Einige Angaben zur schlesischen Frühgeschichte

Aus: Zur Geschichte von Schwarzwaldau / Konradswaldau
(Grenzland von Schlesien und B�hmen)
von Dr. Werner Rudolf
http://www.boehm-chronik.com/geschichteschwarzwaldau.htm

Einige Angaben zum geschichtlichen Hintergrund

Zur richtigen Bewertung der Zeit bis etwa 1150 mu� man sich die Geschichte
Schlesiens im Zeitraum etwa seit dem Jahre 900 in Erinnerung rufen :
Sie war gekennzeichnet durch andauernde kriegerische Auseinandersetzungen
zwischen den polnischen und tschechischen Herrschern. Mehrfach mu�ten
deutsche Kaiser Frieden stiften. Der Premyslide (Premysliden = b�hm.
Herrschergeschlecht) Vratislaw I. (894 - 921) eroberte zu Beginn des 10. JH.
Mittelschlesien links der Oder. Er gr�ndete beim sp�teren Breslau eine Burg,
die nach ihm Wratislawia genannt wurde. Aus diesem lateinischen Namen
entstand
die Bezeichnung Breslau, poln. Wroclaw. Breslau hei�t auf tschechisch heute
noch
Wratislaw.

In dieser Zeit wurde Nimptsch = Henicis zum Vorort der b�hmischen
Besitzungen
in Schlesien ausgebaut. Der Ortsname Nimptsch = Nemci (das bedeutet
"Deutsche")
weist darauf hin, da� hier deutsche Ansiedler gewohnt haben.

F�r die Geschichte des Gebietes um Schwarzwaldau / Konradswaldau ist sicher
auch von Bedeutung, da� die Herrschaft Freudenberg ( in (15) hei�t es :
"...ein
b�hmischer Gro�er baute die Veste Freudenberg") praktisch bis 1359 ein Lehen
des b�hmischen K�nigs war.

Erst in diesem Jahr wurde sie Herzog Bolko II. f�r dessen Dienste gegen�ber
dem b�hmischen K�nig �bergeben.
"... zur Burg oder Veste geh�rten damals der Markt Fredelandt (Friedland)
und
zw�lf D�rfer : Fredelandisdorf, Geylenaw (G�hlenau), Raspenaw (Raspenau),
Rosenaw (Rosenau), Smedisdorf (Schmidtsdorf), Neudorf, Waltirsdorf,
Girbrechtisdorf (G�rbersdorf), Kindisdorf (Kindelsdorf), Merkelinsdorf
(Merkelsdorf in B�hmen !), Halbedorf (sp�ter Halbstadt in B�hmen ?),
Wirnhirsdorf
(Deutsch - Wernersdorf in B�hmen) - (15)

Zu Anfang des 13. Jahrhunderts bem�hten sich deutsche Kolonisten, den
n�rdlichen Teil der heutigen Herrschaft F�rstenstein urbar zu machen,
w�hrend
von der b�hmischen Seite her Braunauer Klosterbr�der in das berge - und
w�lderreiche Steine - Flu�gebiet kultivierend vordrangen. An den
westlichen Ausl�ufern des Heuscheuergebirges, der Steny, in der Gegend
von Pohlitz, war die Arbeit der letzteren auch von Erfolg begleitet, deshalb
schenkte der b�hmische K�nig Przemislaus im Jahre 1213 seinen Politzer
Besitz dem Braunauer Stift.

