Hallo Matthias,
das Schicksal Glogaus im M�rz 1945 ist in dem Buch "Exodus 1945-1946 -
Flucht-, Besatzungs- und Vertreibungsschicksale von Glogauern aus Stadt
und Landkreis" von Professor Dr. Ferdinand Urbanek, Herausgegeben vom
Glogauer Heimatbund e.V. , Hannover 1999, hervorragend und anschaulich
beschrieben.
Um auf Deine Frage einzugehen: Der Volkssturm hat nach diesen
Schilderungen tapfer am Endkampf der Festung Glogau teilgenommen. die
meisten Volkssturmm�nner, die mehrheitlich zwischen 60 und 70 Jahren alt
waren, sind wohl gefallen. Einen Ausbruchsversuch hat es in der Nacht
zum 1. April 1945, Ostersonntag, gegeben, und zwar kurz vor der �bergabe
der Festungsstadt. Zit.: "Das Unwahrscheinliche gelingt. Vom
Drei�igmarkplatz aus klettern sie an einer Eisenleiter �ber den
Bahntunnel hinab und laufen auf den Gleisen die Linie Glogau - Breslau
an der gesprengten Hindenburgbr�cke vorbei an E-Werk und Sch�tzenplatz
entlang. Richtung Herrndorf. Die Glogauer Dominsel leuchtet
kilometerweit im gespenstischen Widerschein der Flammen, die sich in den
Wellen der Oder spiegeln. Glogau, eine zertr�mmerte, tote Stadt, bleibt
zur�ck. Einigen wenigen gelingt es, die inzwischen bis zur G�rlitzer
Nei�e vorgelegte russische Hauptlinie zu durchbrechen und in 15-t�gigen
Nachtm�rschen nach mehreren Feuergefechten mit aufgescheuchten Russen in
den W�ldern von Primkenau halb verhungert mit letzter Energie die
deutschen Stellungen zu erreichen: 'Nicht schie�en! Deutsche Kameraden
aus der Festung Glogau!" Zitat Ende.
Ich finde, eine sehr anschauliche Schilderung der letzten Tage der
einstmals wundersch�nen schlesischen Stadt Glogau. Die noch in der
zerst�rten Stadt verbliebene restliche Bev�lkerung Glogaus bekam am 25.
Juni 1945 morgens die Nachricht, die Stadt am Nachmittag mit Handgep�ck
(die �brige Habe mu�te zur�ckgelassen werden)zu verlassen. Die letzten
Glogauer verlie�en mit diesem Treck zu Fu� die Stadt �ber die Brostauer
Stra�e. �berf�lle durch Polen und Vergewaltigungen der Frauen und
M�dchen mu�ten neben Hunger und dem �brigen Elend zus�tzlich ertragen
werden (so in dem Erlebnisbericht von Dr. Eberhard K. aus Glogau-Stadt).
Das Schicksal vieler meiner fr�heren Familienangeh�rigen, soweit sie
noch in Glogau lebten, ist bis heute ungekl�rt. Lediglich das Schicksal
meines Gro�vaters Otto Lebede und seiner Tochter Hertha ist gekl�rt.
Beide kamen am 14. Oktober 1944 beim 1000-Bomberangriff auf Duisburg im
Feuersturm um (sie wurden sozusagen vom Faschismus befreit, ich wei�,
da� dies zynisch ist, aber manchmal kommt mir die Galle hoch, wenn ich
diese Art der Argumentation unserer heutigen Schlaumeier h�re).
So suche ich weiter nach Angeh�rigen mit den Namen Lebede, Lootze,
Scheibel aus Wilkau, Tuczinski. Und ich suche nach den
Personenstandsunterlagen der evangelischen Gemeinden in Glogau und
Umgebung sowie in Krotoschin, Kobylin und Ostrau in der ehemaligen
preu�ischen Provinz Posen. Diese St�dte liegen in nicht allzu weiter
Entfernung �stlich von Glogau.
Mit einem freundlichen Gru�
Hans-J�rgen (Hammacher)