Das Ostpreußenblatt, September 1955, Folge 37, Teil 2

Seite 8 Manfred wurde hinter Stacheldraht geboren. Zwei Ostpreußen trafen sich im Eismeer-Arbeitslager. Foto: Eva Hoffmann mit dem zweijährigen Söhnchen Manfred und dessen Vater Karl Schwarz
Hinter dem Stacheldraht des sowjetischen Arbeitslagers Iosser im Workuta-Gebiet am Nördlichen Eismeer wurde der kleine ostpreußische Junge Manfred am 22. August 1953 geboren. Seine Mutter, die 29jährige Eva Hoffmann, und sein Vater, der 45jährige Karl Schwarz, die beide aus Königsberg stammen und in die Zwangslager der Sowjetunion verschleppt worden waren, trafen jetzt zusammen mit einem Russlandheimkehrer-Transport im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen ein. Ihr größter Wunsch ist, die in Russland versagte Trauung auf dem schnellsten Wege nachzuholen.
Es war im Jahre 1952, als sich diese beiden Königsberger zufällig im selben Lager trafen. Als sie, die sich bis dahin nicht gekannt hatten, zum ersten Male miteinander sprachen, stellten sie fest, dass sie nur einige hundert Meter voneinander entfernt in Königsberg gewohnt haben, sie in der Steinmetzstraße 29, er in der Boyenstraße. Sie stellten weiterhin fest, dass sie beide 1947 aus den gleichen Gründen verhaftet, verurteilt und verschleppt worden waren.

Eva Hoffmann wollte auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle der zu Hause hungernden kranken Mutter einige Kartoffeln mitbringen, die sie auf einem Felde aufgelesen hatte. Sie wurde dabei gefasst, und sie hat bis heute ihre Mutter nicht wieder gesehen. Acht Jahre sind es jetzt her. Von der Straße weg wurde sie verhaftet, und verschleppt. Daheim wartete die kranke Mutter vergebens.

Erst im vergangenen Jahr gelang es Eva Hoffmann, über das Deutsche Rote Kreuz mit ihren Eltern, die inzwischen ausgesiedelt und in Ippinghausen bei Kassel gelandet waren, Briefverbindung aufzunehmen. Heimkehrer, die nach Hause fahren durften, nahmen die Post von ihr aus dem Lazarett Iosser mit nach Moskau und gaben sie dort auf. Das war die einzige Möglichkeit. Briefe von Deutschland aber kamen nie an. Die beiden Ostpreußen Eva Hoffmann und Karl Schwarz hatten sich hinter Stacheldraht kennen und lieben gelernt. Eine Trauung wurde untersagt, da sie beide keine amtlichen Papiere hatten. Woher auch? Aber jetzt will diese Familie, die gemeinsam Not und Entbehrung und Heimweh getragen hat, bei Evas Angehörigen bei Kassel auch vor dem Gesetzt eine Familie werden.

Seite 9 Ostpreußische Jungen pflegen Gräber. Klaus Ginsky arbeitete auf dem Gefallenenfriedhof von Lommel
Sechs Wochen lang arbeiteten drei ostpreußische Jungen zusammen mit 32 Kameraden aus dem schleswig-holsteinischen Jugendaufbauwerk auf dem riesigen, achtzehn Hektar großen deutschen Soldatenfriedhof von Lommel in Flandern. Die drei jungen Ostpreußen, Klaus Ginsky, aus Fischhausen, er wohnt jetzt in Marne, Lothar Goyke und Klaus Lunkeit, bei wohnen in Burg, hatten mit ihren Kameraden in Lommel die Gräber von 37 500 deutschen Gefallenen mit Erika bepflanzt und an der Planierung der breiten Wege durch das große Gräberfeld gearbeitet. Lothar Goyke und Klaus Lunkeit sind mit einem neuen Lehrgang des JAW-Burg auf Fahrt gegangen. Klaus Ginsky lebt wieder bei seinen Eltern in Marne; er will eine kaufmännische Lehre beginnen. Wir sprachen mit einem sechzehnjährigen Klaus über seine Erlebnisse in Belgien.

