Eigentümer von Gut Kleszowen 1810 - 1820

Hallo Herr Rüther!

im Kreis Darkehmen = Angerapp = Osjorsk lag der Gutsbezirk Kleszowen = Kutuzovo. Das Gut soll bis etwa 1800 von einer Familie v. Ostau bewirtschaftet worden sein. Nach etwa 1850 soll Kleszowen der Familie v. Sperber gehört haben.

Auf der Suche bin ich nach den Eigentümern von Gut und Gutsbezirk Kleszowen in der Zeit von 1810 bis 1820.

Laut
Jenny Kopp: Beiträge zur Chronik des ostpreußischen Grundbesitzes. I. Teil: Regierungsbezirk Gumbinnen und Kreis Memel. Königsberg i. Pr. 1913, S. 129-130

verkaufte Julius Wilhelm v. Ostau 1765 das Gut an die Gemahlin des Obersten Daniel Friedrich von Lossow, geb. v. Zedmar. Diese verkaufte 1792 an den Amtmann Niederstetter auf Königsfelde. Am 30. April 1806 kaufte der Leutnant Nicolaus von Sanden das Gut, der es (ohne Zeitangabe) an den Landrat Gottfried Benjamin Sperber aus Gerskullen verkaufte. Sperber starb 1824, Erbe wurde sein Sohn Emil, der das Gut formal seiner verwitweten Mutter abkaufte. Nach Emils Tod 1880 wurde dessen Sohn Viktor Besitzer.

Viele Grüße

Carsten Fecker

Hallo Herr Fecker,

das ist ja super! Für Ihre Antwort bedanke ich mich recht herzlich.

Der verhältnismäßig schnelle Wechsel der Eigentümer dieses Gutes zeigt vermutlich beispielhaft, wie wenig bodenständig und an die heimatliche (wenn sie denn Heimat war) Scholle gebunden die Gutsbesitzer damals in Ostpreußen waren.

Können sie anhand Ihrer Quelle ausmachen, ob es sich um ein ritterschaftliches Gut oder einen anderen Großbetrieb handelte?

   Mit guten Grüßen

    F. - Franz Rüther

-----Original-Nachricht-----

< Von: ow-preussen-l-bounces@genealogy.net [mailto:ow-preussen-l-
<bounces@genealogy.net] Im Auftrag von FFRMH@t-online.de
<Gesendet: Sonntag, 8. Mai 2011 17:15
<An: OW-Preussen-L
<Betreff: Re: [OWP] Eigentümer von Gut Kleszowen 1810 - 1820

<Hallo Herr Fecker,

<das ist ja super! Für Ihre Antwort bedanke ich mich recht herzlich.

<Der verhältnismäßig schnelle Wechsel der Eigentümer dieses Gutes zeigt
<vermutlich beispielhaft, wie wenig bodenständig und an die heimatliche
<(wenn sie denn Heimat war) Scholle gebunden die Gutsbesitzer damals in
<Ostpreußen waren.

Lieber Herr Rüther,

ich glaube, ganz so einfach kann man sich die Sache nicht machen.

Wenn Sie sich das noch einmal anschauen, sehen Sie, dass die Familie Sperber
das Gut immerhin seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts besessen und über
mindesten zwei Generationen weitervererbt hat.

Wie lange die Familie von Ostau vor dem Verkauf 1765 besessen hat geht aus
der Antwort von Herrn Fecker nicht hervor. Aber man muss auch
berücksichtigen, dass zu dem Zeitpunkt gerade ein langer Krieg beendet
worden war, der (Ost-)Preußen eine fünfjährige Besetzung durch die Russen
gebracht hatte, was sicherlich wirtschaftlich für die Güter und die
besitzenden Familien nicht ohne schwere Folgen geblieben ist. Insbesondere,
wenn man berücksichtigt, dass die Männer der Familie wahrscheinlich
außerhalb(Ost-)Preußens bei der Armee im Feld waren und da vermutlich nicht
unerhebliche Schulden aufhäuften, weil sie ja von ihrer "wirtschaftlichen
Basis" abgeschnitten waren.

Auch bei den beiden folgenden Verkäufen muss man wohl die familiäre
Situation der Verkäufer(in) in Betracht ziehen, die wir nicht kennen. Aber
wir wissen, dass die Zeit der napoleonischen Kriege schwerste
wirtschaftliche Folgen gerade auch in (Ost-)Preußen mit sich brachte, weil
die mit Preußen verbündeten russischen Soldaten und die französischen (und
deutschen!) Besatzungstruppen sich ja aus dem Lande ernähren mussten und
dadurch die Güter und die Bauern kaum das Saatgut für die nächste Aussaat
behalten konnten. Durch die Besatzung kamen zusätzlich Seuchen ins Land,
schlechtes Wetter und die allgemeinen Umstände verhinderten 1807 eine
Bestellung der Äcker und die Aussaat etc.etc. 1811/12 sah es ähnlich aus,
weil Napoleon seine Truppen für den Angriff auf Russland bereitstellte. Wenn
dann nach den mehr als kargen Kriegsjahren eine Familie ihr Gut verkaufen
musste weil sie es wirtschaftlich einfach nicht mehr halten konnte, dann
scheint mir das kein Beweis dafür zu sein, "wie wenig bodenständig und an
die heimatliche (wenn sie denn Heimat war) Scholle gebunden die Gutsbesitzer
damals in Ostpreußen waren."

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Hans-Christoph Surkau