denn manche Standesamtseinträge haben "Beischreibungen", die zu einer ganz erheblichen Verlängerung der Schutzfristen führen können, um die sich die Amerikaner aber nicht immer kümmern, wenn sie mit ihrer Beute erstmal nach Hause abgezogen sind.
Hessen hatte den mühsamen Weg über ein öffentliches Förderprojekt gewählt, in dem auch noch eine Menge manueller Sichtungsarbeit steckt: Ist ein einzelner Eintrag wegen nachträglicher Beischreibung doch noch nicht frei (typisch z.B.: Kind mit Name und Geburtsdatum im Trau-Eintrag der Eltern, Adoptionsfälle, Leute die über 100 Jahre alt werden), dann wird nur ein Bild mit Sperrvermerk angezeigt.
Ich selbst habe im oben genannten Archiv Hann. Münden sämtliche Personenstandsurkunden und einen Teil der Nebenakten ehrenamtlich "durchgeknipst". Aufwand: mehrere Monate über ein paar Jahre verteilt bei derzeit rund 65000 Aufnahmen. Dabei sind von den oft hochinteressanten Nebenakten vielleicht gerade mal 30 Prozent erledigt. Das Ergebnis ist nutzbar, aber in der Qualität längst nicht so gut wie z.B. beim Hessischen Staatsarchiv oder Ancestry.
Echte Profi-Arbeit erfordert einen Aufwand, den sich kaum ein hiesiges Archiv leisten kann. Entweder a) gibt es zufällig mal Fördergeld oder b) Ancestry bzw. MyHeritage verschleppen die Akten hinter ihre Bezahlschranke oder c) die Digitalisierung unterbleibt vorerst ganz. Leider meistens c).
Das Gratisangebot der Katholischen Kirche (Matricula) dürfte bekannt sein. Da fehlen aber noch ganze Landstriche. http://matricula-online.eu/
Wer Verfolgte des 3. Reichs oder "Displaced Persons" (DPs) sucht, der wird vielleicht in den Digitalisaten des Archivs in Bad Arolsen fündig. https://arolsen-archives.org/
Holger (Gruber)
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