Wilhelm Wittorf? Der langaufgeschossene Junge im blauen Arbeitsanzug legt den Spaten beiseite. Er starrt auf das weiße Steinkreuz mit dem Namen. Wilhelm Wittorf? Er wiederholt den Namen. In seine blauen Augen tritt ein nachdenklicher Ausdruck. Wie gebannt starrt Klaus Ginsky auf das Kreuz, unter dem auf dem Gräberfeld von Lommel ein deutscher Soldat ruht. Es trägt einen Namen, der ihm so bekannt vorkommt. Mit großen Schritten geht Klaus durch die Reihen der vielen Gräber zum nächsten Block. Dort arbeiten seine Kameraden, mit denen er aus Burg in Dithmarschen für sechs Wochen zur Arbeit auf diesen deutschen Heldenfriedhof kam. Er liegt in der Nähe des Städtchens Lommel zwischen Brüssel und Gent.

Suchend sieht sich der Junge um. Wilhelm, komm doch mal her! Ruft er einen seiner Kameraden an, der mit einer Schubkarre voller Grassoden den breiten Sandweg überquert. Wilhelm, ganz atemlos stößt der blonde Klaus den Namen seines Kameraden hervor, Wilhelm, ist dein Vater nicht im letzten Krieg gefallen? Der Kamerad an der Schubkarre nickt. Er sieht seinen Freund verwundert an. Wilhelm Wittorf kann sich an seinen Vater kaum noch erinnern. Er weiß noch, dass eines Tages vor elf Jahren die Mutter ihn vom Spielen auf der Straße ins Haus rief, dass sie ihn in den Arm nahm, dass sie Tränen in den Augen hatte und ihn fest an sich drückte. Ein Brief war gekommen. Der Kompanieführer hatte geschrieben, dass der Vater in den Kämpfen an der Westfront vermisst worden sei. Wilhelm war damals vier Jahre alt; er verstand nicht viel von all dem, was um ihn herum vor sich ging. Den Vater kannte er kaum.

Und jetzt die Frage des Kameraden. Komm mal mit, sagt Klaus. Weilhelm lässt die Karre mit den Grassoden stehen. Langsam gehen die beiden Jungen durch die langen Gräberreihen. Vor einem Kreuz, das genau so aussieht wie all die 37 500 anderen auf diesem riesigen Totenfeld, bleiben sie stehen. Stumm deutet Klaus auf den Namen am Kreuz. Wilhelm Wittorf, liest der Kamerad. Tränen treten in die Augen des Jungen. Er kann es nicht fassen, dass unter dem schmalen Sandhaufen sein toter Vater liegen soll.

Klaus Ginsky hat sich abgewendet. Er nimmt sieder seine Schaufel zur Hand. Verstohlen beoachtet er seinen Freund, der am Grabe steht und auf den weißen Stein starrt und dem die Tränen über die Wangen laufen.

Eine Woche später trifft ein Brief von Frau Wittorf aus Burg ein. Vater fiel im Osten, steht darin. Das erfuhr ich nach dem Krieg vom Roten Kreuz. Aber vielleicht ist das alles falsch. Der Brief des Hauptmanns kam doch aus dem Westen. Vielleicht ist es doch das Grab von Vater, das du in Lommel gefunden hast.

Die amtlichen Stellen haben sich eingeschaltet. Noch heute wissen viele Frauen nicht, an welchem Frontabschnitt ihre Männer und Söhne ihr Leben ließen. Das Rote Kreuz und die Kriegsgräberfürsorge werden auch im Fall Wilhelm Wittorf alles tun, um der Frau und dem Sohn Gewissheit zu geben.

Von Fischhausen bis Lommel
Es war kein Zufall, dass Klaus Ginsky im Samland zur Arbeit auf den Heldenfriedhof von Lommel geschickt wurde. Er war in das schleswig-holsteinische Jugendaufbauwerk (JAW) eingetreten, in dem viele Jugendliche ohne Lehrstellen in einer festgefügten Gemeinschaft leben und mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt werden.

Am 5. April 1955 kommt Klaus in das Heim des JAW in Burg Dithmarschen. Am 13. April 1955 erfährt er, dass von seinem Lehrgang fünf Jungen nach Belgien fahren werden. Dort sollen sie für den Volksbund für Kriegsgräberfürsorge auf einem der deutschen Gefallenenfriedhöfe für ein paar Wochen arbeiten. Klaus meldet sich sofort. Er befindet sich unter den fünf Jungen, die in Burg ausgesucht werden und an dieser Fahrt teilnehmen sollen. Zwei ostpreußische Kameraden sind ebenfalls dabei. Lothar Goyke aus Groß-Holstein bei Königsberg und Klaus Lunkeit aus Cranz.

