Ehrenwerte Berufe?

Hallo Liste,

War der Beruf "Arbeiter" bzw. "Arbeiterin" oder "Melker" oder "Wirtshausgehilfin" ein ehrenwerter Beruf?
Was für ein Stand ist "Futtersmann", "Chauseewärter"?

schöne Grüße
Reinhard Neumann

Hallo Herr Reinhard Neumann,
die von Ihnen genannten Berufe waren sicherlich "ehrenwerte Berufe".
Wobei hier im Berg. Land die Bezeichnung Chaussee und somit auch der
Chausseewärter erst im 19ten Jahrhundert in mode kam.

Als unehrenwerte <Berufe können wir mit Sicherheit ansehen: Abdecker und
Henker.

Gruß
Werner (Wicke)

Hallo,

ein Chausseewärter wohnte oft im Chausseehäuschen an Ausfallstraßen (z.B:. am Ortsrand)und war u.a. verantwortlich, die Fahrbahndecke instand zu halten - Kies aufzufüllen bei Räderspuren oder Winterschäden, wozu Schubkarre und Schufel vonnöten waren. Mein Urgroßvater ging dieser Tätigkeit nach.

Allen Lesern ein schönes WE

MfG

Martina (Grunert)

Vorfahren mütterlicherseits in den Kreisen Kreuzburg OSL/Rosenberg OSL, Oppeln, Pless, Breslau

-------- Original-Nachricht --------

Liebe Martina (Grunert),
damit fällt er aber altersmäßig in den von mir beschrieben Zeitraum nach
Napoleon. Meine Urgroßeltern wurden alle nach 1820 geboren.
Gruß
Werner (Wicke)

Hallo Reinhard,
vermutlich meinen Sie die "Ehrbarkeit" als konstituierende Eigenschaft der Z�nfte, Innungen und Gilden (verpflichtende Grundlage ihres b�rgerlich-demokratischen Selbstverst�ndnisses). Sie war immer an das B�rgerrecht und die Mitgliedschaft in einer der Handwerks- oder Handelsvereinigungen gebunden. Nach au�en war sie elit�r gepr�gt. Mit der Einf�hrung der Gewerbefreiheit durch die Stein-Hardenbergschen Reformen von 1810 wurde diese "Ehrbarkeit" ihrer Grundlage beraubt. Formal erstreckten sich die B�rgerrechte nun auf die gesamte erwachsene m�nnliche Bev�lkerung. Konkurrierende nichz�nftige Vereinigungen wie die der Leineweber (im Spottlied sind sie keine "ehrbare" sondern nur eine "saubere" Zunft) mussten nun geduldet werden.

Heute ist die "Ehrbarkeit" zu einem eher folkloristischen Unterscheidungsattribut der fremdgeschriebenen Zimmermannsgesellen geworden. Sie bezeichnen ihren Schlips als "Ehrbarkeit", an dessen Farbe sie ihre Gesellenvereinigung erkennen (blau = Vereinigung der Fremden Rolandsbr�der zu Bremen, rot = Vereinigung der Fremden Freiheitsbr�der, schwarz = Gesellschaft der rechtschaffenen fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen, schwarz + Nadel "VFD" = Vereinigung der Freien Vogtl�nder Deutschlands.

Arbeiter, Melker, Wirtshausgehilfin, Futtersmann und Chausseew�rter waren weder b�rgerlich noch "ehrbar", nach 1810 hatte das aber rechtlich nichts mehr zu bedeuten.

Gr��e vom Niederrhein,
G�nther (B�hm)