Flucht und Vertreibung der Loher Kr. Breslau

Hallo Andreas Guhr, hallo Liste!

Die Ostfront r�ckte immer n�her, und deshalb sind die Loher - ca.500 Einwohner -
Kr. Breslau Ende Januar 1945 mit Pferd, Wagen und Traktor gefl�chtet. Alles war
gut organisiert von unserem B�rgermeister Erich HALUPKA. Wir landeten in
Ullersdorf Kr. Glatz und lebten dort friedlich bis Kriegsende, und zwar schon
deshalb, weil die Front bis dahin gehalten werden konnte.

Bei Kriegsende am 8. Mai 1945 h�rten wir morgens Sch�sse, und etwas sp�ter zogen
die Russen kampflos in Ullersdorf ein. Es war eine lange Wagenkolonne, und die
russischen Soldaten sa�en diszipliniert auf ihren Autos. Bei einem Halt ging
ein russicher Soldat in ein Haus und klaute was. Sein Vorgesetzter, ein Offizier
warf ihn gekonnt auf den Boden, auf die Stra�e und schlug mit einem Schlagstock
vielleicht zweimal auf ihn ein. Anschlie�end brachte der Soldat das Diebesgut in
das Haus an dem Flu� Biele zur�ck. Doch etwas verwundert habe ich mir dies am
Stra�enrand angeschaut.

Der B�rgermeister von Ullersdorf hat sich an diesem Tag erschossen. Unser
B�rgermeister organisierte wieder ganz gut den Marsch zur�ck nach Lohe. Ende Mai
1945 trafen die Loher in ihrem Dorf wieder ein.

Lohe lag an der Autobahn, und deshalb logierten sich bei uns im Haus �fters
Russen ein, die f�r den Benzinnachschub Oberschlesien-Berlin sorgten. Es waren
fast immer dieselben russischen Soldaten, die sich bei uns im Haus oben f�r
eine Woche einquartierten. Das gab Schutz und zu essen, denn im Hause lebten
unter anderem sieben Kinder. Ein Sergant sprach gut deutsch, war katholisch und
hatte einen Rosenkranz bei sich. Er erz�hlte von Moskau, seiner Frau und seinen
Kindern. Verhalten schimpften er und andere auf Stalin. Auch der junge Leutnant
von 28 Jahren war freundlich und stets korrekt. Er sprach auch etwas deutsch.

Am 1. November 1945 kamen die ersten Polen in unser Dorf Lohe. In unser Haus kam
Frau LENSKI aus Galizien mit ihren f�nf Kindern. Etwas pl�tzlich mu�ten wir am
11. Juli 1946 Lohe f�r immer verlassen. Frau LENSKI stand am Tor und weinte. Ich
meine, ihre Tr�nen waren echt. 1973 sah ich sie wieder. Zu den Nachfahren
besteht noch Kontakt.

Unser Ex-B�rgermeister ist sp�ter in Hardegsen Kr. Northeim/Hann. verstorben.
Kein Russe oder Pole hat ihm ein Haar gekr�mmt.

Insgesamt hat Lohe etwas Gl�ck gehabt. Bis auf eine Nacht im Mai/Juni 1945, da
sind leider zwei Frauen von betrunkenen russischen Soldaten erschossen worden.
Sie standen hinter der T�r, die sie nicht �ffnen wollten.

Viel Gr��e

Martin Kluge