Am 16. Mai 1955 fahren die 35 Jungen, die aus den Jugendaufbauwerken in Schleswig-Holstein ausgesucht wurden, mit einem großen Sonderomnibus nach Belgien. Sie überschreiten die holländische Grenze, kommen in die Grafschaft Brabant, sehen das flache, niederländische Land, die vielen Kanäle und die zahlreichen Windmühlen und treffen mitten in der Nacht in Flandern ein. In der Scheune eines Bauern ist das erste Nachtquartier in Belgien vorbereitet. Am anderen Tage geht die Fahrt weiter bis nach Lommel. Drei Kilometer hinter der Stadt erblicken die Jungen das gewaltige Gräverfeld. Auf einem hochragenden Stein in der Mitte des Friedhofs brennt in einer großen Erzschale ein ewiges Feuer.

Bald ist der Platz erreicht, wo die Jungen für die nächsten sechs Wochen ihre Zelte aufschlagen. Das Lagerleben beginnt. Doch es will keine rechte Fröhlichkeit aufkommen. Die Nachbarschaft des großen Friedhofs verbietet jedes unbekümmerte fröhliche Spiel.

Immer wieder Gräber von unbekannten Soldaten
Schon am nächsten Morgen begannen wir mit unserer Arbeit, berichtet Klaus. Wir wurden in Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe blieb im Lager und machte Innendienst. Wir anderen gingen auf den Friedhof. Dort empfingen uns unsere belgischen Vorarbeiter. Sie waren sehr freundlich. Alle Vorarbeiter auf dem Friedhof von Lommel waren Flamen. Wir konnten sie recht gut verstehen.

Die Arbeitsgruppen des JAW hatten die Aufgabe, Planierungsarbeiten zu machen und Gräber mit Erikastauden zu bepflanzen. Immer noch, so erzählt Klaus, werden Gräber von Lommel gefunden. Die werden dann vorsichtig geöffnet. Die Toten bringt man auf den Heldenfriedhof. Dort werden sie in den langen Gräberreihen der 53 Blocks beigesetzt.

Es ist nicht immer leicht, die Toten zu identifizieren. Belgische Stellen arbeiten hierbei eng mit dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge zusammen.

An Sonntagen, wenn Autobusse aus Deutschland mit Besuchern kamen, haben wir die Frauen, Mütter und Väter an die Gräber ihrer Gefallenen geführt. Ich war fast immer als Führer der Besucher tätig, denn ich kannte den Friedhof recht gut, und ich habe manches Grab, das schon einzufallen begann, wieder aufgeschüttet. Wir besuchten aber auch die Städte in der Nähe. Auf den Besuch von Brüssel hatte ich mich so sehr gefreut.

In Brüssel verhaftet
Brüssel enttäuschte die Jungen. Brüssel ist ja viel kleiner als Hamburg, und ich habe immer gedacht, Brüssel ist als Hauptstadt des Landes sehr groß. Die belgischen Vorarbeiter auf dem Freidhof haben mir das auch erzählt. Aber schön ist die Stadt doch. Viele alte Bauwerke und schöne Brunnen gibt es dort.

In Brüssel haben wir auch herzlich gelacht, und das kam so: Da hat doch ein belgischer Polizist den Lothar Goyke verhaftet. Wir hatten uns zum Einkaufen getrennt. Als wir uns wieder sammelten, war der Lothar nicht da. Unser Leiter suchte in allen Hauptstraßen, und wir marschierten mit und suchten auch. Von Lothar aber war nichts zu sehen. Da ging dann unser JAW-Leiter zur Polizei. Dort saß der Lothar auf der Wache und machte ein sehr niedergeschlagenes Gesicht.

Ein Polizist hatte ihn angehlaten und ihm auf Französisch erklärt, dass er ejtzt nicht über die Straße gehen dürfe. Lothar hatte zwar aufmerksam zugehört, aber kein Wort verstanden. Der Polizist fuchtelte mit den Händen in der Luft herum und wurde ärgerlich. Der Lothar hat dann ein paar deutsche Worte gemurmelt und ist einfach weitergegangen. Da hat ihn der Belgier kurzerhand am Kragen gepackt und zur Wache mitgenommen.

