Hallo Ute,
bei der Deutung von Familiennamen sicherlich ein wichtiger Punkt, sind fehlerhafte Eintragungen in den KiBü.
Gerade FN, die sehr selten sind, vielleicht nur in einer Region auftauchen und sich außerdem nur
durch einzelne Buchstaben von häufigeren und auch erklärbaren FN unterscheiden, sind oft fehlerhaft in ein KiBu gelangt.
Die Gründe dafür sind vielfällt. Es muß nicht immer ein nuschelnder, mit einem Sprachfehler behafteterAnalphabet sein,
dessen Angaben bei einem alten, fast blinden und tauben aber dafür ständig betrunkenen Dorfpfarrer falsch ankamen.
Die Leute im Dorf oder im Stadtteil waren dem Pfarrern bekannt, Frauen zogen in das Dorf des Ehemannes, die Familiennamen
wurden regelmäßig zu den entsprechenden Anlässen aufgeschrieben usw. Umziehen war damals nicht so einfach wie heute.
Sicherlich gab es aus oben genannten Gründen auch Übertragungsfehler. In der Frühzeit der Kirchenbuchaufzeichnungen hat es
auch absichtliche Namensveränderungen durch die Pfarrer gegeben, wenn sich z.B. nach Seuchen oder Kriegen die dezimierte
Dorfbevölkerung eine handvoll FN teilte, war es sinnvoll doppelt auftretende Namen oder entfernte Verwandtschaftsverhälnisse
voneinander zu trennen, um bei Hochzeiten nicht restlos ins Haareraufen zu geraten.
Zum Ursprung der Familiennamen muß man sagen, dass eine allgemeine Aussage, wie z.B. bis 1400 hatten
alle Bewohner in Schlesien einen Familiennamen, nicht möglich ist. Personen, die in diesem Zeitraum namentlich
niedergeschrieben wurden, hatten wohl einen, denn in Namenslisten zehn Mal hintereinander Johannes zu schreiben,
wäre wohl schlecht gewesen. Andere, die nicht so wichtig waren, kamen wohl auch noch danach lange Zeit einnamig, allein
mit ihrem Taufnamen zurecht, oder wurden mit Johannes dem Heinrich Müller sein Nachbar umschrieben.
Erst mit der Einführung der KiBü ab Anfang des 16. Jh. bekam dann tatsächlich jeder einen Familiennamen und war es nur
der Taufname des Vaters. Die Tatsache, dass sich die deutsche Besiedlung Schlesiens bis 1300 (und auch danach) und
der Ursprung dieser Siedler nicht anhand typischer Familiennamen, wie sie z.B. in den Abwanderungsgebieten häufig sind,
nachweisen läßt, es stattdessen, wie man es ja auch bei Bahlow nachlesen kann, sehr viele typische schlesische FN
und schlesische Varianten von deutschlandweit verbeiteten FN gibt, ist allerdings Beleg dafür, dass über einen
längeren Zeitraum Beinamen mündlich geführt und weitergegeben wurden, zwischen 1300 - 1500. Typisch für schlesische FN sind auch die Namen aus dem deutsch-slawischen Kontaktbereich. Festgeschrieben bzw. unveränderlich gemacht durch die Behörden
in Schlesien wurden FN erst Ende des 18. Jh.
Gruß Jürgen
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