Hallo Günther, Hallo Listies,
mit den 5 vom Lankauer Treck übriggebliebenen
Wagen, fuhren oder liefen wir in der letzten Mai-
woche 1945 von Westen her kommend durch das
ganze noch qualmende, stinkende Breslau. Überall
Kampfspuren, tote Tiere mit aufgedunsenen Bäuchen
tote Soldaten und Zivilisten. In der Innenstadt waren
in den Hauptstrassen schon Fahrspuren geräumt,
aber das Durchkommen mit den Pferdewagen war
teilweise sehr mühsam. 2-3 mal wurden wir von
bewaffneten Zivilisten gezwungen in Hinterhöfe zu
fahren, wo die Wagen durchwühlt wurden und alles
was interessant oder von Wert schien weggenommen.
Am östlichen Stadtrand, wir wollten nach Namslau,
kamen wir dann an einer mit Stacheldraht einge-
zäunten großen Wiese, direkt neben der Strasse
vorbei, das war das Hundsfelder Gefangenen-Lager.
Mit tausenden von uniformierten Männern jeden Alters.
Am Zaun stand in Luftwaffenhelfer-Uniform ein Junge
aus Lankau, Werner Grusa. Er erkannte uns und
rief nehmt mich mit, aber das ging nicht und in der
Kolonne mussten wir weiterfahren. Er kam hinter den
Ural und wurde erst nach 1950 entlassen.
In Bernstadt wurden wir nochmals in einem Hinterhof
gefilzt und kamen am 4.Juni 1945 in Lankau an,
von der "Flucht" zurück.
Unser Haus war abgebrannt, mein Großvater,
der zu Hause geblieben war, blieb verschollen.
mfG. Joachim (Kirsch)