Hier redeten alle lebhaft auf den Jungen ein. Man durchsuchte ihn, und als die Polizisten keinen Paß bei ihm fanden, war er noch verdächtiger geworden. Unser Betreuer konnte die ganze Geschichte aufklären und auch unseren Sammelpaß vorzeigen. Da haben sich dann die Polizisten sehr höflich entschuldigt und Lothar immer wieder die Hand geschüttelt. Lothar aber war der Schreck in die Glieder gefahren. Er hatte sich schon im belgischen Gefängnis hinter Gittern gesehen.

In Fischhausen arbeiten
Nur zu schnell vergingen die sechs Wochen in Belgien. Schon bald nach dem Besuch in Brüssel bestiegen die Jungen wieder ihren Autobus und fuhren nach Burg zurück. Klaus wartet nun auf den Umzug nach Kiel, damit er seine Lehre antreten kann. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die er bei der Arbeit in Lommel gewonnen hat, möchte er nicht mehr missen. Seine große Sehnsucht aber zieht ihn nach Ostpreußen. Für die Rückkehr dorthin würde er gern auf alle zukünftigen Auslandsreisen verzichten. Belgien kenne ich ja nun, sagt er, aber von Ostpreußen weiß ich nichts mehr. Das ist doch sehr traurig. Ich würde schon gerne in Fischhausen arbeiten, nicht nur für sechs Wohen wie beim JAW in Lommel, sondern mein ganzes Leben lang. Meinen Sie, dass das einmal möglich sein wird?

Foto: In unübersehbaren Reihen stehen die weißen Kreuze auf dem deutschen Gefallenenfriedhof in Lommel in Belgien. 37 500 deutsche Soldaten liegen hier unter den mit Heidekraut bewachsenen Graghügeln. Drei ostpreußische Jungen arbeiten dort sechs Wochen lang unter der Leitung flämischer Vorarbeiter
Foto: Nach der Ankunft in Lommel werden am Waldrand neben dem großen Friedhof die Zelte für die 35 Jungen aufgebaut.
Foto: Klaus Ginsky (zweiter von rechts auf unserem Bild) arbeitet mit den Kameraden seiner Gruppe auf einem der breiten Wege, die durch den Friedhof in Lommel führen.
Foto: Für 35 Jungen Stullen zu machen, ist keine Kleinigkeit. Jetzt habe ich erst gesehen, wie schwer meine Mutter für uns immer arbeiten muss, sagt unser junger Landsmann Klaus Ginsky (links auf dem Bild)

Seite 9 Ein Ferngespräch mit Wartenburg
In diesen Tagen gab es in der Adler-Drogerie in Stadtoldendorf, einer kleinen Stadt in den Weserbergen im Kreise Holzminden, am frühen Morgen eine nicht geringe Aufregung. Dem Inhaber der Drogerie, unserem Landsmann Rudolf Czichowski, wurde vom Fernsprechamt vorbereitend mitgeteilt, er hätte im laufe des späten Abends, so etwa nach 21 Uhr, ein Telefongespräch, ja, und hier begann dann die Welle der Erregung, die den Tag über unseren Landsmann nicht mehr zur Ruhe kommen ließ, er hätte einen Anruf aus Wartenburg zu erwarten, ja, es stimmte, wie er es gehört hatte: Wartenburg in Ostpreußen.

Unser Landsmann Czichowski, der sich in rastloser Arbeit in dem kleinen Weserstädtchen eine gut gehende Drogerie eingerichtet hat, die sich bei allen seinen Kunden des besten Rufes erfreut, ist gebürtiger Wartenburger, ein Vertriebener, der erst nach 1945 in den Kreis Holzminden kam. In seiner Heimatstadt Wartenburg lebt noch eine Schwester, deren Mann, früher Direktor einer ländlichen An- und Verkaufsgenossenschaft, heute die Leitung des Wasserwerkes in der Stadt nicht weit von Allenstein in Händen hat.

