Liebe Liste und Kl�use (Riecken und Vahlbruch),
ich habe den Austausch zu KB online mit Interesse gelesen. Als neues Listenmitglied in der Famnord kannte ich die Haltung der norddeutschen Kirchenvertreter in dieser Frage nicht.
Sie hat mich nicht gewundert, in Hessen, W�rttemberg und Bayern und anderswo denken viele Kirchenvertreter genauso.
vielleicht nimmt es*unseren* Kirchenoberen und
>>deren Archivbeauftragten diese v�llig unbegreiflichen �ngste,
>>der Blick eines Laien auf eine KB-Seite k�nne am theoloigschen
>>am dogmatischen oder am juristischen Gehalt dieser Daten
>>irgend ein Jota abzwacken.
DIESE �ngste hatte ich noch nie als Begr�ndung der Verweigerung von Datenzugang oder Online-Stellung geh�rt.
Offensichtlich haben die entsprechenden Herrschaften in Baden damit kein Problem, denn die s�dbadischen Standesb�cher zwischen etwa 1805 und 1875 sind schon seit Anfang 2012, oder schon fr�her, online. Treibende Kraft war das erzbisch�fliche Archiv in Freiburg.
Die nordbadischen Standesb�cher der gleichen Periode sind einige Monate sp�ter erschienen.
S�dbaden
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=10028
Nordbaden
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/startbild.php?bestand=12390
Sogar in Bayern sind hat man die Digitalisierung der KB begonnen mit dem Ziel, sie online zur Verf�gung zu stellen. Man ber�t noch �ber Geb�hren.
>>Und weil hier in der Liste auch solche Geiz- und Profitargumente
>>wieder aufgewirbelt werden. DIES sind und bleiben m.E.,
>>auch wenn sie st�ndig wiederholt werden, v�lliger Unsinn.
Pardon, wenn ich widerspreche. Zwar nicht Geiz oder Profitgier, aber doch finanzielle Gr�nde. Gerade erlebe ich das hautnah.
Ich habe die Familien von Neu-Isenburg, einer hessischen Kleinstadt mit franz�sisch-reformierter Gemeinde, zwischen 1700 und 1829 verkartet. Die Kirchenv�ter haben erlaubt, die Fotos der KB, die mein Mann ohne Kosten f�r die Gemeinde gemacht hat, der Deutschen Hugenotten Gesellschaft zur Verf�gung zu stellen. Die DHG ist nicht berechtigt, die Fotos bei Ausk�nften weiterzugeben; sie d�rfen nur zu internen Forschungszwecken verwendet werden. Unter den gleichen Bedingungen durfte die Verkartung per Gedcom in die Datenbank der DHG eingepflegt werden.
Seitdem ist die Verkartung bei Geneanet eingestellt worden, allerdings nur f�r mich selbst und die Archivarin zug�nglich. Den Kirchenv�tern ist durchaus bewusst, dass das der Gemeinde die Anschaffung eines eigenen Ahnenprogrammes erspart, die Daten dort f�r 45 Euro im Jahr technisch gepflegt werden und sicher gelagert sind, die B�cher geschont werden, und der jetzige Suchaufwand f�r diese knapp 130 Jahre nur ein paar Minuten beansprucht, wozu man fr�her viele Stunden brauchte (und Franz�sisch k�nnen musste!). Vom problemlosen Ausdruck ganzer Ahnenreihen ganz zu schweigen.
Kopien der Urkunden k�nnen jetzt im Archiv von der CD heruntergeladen werden, die mein Mann erstellt hat; f�r jedes Ereignis ist das betreffende Foto in den Quellenangaben dabei. Ausdrucken - fertig! Per Mail oder per Post zu versenden.
ABER:
Alle Ausk�nfte m�ssen aber �ber das Kirchenarchiv laufen, jede angefangene halbe Stunde Suche kostet 20 Euro (was im Vergleich zu den Preisen anderer Archive unter den neuen Bedingungen ein Klacks ist!). Ich selbst bin nicht berechtigt, meine Arbeit zu ver�ffentlichen, oder Ausk�nfte an Suchende zu geben, nur an andere Forscher, die zur Klarstellung von unklaren Punkten in der Verkartung beitragen k�nnen.
Das geht an meinem urspr�nglichen Zweck, n�mlich Info aus dieser Stadt den Hugenotten- und Waldenserfamilien in aller Welt zur Verf�gung zu stellen, glatt vorbei. Diese Stadt ist in der Waldenserliteratur �berhaupt nicht, und in der Hugenottenliteratur nur in einem schon mehrere Jahrzehnte alten Beitrag in den Ver�ffentlichungen der Hess. Familienkunde behandelt worden. Die Existenz der waldensischen und hugenottischen Familien in dieser Stadt war nur lokal und in einem kleinen Umfeld bekannt. Keine Chance f�r Auswanderer!
Die Begr�ndung f�r die Haltung der Kirchenv�ter ist die finanzielle Lage des Archivs: Man brauche diese Einnahmequelle.
Dass sich bei online Stellung der Verkartung (nicht der KB Seiten selbst) die Anzahl der Anfragen erh�hen k�nnte, glaubt niemand, obwohl es Anzeichen gibt, dass die versehentliche Einstellung von Daten aus zwei der KB durch die Mormonen genau das bewirkt hat.
Die KB sind n�mlich, wie die der meisten deutschen Gemeinden, durch die Mormonen gefilmt worden, aber die Filme sind durch die Ev. Landeskirche f�r ganz Europa gesperrt, d.h. sie k�nnen in keinem europ�ischen Familysearch Center angesehen werden - nur in Darmstadt im Archiv der Landeskirche.
Seit 2011 sind Daten zwischen etwa 1750 und 1840 online, davon hat Darmstadt anscheinend noch nichts gemerkt, aber die Anfragen in Neu-Isenburg kommen inzwischen von Leuten, die ihre Familien bei den Mormonen entdeckt haben! Der Umsatz hat sich erh�ht.
Wenn man nun aber bedenkt, dass unsere Altvorderen bei jedem Akt und seiner Eintragung ins KB sowieso schon gezahlt haben, k�nnte man wie in Frankreich der Meinung sein, dass die Daten in den KB Volkseigentum sind. Deswegen ist jedes franz�sische Departemenstarchiv zur kostenlosen Auskunft aus den KB verpflichtet, sofern ein Datum, bzw. Namen und Jahr, genannt werden kann. Suche vor Ort ist sowieso gratis, kostet die Archive aber Geld, weil f�r das Publikum Leses�le, -ger�te, Hilfpersonal, Toiletten usw. bereitgestellt werden m�ssen.
86 von 100 Departements haben daher die KB und andere Archivg�ter schon alle oder teilweise online stehen. Einige Departements habe f�r den Zugang zun�chst Geb�hren erhoben, aber bald damit aufgeh�rt, denn der Einzug kostete mehr als die Geb�hren eingebracht haben. Eine Verfassungklage gegen ein Departement, das f�r online Personenstandsdaten Geld verlang, f�r andere Archivalien aber nicht, l�uft zurzeit.
Mit Gr�ssen aus Frankreich
Colette (Llorca)
www.llorcahome.org