[FamNord] Schwaze Chronik Hamburg, Teil 15:MICHAELIS, MAHR, KOBERG, SCHMIDT, MEEDER, KÄMMERLING, BRANDT, HEIDEN, BRÜNING, RIECK, WANDT, LANGHINRICH, DAHLHAUS, GUNDLACH, LÖRCHNER, W.MEYER, SCHWAB, LANGHEINE, KAMMUL

"Uwe Krickhahn" <Ukrickha@memlane.com> schrieb:

Hallo Hans Peter

Grüße aus Kanada

Kannst Du mir dieses nochmal erklären ? Wurde er nach 7 Jahren begnadigt
obgleich er tot war oder handelt es sich um einen Tippfehler ? .

...

Hallo Uwe Krickhahn,

es handelt sich um keinen Tippfehler. Es haben wohl die Angehörigen erfolgreich nach 1945 eine Revision des Urteils aus nationalsozialistischen Zeiten erreicht und somit ihren Angehörigen weitgehend rehabilitieren können. Dass er zuvor als Verwalter einer SA-Vereins-kasse einen falschen Griff getan hat und im Übrigen auch das eine oder andere Finanzloch gestopft hat, indem er ein neues erfindungsreich aufriß, konnte das spätere Gericht wohl auch nicht vollständig ignorieren. 1940 war ihm besonders übel wohl genommen worden, die SA-Kumpane, die erst auf eine Anzeige wegen der negativen Propaganda verzichtet hatten, betrogen zu haben und zum anderen dem Lehrerideal mit der Trunksucht und dem sonstigen Vorbild nicht entsprochen zu haben. Alles zusammen genommen war die Zuchthausstrafe - damals gab es ja einen Unterschied zwischen normaler Gefängnis- und Zuchthausstrafe - wohl auch für die Zeit völlig unverhältnismäßig. Ebeling selbst spricht von einem Nazi-Terrorurteil, weil die finanziellen Schwierigkeiten, die diesem Mann zum Verhängnis geworden waren, alltäglich waren und andere auch ohne Alkoholprobleme beständig umtrieb. Er hatte es ja bis dahin auch immer geschafft irgendwann zu zahlen. Er bot sich halt an für den dann stattgefundenen Schauprozeß zur Demonstration nationalsozialistischer "Redlichkeit" und "Linientreue".

Die übrige Geschichte sollte man dann im Detail beim Autor selbst nachlesen, der das alles besser erzählt, als ich es nacherzählen kann.

mit besten Grüßen nach Kanada

Hans Peter Albers, Bienenbüttel