Von Wartenburg also sollte nun am Abend ein Gespräch über den Draht seinen Weg bis in das Weserland, bis nach Stadtoldendorf finden. Das Ungewöhnliche des Ereignisses begegnete zunächst noch gewissen Zweifeln und einem Misstrauen, ob tatsächlich und dann wie ein solches Gespräch zustande kommen würde. Aber pünktlich, nur wenige Minuten nach 21 Uhr, meldete sich das Fernamt und verband die Adler-Drogerie in Stadtoldendorf mit der Schwester ihres Inhabers in Wartenburg in Ostpreußen.

Die Spannung des Tages, die freudige Erregung hüben und drüben in der Minute, in der sich endlich nach Jahren und Jahren die vertrauten Stimmen zueinander finden konnten, war gewiss nicht gering. Was sprachen sie denn nun, die Verwandten, miteinander? Ach, es war nur das Einfahste, das Menschlichste, wie man begreift. Zu langen Erörterungen war weder die innere Ruhe vorhanden noch wollte man auch mehr als nur die Stimme vernehmen, die so lange, durch alle die Jahre, hatte schweigen müssen.

Es war ein Lebenszeichen, ein stärkeres noch, als es ein Brief oder eine Karte, als es geschriebene Worte zu sein vermögen; denn diese bleiben starr, aber in der Schwingung der Stimme teilt sich der Atem des Lebendigen mit Acht Minuten, ja, noch länger, währte das Gespräch zwischen Wartenburg bei Allenstein und Stadtoldendorf im Kreise Holzminden. Unser Landsmann hat seine Schwester und ihren Mann wohl sehr gut, in der technischen Übermittlung, verstanden, doch hatte er den Eindruck, dass er drüben, in Wartenburg, nicht genau so gut zu verstehen war.

Wie dem auch sei: die Freude, die geliebten Stimmen von menschen, die einem nahe stehen, aus der Heimat zu hören, war groß, und wir begreifen sie. Doch wir werden sehr nachdenklich, wenn wir feststellen müssen, dass es heute, im Jahe 1955, ein so außerordentliches Ereignis ist, wenn Ostpreußen mit Ostpreußen auf diesem Wege sprechen können. Wir werden erst dann wieder ruhiger atmen und zufrieden sein können, wenn es nichts so seltenes zu bedeuten hätte, falls einmal ein Ostprueßen, der wieder, in Wartenburg oder in irgendeiner anderen Stadt in unserer Heimat lebt, einen Verwandten zum Beispiel im Kreise Holzminden mit einem Ferngespräch erreichte, zu dem es nicht zuvor erst einer ganztägigen Anmeldung bedürfte. Das war führer nichts Außerordentliches, früher, als wir alle noch in unserer Heimat saßen und als nirgends durch Deutschland ein Eiserner Vorhang oder irgend eine Grenze ging, die Willkür und Gewalt gezogen hatten.

Seite 10 Wir warten auf Trampedank. Zum sechzigten Geburtstag von Martin Borrmann
Am 10. September 1955 wird der Trampedank-Vater, der im ostpreußischen Rößel geborene Pfarrersohn Martin Borrmann (mit zwei r), der in Berlin lebt, sechszig Jahre. Wir wünshen ihm und uns die Vollendung des Romans. (Der ganze Bericht ist in dieser Ausgabe des Ostpreußenblattes nachzulesen)

Seite 10 Tapfer und fröhlich. Zu Walter Schefflers 75. Geburtstag am 15. September 1955 (Foto)
Geboren wurde Walter Scheffler in Königsberg Sackheim. Den gesamten Bericht können Sie in dieser Ausgabe des Ostpreußenblattes nachlesen.

Seite 13 Wir gratulieren

Zum 91. Geburtstag
Am 4. September 1955, Frau Wilhelmine Schneider aus Köskeim, Kreis Angerapp, jetzt wohnhaft in der sowjetisch besetzten Zone bei ihrer Tochter. Sie ist zu erreichen über Erich Klein, Hannover-Bothf., Sutelstraße 64

Zum 89. Geburtstag
Am 15. September 1955, Frau Amalie Girrulat, geb. Krauledat, aus Kiesdorf, Kreis Schloßberg, jetzt wohnhaft in Nordsehl über Stadthagen

Zum 88. Geburtstag
Am 9. September 1955, Frau Martha Roese, geb. Brausewetter, aus Pakamonen, Kreis Heydekrug, jetzt wohnhaft in Kelheim, Donau, K. 163

