Sehr geehrter Herr Behrens,
Sie erkundigten sich nach Gro�graben Kreis Oels. �ber diesen Ort informiert:
http://www.gca.ch/Genealogie/Oels/Seite_Gr.htm
Ferner zitiere ich aus: Ursula Maria von B�low, Der schlesische Kreis Oels mit
seinen Stadt- und Landgemeinden, W�rzburg 1988, S. 118-121:
"Gro�graben mit Gr�neiche, Winkelm�hle, Sandau und Spiegelm�hle liegt 20 km
n�rdlich von Oels an der Stra�e Oels - Festenberg und an der Bahnlinie Oels -
Militsch - Gnesen, von der bei Gro�graben auch die Bahnlinie nach Festenberg und
Neumittelwalde, Kreis Gro� Wartenberg, abzweigt. Der Ort hat deshalb einen
verh�ltnism��ig gro�en Personen- und G�terbahnhof.
Gro�graben war ein Stra�endorf, das nach dem Liber fundationis um 1300 schon zu
deutschem Recht ausgesetzt war.
Die evangelische Kirche in Gro�graben wurde 1578 erstmals urkundlich erw�hnt. Es
war damals eine Schrotholzkirche, �hnlich wie die in Kleingraben, Kreis
Trebnitz. Ob sie eine Vorg�ngerin hatte, ist nicht bekannt. M�glicherweise ist
eine fr�here Kirche restlos abgebrannt, wie vieles im 15. Jahrhundert, als die
Hussiten durch das Oelser Land zogen.
Im Jahre 1853 wurde die Kirche in Gro�graben als massiver Steinbau ganz neu
errichtet. Das neue evangelische Gotteshaus erhielt den Namen "Zum Kreuz des
Erl�sers". Zur Kirchengemeinde Gro�graben geh�rte au�er Gr�neiche, Winkelm�hle,
Sandau und Spiegelm�hle auch noch der kleine Ort Hollunder, ein Ortsteil von
Wei�ensee. Der letzte deutsche Pastor hie� Hans Oskar Heinrich.
Die erste Schule wurde in Gro�graben nach 1663 gegr�ndet. Das letzte Schulhaus
stammte aus dem Jahr 1894. Es enthielt 3 Klassenr�ume und die Wohnungen f�r 3
Lehrer. Der letzte Hauptlehrer hie� Erich Glatz.
Zum Amtsbezirk Gro�graben geh�rten die Orte Buchenwalde, Buchenwerder, Malen und
Wei�ensee. Nach der Volksz�hlung vom 17.5.1939 hatte Gro�graben 1012 Einwohner.
Die Gesamtgemarkung war 3071 ha gro�. Davon entfielen �ber 500 ha auf das Gut,
das zuletzt der Familie Stephan geh�rte. Die gro�en Waldgebiete der Gemarkung
geh�rten dem Markgrafen von Mei�en. Das Gut hatte eine Spiritusbrennerei, 1
Kartoffelflockenfabrik, 1 Gr�nfutterd�rranlage (die erste in ganz Deutschland)
und 1 Dampfpflug. Es wurde starker Hackfruchtanbau betrieben.
Au�er dem Gut gab es in Gro�graben noch 60 Geh�fte. Die Bauernfamilien
Sommerkorn, Stelzner, Packan, Rudel und Quarg waren schon sehr lange am Ort
ans�ssig.
In Gro�graben gab es ferner 2 Ziegeleien, 2 S�gewerke, 1 Tankstelle mit
Fahrradhandlung, 3 Gemischtwarenhandlungen, 1 Textilwarengesch�ft, 3
Fleischereien, 2 B�ckereien und 3 Gasth�user (Franzke, Rauer und die
Bahnhofsgastwirtschaft). Au�erdem gab es die nahe gelegene Spiegelm�hle als
Ausflugslokal.
Am Ort gab es als Handwerker 1 Schneider, 1 Tischler und je 2 Schmiede,
Stellmacher und Schuhmacher. Der letzte deutsche B�rgermeister von Gro�graben
hie� Fritz Stern.
In Gro�graben gab es eine Ortsb�cherei, die von Pastor Heinrich verwaltet wurde.
Das gesellschaftliche Leben wurde durch verschiedene Vereine, u. a. dem
Radfahrverein und dem Kirchenchor gepr�gt. Es gab auch eine Schwesternstation
und eine Hebamme in Gro�graben.
Die "Berge" in der Nachbarschaft begr�ndeten den Ruhm Gro�grabens als
h�chstgelegenen Ort des Kreises Oels. Die Namen der Berge waren: M�hlenberg (223
m �ber NN), Bremmelberg (210 m �ber NN), Fuchsberg (208 m �ber NN) und Babenberg
(175 m �ber NN). Die sogenannten "Schlo�berge" aber waren uralte W�lle, die sich
in der N�he der Spiegelm�hle und des Spiegelm�hlenteiches befanden. So manche
Sage rankte sich um diese Schlo�berge. Wahrscheinlich waren es die Wallanlagen
einer l�ngst verschwundenen Burg. Die Spiegelm�hle selbst war ein idyllisch
gelegener, gern besuchter Ausflugsort, der im Dreieck der bei Gro�graben sich
gabelnden Bahnlinien lag.
Nachdem die Einwohner von Gro�graben am 20. Januar 1945 vor der herannahenden
Front geflohen waren, kehrten viele von ihnen nach Kriegsende wieder zur�ck. Sie
hatten sich mit der R�ckkehr sehr beeilt, denn es war ihnen von den Russen
gesagt worden, wer am 1. Juni nicht zur�ck sei, w�rde das Heimatrecht verlieren.
In Gro�graben erlebten sie unter Russen und Polen schlimme Zeiten. Der Hunger
herrschte wie �berall entsetzlich. Viele Menschen erkrankten an Typhus und nicht
wenige starben. Im Sommer 1946 mu�ten auch die Gro�grabener ihre Heimat
verlassen."
Mit freundlichen Gr��en! Klaus Kunze