Guten Abend Hans-Juergen,
die richtige Schreibweise des Schiffsnamens ist WALDTRAUT HORN, mit
einem "D" im Vornamen.
In H.-J. Aberts Werk "Die deutsche Handelsmarine 1871-2000" fand ich
den Lebenslauf des Schiffes und auch einen zeitlichen Hinweis zur
moeglichen Ankunft in Caracas und eine Antwort auf die Frage, ob dieses
Frachtschiff auch Passagiere befoerdert hat.
MS "PRESIDENTE GOMEZ" - Rufzeichen: RHFW-DIEQ
15.11.1928/25.4.1929, gebaut bei F. Schichau, Elbing (Baunr. 1200)
3995/2397 11318/6791 5200/4674/4600
Abmessungen: 95,73 x 14,85 x 8,45/9,19 m
1 Motor Gleichdruck 2Te 5x680/1200 - 2500 PSe
Besatzung: 41 (Passagiere: 30)
26 4.1929 "Presidente Gomez", Indienststellung fuer Reederei Heinr.
Christ. Horn, Hamburg (DEU).
8.1.1936 umbenannt in "Waldtraut Horn".
25.8.1939 auf der Heimreise Cartagena/Kolumbien nach Hamburg, 6.9.1939
unter Tarnung schwedisch MS "Trantah" an Hamburg ueber das
Sognefjord/Norwegen.
11.9.1939 "Waldtraut" Westindisches Schiffahrts Kontor, Hamburg.
1940 Kriegsmarine- Hilfssperrbrecher "A"/ 1.Spbr. Grp. (17.5.1940 i.
D./U Blohm & Voss)-1. Spbr. Flott. (1.7.40)- Sperrbrecher "A" (1.9.40).
21.9.1940 "Waldtraut Horn" wie 1936. -3. Spbr. Flott.
15.11.40-Sperrbrecher "24" (1.10.41/U Antwerpen und Burmeister & Wain).
Mai 1945 in Kiel. Juni 1945 Deutscher Minenraeumdienst (GMSA - German
Minesweeping Administration)
17.1.1946 in Kiel an Russland abgeliefert.
25.2.1946 "Kushka" Russische Marine- Sperrbrecher (RUS).
1952 "Kuschka" Volksmarine (EG). 1953 "Kushka" Russische Marine.
1974 Hotelschiff "PKZ-207"
1984 gestrichen und 1984/85 Abbruch.
Die Reederei H.C. Horn betrieb nach dem 1. Weltkrieg einen
erfolgreichen Liniendienst zwischen Europa und Mittelamerika/Karibik.
Anders als in den Fahrtgebieten nach Nord- und Suedamerika war das
Passagieraufkommen in diesem Fahrtgebiet sehr begrenzt.
Geschaeftsleute, Ingenieure, Techniker und deren Familien waren die
Klientel, seltener wurden Touristen oder Auswanderer befoerdert.
Die genaue Reiseroute und dert Fahrplan des Schiffes werden sich
wahrscheinlich nicht mehr recherchieren lassen, man kann sich dem
Ankunftsdatum in Caracas nur rechnerisch naehern.
Laut Abert soll sich das Schiff am 25.08.1939 bereits auf der Heimreise
nach Hamburg befunden haben, trotz des Umwegs noerdlich um England und
die Faeroer-Inseln herum und ueber Norwegen soll das Schiff bereits 12
Tage spaeter in Hamburg eingetroffen sein (Anm. von mir: am 24./25.08.
erging ein codierter Funkspruch an die deutschen Handelsschiffe auf
See, in welchem der Kriegsausbruch angekuendigt wurde und die Schiffe
aufgefordert wurden, schnellstmoeglich nach Deutschland
zurueckzukehren, wenn ihnen dieses binnen 5 Tagen moeglich ist oder
einen Hafen in einem neutralen Staat anzulaufen).
Die WALDTRAUT HORN befand sich am 25.08. sicher mitten auf dem
Atlantik, weder haette sie Deutschland noch einen neutralen Hafen
binnen der 5-Tage-Frist erreichen koennen. Daher mag sich die
Schiffsfuehrung sicher gleich fuer den Durchbruch und die Fahrt um
England herum entschieden haben.
Nehmen wir also an, das Schiff waere 7 Tage zuvor von Cartagena
abgefahren, dann war das der 18.08. gewesen. Liegezeit in Cartagena 5-7
Tage, dann waere das frueheste Ankunftsdatum dort der 11.08. gewesen.
Kam das Schiff direkt aus Caracas (Reisezeit 2 Tage), dann waere es
dort am 09.08. abgefahren. Angenommen, das Schiff hat auch dort 5-7
Tage verbracht, dann waere der frueheste Ankunftstermin in Caracas am
02.08. gewesen.
Nach Bremen hat das Schiff sicher noch weitere europaeische Haefen
angelaufen. Sicher erscheint mir hier Rotterdam, weil das heutige
Surinam (frueher: Niederlaendisch-Guayana) und die Niederlaendischen
Antillen auf der Reiseroute des Schiffes lagen. Boulogne-sur-Mer oder
Le Havre in Frankreich sind auch wahrscheinlich, weil auch
Franzoesisch-Guayana und die franzoesischen Antilleninseln (Guadeloupe,
Martinique) an der Strecke lagen. Am 26. oder 27.06.1939 ist das Schiff
von der europaeischen Kueste weggefahren, hatte diverse kurze
Zwischenstopps in der Karibik und an der Nordkueste Suedamerikas (zum
Loeschen der Fracht aus den Niederlanden und Frankreich) und hat am
Ende die fuer Deuschland bestimmte Rueckladung mehrheitlich in Caracas
und Cartagena geladen.
Wollte man den Ankunftszeitraum auf 14 Tage eingrenzen, wuerde ich
diesen in der Zeit zwischen dem 20.07. und 03.08.1939 sehen.
Die Reederei H.C. Horn ging in den 1970er Jahren Pleite. Das
Unternehmen verlor im 2. Weltkrieg nicht nur alle Schiffe, obendrein
bekam das Kontor in Hamburg auch noch einen Bombenvolltreffer ab.
Sprich: ein Unternehmsarchiv, welches die 1930er Jahre beinhaltet,
existiert nicht mehr.
Mit freundlichem Gruss
Malte Witt