Zum 87. Geburtstag
Am 13. September 1955, Witwe Auguste Eckloff, geb. Venohr, aus Waltersdorf, Kreis Heiligenbeil. Sie wohnt jetzt bei ihren Kindern in Heiligenmühle, Kreis Hersfeld, Hessen

Zum 86. Geburtstag
Am 14. September 1955, der Witwe Maria Lenz aus Weszeningken, Memelland, jetzt bei ihrer Nichte in Essen-Ruhr, Kaiserstraße 29

Am 14. September 1955, Frau Elisabeth Boeckel aus Klein-Schönau, jetzt in (24a) Hetlingen über Wedel, Holstein

Zum 85. Geburtstag
Am 5. September 1955, Frau Anna Fiukowski, geborene Petrat, aus Gumbinnen, Moltkestraße 8, jetzt wohnhaft bei ihrer Tochter Hertha in Neustadt, Holstein, Kreienwedder 13

Am 10. September 1955, der Lehrerwitwe Olga Dannöhl, geb. Knorr, aus Rastenburg, jetzt bei ihrer Tochter Johanna Schroeder, Twielenfleth Nr. 100, bei Stade

Am 11. September 1955, der Witwe Mathilde Neumann, geb. Zander. Sie wohnt jetzt bei ihrem Sohn Harry in Dortmund in Westf., Kurze Straße 1

Am 14. September 1955, dem Rentner Leopold Newiger aus Tilsit, jetzt wohnhaft bei seinem Sohn Hans in Wanderun, Kreis Felnsburg

Zum 84. Geburtstag
Am 10. September 1955, Baumeister Gustav Springer aus Osterode, jetzt bei seiner jüngsten Tochter in Waltrop i. W., Leveringhauser Straße 21

Zum 83. Geburtstag
Am 30. August 1955, Landsmann August Priebe aus Brandenburg, Kreis Elchniederung, jetzt im Altersheim Krempe/Holstein, Ahsbahstift, Stiftstraße 21

Am 4. September 1955, Frau Berta Dzienczuk, geb. Brandtner, aus Königsberg, Albertstraße 9, jetzt wohnhaft in Heiligenhafen, Kickut 3

Am 7. September 1955, Frau Amalie Brockmann aus Pillau II, Turmbergstraße. Sie wohnt jetzt bei ihrem Sohn Willy in Heide, Holstein, Fehrsplatz 33

Zum 82. Geburtstag
Am 2. September 1955, der Witwe Henriette Driese, verw. Becker, aus Wilhelmsbruch, Kreis Elchniederung, jetzt bei ihrer Tochter Helene Janssen, Möns bei Jever, Oldenburg, Schaulhaus

Zum 80. Geburtstag
Am 7. September 1955, Frau Katharina Philipp, geb. Balzer, aus Thyrau, Kreis Osterode. Sie wohnt heute noch in ihrer Heimat und ist zu erreichen über Johann Philipp, Lauenstein Nr. 62, Kreis Hameln-Pyrmont

Am 9. September 1955, dem Lehrer i. R. Anton Woelk aus Allenstein, Bismarckstraße 13, jetzt Kolenfeld über Wunstorf, Hannover

Am 10. September 1955, Frau Berta Gesien aus Heiligenbeil. Sie weilt zur Zeit bei ihrem Sohn Bruno, Hagen in Westfalen, Friedensstraße Nr. 6

Am 10. September 1955, dem Postbetriebsassistenten i. R. Friedrich Smolinski aus Osterode, jetzt mit seiner Ehefrau in Berlin-Neukölln, Saalestraße 32. Der Jubilar beteiligt sich rege an den Veranstaltungen des Heimatkreises Osterode, der herzlich gratuliert.

