Erich Richter; Wohnort 1944 Breslau-Hartlieb , Waldenburger Str. 100,

Hallo,
mein Onkel Erich ist am 28. Aug. 1944 in Jablunkau im Lazarett verstorben.
Sein Heimatwohnort s. o..
Er war lediger Gendarmerie-Hauptwachmeister und soll bei Verwandten gewohnt
haben. Ich finde in keinem der Online-Adressbücher
die Adresse. Ich suche die Mitbewohner.
Viele Grüße
Gerd Rudolf Scholz

Hallo Rudolf,

an der Anschrift stimmt etwas nicht: 1. Nr. 100 existierte nicht (lt.
Adressbuch 1943 nur 1-73, 2-72), 2. in der gesamten Straße ist im AB
1943 kein Richter zu finden.

Viel Glück!

Sven Heilmann

Hallo Rudolf,

es gab auch höhere Zahlen über der 100, aber die 100 selber ist im Suchergebnis 1937 nicht enthalten:
http://des.genealogy.net/breslauAB1937/search/index

Bei Adresse Waldenburger eingeben, dann beim Ergebnis auf Adresse tippen. Die Datensätze sortieren sich um und man sieht die Hunderternummern. Vielleicht kommt Dir dabei ein Name bekannt vor.

Viele Grüße
Astrid

Hallo Sven,
vielen Dank für die schnelle Antwort! Die Adresse habe ich von der amtlichen
Sterbeurkunde
(Berlin-Wilmersdorf 1951). Offensichtlich ein Fehler oder eine
Vertuschungsaktion. Mein
Onkel hatte unheilbare Lungentuberkulose und soll nach Angaben meiner Mutter
mit einer Spritze
ermordet worden sein.
Viele Grüße
Gerd (Scholz) in Ritterhude

Hallo Astrid,
vielen Dank für die schnelle Hilfe! Deine Tipps waren sehr hilfreich! Bisher
habe ich nur bei Ancestry gesucht.
Offensichtlich stimmt die Adresse in der Sterbeurkunde nicht. (StA
Berlin-Wilmersdorf 1951)
Entweder ein Fehler oder Vertuschung. Mein Onkel hatte unheilbare
Lungentuberkulose und soll nach
der Aussage meiner Mutter mit einer Spritze ermordet worden sein. Sie war
nach der Todesnachricht selbst in Jablunkau
und hatte gehört und gesehen, dass viele Unheilbare in kurzer Zeit gestorben
seien.
Es bleibt ein Rätsel.
Viele Grüße
Gerd (Scholz) in Ritterhude

Hallo Gerd,

mit der Übernahme solcher Familienlegenden solltest Du - sehr ... - vorsichtig sein. Im Nazi-Reich wurden viele Menschen ermordet, u.a. auch viele (geistig) Behinderte, aber kein "arischer" Tuberkulose-Kranker. Zumal, wenn der bei der Polizei war. Die Tuberkulose, heilbar erst nach dem Krieg, war derart verbreitet, dass man ganze Stadtteile hätte umbringen können ...

In Jablunkau gab es eine große "Landesheilstätte" - und die war spezialisiert auf Tbc, siehe z.B.:

Fotos gibt es im Netz.

Die Breslauer Hausnummer 100 dürfte - sechs Jahre nach dem Krieg - ein banaler Übertragungsfehler sein aus einer anderen Vorlage. So wurden Stockwwerke in AB oft klein angehängt. Aus 10 hoch 1 (dem 1. Stock) konnte dann auch mal eine 101 werden. Oder aus der 109 beim Abschreiben eine 100. Oder, oder, oder ...

Manchmal sind die einfachsten Erklärungen immer noch die besten.

Viele Grüße, Thomas (Bumba)

Hallo Thomas,
vielen Dank für die interessante Nachricht!
Die Umstände um den Tod meines Onkels Erich waren doch recht merkwürdig.
Meine
Mutter erinnert sich:
Er befand sich seit Herbst 1941 in Jablunkau, die Familie hatte regelmäßigen
Kontakt zu ihm und versorgte
ihn mit Päckchen. Besuche waren nicht erlaubt.
Im August 1944 erhielt seine Mutter ein offizielles Schreiben des Lazaretts,
dass ihr Sohn so weit geheilt sei,
dass er nach Hause entlassen werden könne. Sie sollte vorbeikommen und ihn
abholen (der Termin war
angegeben). Als meine Mutter, seine Schwester, an diesem Termin in Jablunkau
im Lazarett erschien, hieß es ganz kurz:
"Ihr Bruder ist plötzlich verstorben und schon begraben." Sie erhielt einen
Beutel mit den Papieren, der Brille, dem Ringe, der Uhr und
dem Portemonnaie. Mit Ärzten, Krankenschwestern und Kameraden durfte sie
nicht sprechen.
Auch der Zutritt zum Friedhof wurde ihr verboten. Häftlinge (vermutlich)
waren dabei, neue Gräber auszuheben.
Sie fuhr zurück nach Oppeln O.S., aus dem sie fünf Monate später flüchten
musste.
Viele Grüße
Gerd Rudolf in Ritterhude