[Fortsetzung zu Begriff "Dreschg�rtner"; Auszug aus Klaus Kunze, Das
schlesische Dorf Klein Ellguth "Oel�nischen Creyses", K�ln 2000, S. 85 f.]
"�ber das beschwerliche und entbehrungsreiche, bei sparsamster Lebensf�hrung
aber doch wohl ertr�gliche Dasein der mittelschlesischen Dreschg�rtner in den
letzten Jahrzehnten des achtzehnten Jahrhunderts gibt es einzelne
zeitgen�ssische Berechnungen, welche ebenfalls in der gro�en Kr�nitzschen
Enzyklop�die enthalten sind [Johann Georg Kr�nitz, Oekonomisch-technologische
Encyklop�die, Sechs und vierzigster Theil, Berlin 1789, S. 295-333]. -
Es finden sich hier sehr weitschweifige und umst�ndliche, zum Teil auch
widerspr�chliche Berechnungen verschiedener Autoren mit oft stark kontroversen
Kosten-Nutzen-Analysen. Unterschiedliche Bewertungen erfahren vor allem zwei
Fragenkomplexe: 1.) Bringt der se�hafte Dreschg�rtner oder das angemietete
Gesinde mehr Nutzen f�r die Grundherrschaft? 2.) Hat der Dreschg�rtner aus
seinem besonderen Verh�ltnis zur Grundherrschaft mehr Nutzen (als er verdient)
oder mehr Lasten (als er ertragen kann)? Wir wollen uns hier auf einige der
wichtigsten als Durchschnittswerte ermittelten Ergebnisse in stark verk�rzender
und vereinfachender Weise beschr�nken:
Der gew�hnliche Dreschg�rtner hatte Einnahmen sowohl aus seiner eigenen
Wirtschaft als auch aus der Wirtschaft seines Grundherrn.
Von seinem eigenen Morgen Acker und von seinem Hausgarten mochte er Roggen,
Hafer und Gerste f�r 11 Reichsthaler, Stroh f�r 6 Reichsthaler und Obst und
Gem�se f�r 2 Reichsthaler ernten. Seine beiden K�he und sein Federvieh konnten
ihm 6 Reichsthaler einbringen.
Aus seiner eigenen Wirtschaft konnte er daher j�hrlich etwa ungef�hr
25 Reichsthaler erzielen.
Von der Grundherrschaft erhielt der Dreschg�rtner an Lohn f�r das Dreschen des
herrschaftlichen Getreides 14 Reichsthaler, 1 Silbergroschen und 3 Pfennige.
Sein Lohn f�r das Grashauen und f�r allerlei sonstige Arbeiten f�r die
Herrschaft betrug 6 Reichsthaler und 21 Silbergroschen; die sogenannten
Weibertage (Tage, an denen sein Weib oder seine Magd auf dem Dominium
arbeiteten) brachten ihm nochmals 3 Reichsthaler und 6 Silbergroschen ein.
An barem Geld verdiente er daher j�hrlich im Durchschnitt 24 Reichsthaler,
8 Silbergroschen und 3 Pfennige.
Au�erdem wurde er durch gewisse Nutzungen und Anteile an dem geernteten
herrschaftlichen Getreide entsch�digt. Der Wert des Weizenanteils (-deputats)
betrug 8 Reichsthaler und 10 Silbergroschen, seines Roggenanteils
12 Reichsthaler, 22 Silbergroschen und 6 Pfennige, seines Gersteanteils
4 Reichsthaler und 6 Silbergroschen, seines Haferanteils 5 Reichsthaler,
11 Silbergroschen und 3 Pfennige. F�r die Erbsen vom herrschaftlichen Brachfeld
sparte er 1 Reichsthaler, f�r die Hirse 15 Silbergroschen, und der Wert des ihm
zustehenden Strohs betrug 14 Reichsthaler.
Der Gesamtwert seiner Nutzungen und Anteile belief sich daher j�hrlich auf
durchschnittlich 46 Reichsthaler, 4 Silbergroschen und 9 Pfennige.
Der Dreschg�rtner konnte also mit einer Jahreseinnahme von rund 95 Reichsthalern
rechnen.
Demgegen�ber mu�te er j�hrlich f�r Grundzins, Ackerlohn, Grasegeld und an
H�hnern und Eiern 2 Reichsthaler und 10 Silbergroschen, an Spinnlohn (sofern
sein Weib nicht selbst spinnen durfte) 20 Silbergroschen, an Steuern
3 Reichsthaler, an Lohn und Kost f�r seine Magd 20 Reichsthaler und
24 Silbergroschen sowie an Gemeindekosten und Hirtenlohn 15 Silbergroschen
aufbringen. F�r Holz mu�te er 3 Reichsthaler und f�r Salz 1 Reichsthaler und
14 Silbergroschen bereithalten.
Der Dreschg�rtner mu�te folglich mit einer festen Jahresausgabe von rund
31 Reichsthalern rechnen. Es verblieben demnach ihm und seiner Familie zu
sonstigem Unterhalt etwa 64 Reichsthaler.
Was konnte er mit diesen 64 Reichsthalern anfangen? - Ein Paar M�nnerstiefel
kostete 2 1/3 Reichsthaler, ein Paar Weiberschuhe 1 Reichsthaler und ein Paar
Kinderschuhe 1/3 Reichsthaler. Angenommen, unser Dreschg�rtner hatte f�nf
Kinder, dann gab er allein f�r Schuhe ein Zw�lftel seiner Jahreseinnahme aus.
F�r einen Zippelpelz (Mantel aus Schaf-Fell, dessen wollige Seite nach au�en
getragen wurde) mu�te er 3 1/3 Reichsthaler berappen. Das Schulgeld f�r seine
f�nf Kinder betrug 1 2/3 Reichsthaler; und so ging es immer fort mit den
Ausgaben: f�r Fleisch und Bier, f�r T�pfe und Sch�sseln, f�r den Schmied, f�r
die Hebamme, f�r den Arzt; und die 64 Reichsthaler waren, ach, viel zu schnell
dahin, dahin!
Die Dreschg�rtner mu�ten sich also wohl stark bescheiden, wenn sie �berleben
wollten. Und ob es dem Freig�rtner so sehr viel besser ging, ist sehr die Frage
und hing sicherlich von den jeweiligen n�heren Umst�nden ab, �ber welche die
Statistiken gew�hnlich nicht viel verraten...
...Die einzelnen L�hne und Preise sind in der Enzyklop�die im verschiedenen
M�nzeinheiten angegeben auch in Gulden und Kronen. Zur besseren Vergleichbarkeit
ist in unserem Text alles in Reichthalern berechnet; 1 Reichsthaler entsprach 30
Silbergroschen zu je 10 Pfennigen."