Am 11. September 1955, Frau Wilhelmine Korsch, geb. Naujoks, zuletzt in Perlswalde, Bahnhof, jetzt bei ihrer Tochter Marta in Dägeling über Glücksburg, Holstein

Am 12. September 1955, Frau Franziska Klomfaß, geb. Blazejewski, aus Klein-Kleeberg, Kreis Allenstein, jetzt bei ihrer Tochter Margarete Lerche, Lamspringe, Kreis Alfeld, Leine, Hildesheimer Straße 5

Am 12. September 1955, Frau Marie Minuth, geb. Schlingelhoff, aus Goltzhausen, Kreis Labiau, jetzt bei ihren Kindern in Willich bei Krefeld, Bahnstraße 25

Am 14. September 1955, Frau Marta Knappe, geb. Keßler, aus Tilsit, Stolbecker Straße 3. Sie wohnt jetzt bei ihrer Tochter Charlotte Mundorf, Radevormwald-Bergerhof, Elberfelder Straße 135

Am 14. September 1955, Oberst a. D. Walter Krieger vom Inf.-Rgt. Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz (6. Ostpr.) Nr. 43, jetzt Baden-Baden, Im Uckelgarten 4a

Am 16. September 1955, dem Kaufmann Karl West aus Königsberg, Weidendamm 7. Er wohnt jetzt bei seinem einzigen Sohn Gerhard in Dieringhausen-Brück, Marienhagener Straße

Zum 75. Geburtstag
Am 20. August 1955, Frau Anna Behrend, Besitzerin der Kochschule Behrend, aus Königsberg, Schönberger Straße 18, jetzt in Stanghack über Kappeln, Schlei, Kreis Flensburg

Am 6. September 1955, dem Mittelschulrektor Emil Schmischke aus Königsberg, jetzt wohnhaft in Hannover, Lönsstraße 21. Er hat bis 1945 die Mädchen-Mittelschule auf dem Kneiphof geleitet und war auch bis 1945 der Vorsitzende des mittelschullehrervereins Königsbergs. Ihm verdankte die Schule das Schullandheim Neuhäuser, Ostseebad, wo sich jede Klasse vierzehn Tage lang erholen konnte.

Am 9. September 1955, dem Revierförster a. D. Hoffmann aus Karnitten, Kreis Mohrungen, wo er über dreißig Jahre als Revierförster tätig war. Er wohnt jetzt in Rotenfels, Schwarzwald, Bismarckstraße 28

Am 9. September 1955, dem Postbetriebsassistenten a. D. Leopold Konopatzki aus Lyck, Danziger Straße 7, jetzt wohnhaft in Visselhövede, Hannover, Danziger Straße 7

Am 10. September 1955, dem Kaufmann und Gastwirt Ewald Scheffler aus Palleiten, Kreis Heydekrug, Memelgebiet, gegenwärtig in Hannover, Cranichstraße 1. Landsmann Scheffler entwickelte seinen Betrieb von 1908 bis zur Vertreibung zu einer bedeutenden Gaststätte, die insbesondere von Jägern und Forstbeamten bei Treib- und Pürschjagden in dem großen und wildreichen Jagdrevier Palleiten sowie bei Holzverkaufsterminen mit Vorliebe besucht wurde. Er war Gründer und Leiter der Freiwilligen Feuerwehr und viele Jahre hindurch Vorstandsmitglied des Raiffeisen- und Kriegervereins Palleiten.

Am 11. September 1955, Landsmann Max Schwartze aus Königsberg. Als Direktor und Betriebsführer der Thyssen Eisen und Stahl Aktiengesellschaft Königsberg war er in weiten Kreisen Ost- und Westpreußens bekannt. Landsmann Schwartze bekleidete trotz seiner starken beruflichen Beanspruchung mehrere Ehrenämter. So war er unter anderem Beiratsmitglied der Industrie- und Handelskammer Königsberg. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seit seiner Vertreibung lebt er mit seiner Ehefrau in Hamburg-Bergedorf, Am Bahnhof 21

Am 13. September 1955, dem Molkereibesitzer und Amtsvorsteher Friedrich Neumann aus Transsau, Kreis Samland, jetzt in München 15, Häberlstraße 19

Am 15. September 1955, Reichsbahnrat a. D. Robert Twardy aus Czarnen (Herzogsdorf) bei Arys, jetzt in Hannover I S 13, Brehmstraße 46

Am 15. September 1955, Frau Klara Krogoll aus Peterswalde, Kreis Osterode, jetzt Wöllmarshausen bei Göttingen Land.