Das geschenkte Gebiet reichte mit seinem n�rdlichsten Grenzpunkte bis an
die Quelle des Steineflusses am Schwarzen Berge s�dlich von Waldenburg.
Da in der Schenkungsurkunde die Gegend von Adersbach und Wekelsdorf
den Klosterbr�dern verliehen wurde, darf man annehmen, da� das gesamte
schlesische Flu�gebiet der Steine, soweit es die Herrschaft Friedland (mit
den
Ortschaften Friedland, Altfriedland, G�hlenau, Raspenau, Rosenau, Neudorf,
Schmidtsdorf) und Dorfmark Waltersdorf umfa�t, dem Kloster (Braunau)
als Eigentum zugewiesen wurde. Diese Annahme wird sogar durch eine
Urkunde des Herzogs Boleslaus II. von Schlesien und Polen und seines
Bruders Conrad best�tigt. In ihr gaben diese 1429 den Eremiten von Gr�ssau
das Recht, neue D�rfer nach deutschem Recht auszusetzen. Dabei wurde als
s�d�stliche Grenze ihrers Bereiches die den Br�dern von Politz in B�hmen
geh�rigen W�lder bezeichnet, die ihren Anfang an der Camena gora -
(so wird auch heute Landeshut genannt - Kamienna Gora = "Steinberg")
nahmen, dem Steinberge s�dlich von Waldenburg, auf dem der Flu� Lesk
(L�ssigbach) entspringt und das Dorf Steinau liegt. Es lief also die Grenze
mit B�hmen urspr�nglich n�rdlicher als jetzt, und ein Teil des Waldenburger
Kreises (Friedland und Umgebung) geh�rte zu B�hmen. Die Grenze B�hmens
bildete im Norden der L�ssigbach, (wie weit nach Norden ist diese Angabe
zu verstehen ? - Die Burg "Liebenau" h�tte ja dann auf b�hmischen Gebiet
gelegen !) der Hahnberg und der Schwarze Berg, im Osten lief sie vom
Dorfe Steinau �ber den Heidelberg. Der unweit der Freudenburg gelegene
"Grenzberg" wurde von der �stlichen Grenzlinie ber�hrt und hat
wahrscheinlich
daher seinen Namen erhalten.

Bei der Beurteilung der Geschichte von Schwarzwaldau und Konradswaldau
sollten auch folgende Tatsachen mit ber�cksichtigt werden :
- Die D�rfer entstanden damals meist entlang der Fl�sse oder B�che - im
konkreten Fall also entlang des L�ssigbaches.
- Die beiden Orte sind mit ziemlicher Sicherheit �lter als das von
deutschen
Siedlern angelegte Landeshut.
- Um 1355 sa� auf den Burgen beider Orte ein vom b�hmischen K�nig
eingesetzter Kastellan
- Gr�nhagen / Markgraf / "Lehns - und Besitzurkunden Schlesiens" (20) :
Herzog Bolko II. von Schweidnitz vermacht seine Lande seiner Nichte Anna,
Gemahlin Karls IV. 1353 Juli 3 : es werden die verschiedensten St�dte (u. a.
Landeshut), Orte und Burgen aufgef�hrt. Schwarzwaldau und Konradswaldau
fehlen. (20 / 12) Kaiser Karl IV. ertheilt im Vereine mit seiner Gemahlin
den
F�rstenth�mern Schweidnitz - Jauer f�r den Fall, da� dieselben ihm
heimfallen,
verschiedene Zusicherungen namentlich im Punkte eventueller Ver�u�erungen.

1356 April 4 :
Es wird in dieser Urkunde von Eigentum ...dorffer, vesten, stete ...
gesprochen,
die iczund zu dem furstenthum gehoren, oder hernoch dorczu komen werden,
und die wir noch dorczu brengen muegen ... (20 / 16)
Erbvertrag Karls IV. mit seinem Eidam Markgraf Otto von Brandenburg.

1364 April 14 : In diesem Vertrag werden die einzelnen Besitzt�mer
aufgez�hlt,
die (nunmehr, 1364!) zu Schweidnitz - Jauer geh�ren :
Landeshut die stat, Kliczdorf, Griffenstein, Kinast, Walkenstein, Hornsberg,
Conradswalde, Swarczenwalde, Kynsberg, Waldemberg di vesten und auch
andere erbliche herschaft, di der hochgeborn Bolke herczog czu Slezien und
herre zur Swidnicz und zu dem Jawr hatte (20 / 20)

Noch ein kurzer R�ckblick in die damals sehr bewegte Geschichte :
Mit Ausnahme von Bolko II. hatten sich alle anderen schlesischen Teilf�rsten
unter den Schutz der Herrschaft von B�hmen gestellt.

Weil Bolko II. einen entsprechenden Vertrag mit B�hmen nicht unterschreiben
wollte, r�ckte K�nig Johann von B�hmen 1345 mit seinem Heer gegen
Schweidnitz vor, w�hrend sein Sohn Karl, der sp�tere Kaiser Karl IV.,
Landeshut eroberte.

Wegen der Pest, die in seinem Heer ausbrach, mu�te K�nig Johann
unverrichteter Weise umkehren. Landeshut aber blieb mit dem Umland �ber
drei Jahre in b�hmischer Hand.

Siehe auch: http://www.boehm-chronik.com/geschichteschwarzwaldau.htm

Herzliche Gr�sse und alles Gute zum Neuen Jahr 2006,
Guenter Boehm (*1939 Friedland, Kreis Waldenburg in Schlesien)