Am 18. September 1955, Frau Käthe Mey aus Osterode, Kaiserstraße 13, jetzt wohnhaft in Frankfurt, Main, Liebigstraße 24

Seite 13 Dr. Karl von Buchka 70 Jahre alt
Der letzte Landrat des Kreises Goldap, Bundestagsabgeordneter Dr. Karl von Buchka, wird am 23. September 1955, 70 Jahre alt. Von 1921 bis 1932 war er Landrat des Kreises Kehdingen an der Niederelbe. Von dort aus kam er 1932 in gleicher Eigenschaft nach Goldap. Während seiner Amtstätigkeit in diesem ostpreußischen Kreise wurden mehrere Schulen und Kreisstraßen gebaut, und das Kreiskrankenhaus wurde vergrößert und neuzeitlich ausgestattet. Landrat Dr. von Buchka förderte den Zusammenschluss der privaten Forstbesitzer, was für die Waldwirtschaft von Vorteil war. Dokumentarischen Wert besitzt ein Heimatbuch, in dem er und Kenner der einzelnen Fachgebiete die Landschaft, die Geschichte und die Kulturleistungen im Kreise Goldap schilderten und würdigten. Während des Krieges verwaltete Landrat Dr. von Buchka auch zeitweise den Nachbarkreis Treuburg. Am Vortage des russischen Einfalls verließ er seinen Kreis; er stellte sich der Wehrmacht zur Verfügung. Seit Kriegsende wohnt er wieder im Lande Kehdingen, in Freiburg, wo er sich an führender Stelle für das Wohl seiner heimatvertriebenen Schicksalsgenossen einsetzt. 1953 wurde er als Abgeordneter der CDU in den Bundestag gewählt. Landrat Dr. von Buchka ist es mit zu verdanken, dass infolge seiner Beziehungen zu beiden Kreisen der aus dem Kreise Kehdingen hervorgegangene Landkreis Stade die Patenschaft für den Kreis Goldap übernommen hat.

Seite 13 Goldene Hochzeiten
Das Fest der Goldenen Hochzeit begehen am 15. September 1955, der Kaufmann Johannes Weidlich und seine Ehefrau Maria, geb. Barteck, aus Memel, jetzt in Lütjenburg, Ostholstein, Bahnhofstraße 13. Beide Eheleute sind in Königsberg geboren und in der Altstädtischen Kirche von Superintendent Lackner getraut; sie waren von 1907 bis 1945 in Memel ansässig.

Am 9. September 1955, feierten der Lehrer i. R. Karl Ehmer und seine Ehefrau Amanda, geb. Kanpp, aus Rosenfelde, Kreis Gumbinnen, das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt jetzt in Coesfeld in Westfalen, Bahnhofstraße 24

Die Eheleute Franz und Auguste Roski aus Wormditt, vom-Stein-Weg 10, feierten am 22. August 1955 das Fest der Goldenen Hochzeit. Sie wohnen jetzt in Düsseldorf, Am Straußenkreuz 33a

Der Postbeamte Karl Böttcher und seine Ehefrau Minna, geborene Kinnigkeit, aus Haselberg (Lasdehnen), Kreis Schloßberg, feiern am 10. September 1955, das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt jetzt in Krefeld, Schrörstraße 24

Der Lehrer a. D. August Lenga und seine Ehefrau Therese, geb. Bogdan, aus Königsberg, Schrötterstraße 11, feiern am 16. September 1955, das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt jetzt in Dünsen über Harpstedt, Bezirk Bremen

Seite 13 Jubiläen und Prüfungen
Am 29. August 1955 feierte der Lokomotivführer Hermann Sperling aus Insterburg sein vierzigjähriges Dienstjubiläum bei der Deutschen Bundesbahn. Er war vor der Vertreibung aus der Heimat in Königsberg und Insterburg tätig gewesen. Nach 1945 nahm er auf dem Verschiebebahnhof in Bremen wieder seinen Dienst bei der Bundesbahn auf; er ist seit 1952 beim Bahnbetriebswerk Walle bei Bremen beschäftigt. Dem Jubilar, der sich im Kollegenkreis allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurden am Tage seines Jubiläums zahlreiche Ehrungen zuteil. Hermann Sperling wohnt in Grohn bei Bremen, Hermann-Fortmann-Straße 15

Günter Neumann aus Königsberg, Unterhaberberg 90, hat vor dem staatlichen Prüfungsausschuß an der Meisterschule für das gestaltende Handwerk in Flensburg die Prüfung als Raumtechniker abgelegt. Er wohnt jetzt in Kisdorf, Post Ulzburg, Kreis Segeberg