Das Ostpreußenblatt, Oktober 1955, Folge 43, Teil 1

Folge 43 vom 22.10.1955
Seite 1 Er durfte nicht schreiben. Hunderte von, staatenlosen, Ostpreußen in der sibirischen Taiga
In den Berichten über die Erklärungen der Heimkehrer in Friedland wird auch gesagt, dass zahlreiche Ostpreußen in der Sowjetunion zu, Staatenlosen, erklärt worden sind. Einmal hieß es, im November 1954 seien im Lager 22 Swerdlowsks achtzig Ostpreußen zu, Staatenlosen, gemacht und in ein anderes Lager gebracht worden. Wir haben in Friedland, Ostpreußen befragt, aber wir konnten weder bei ihnen noch bei anderen Heimkehrern aus dem Lager 22 Swerdlowsk irgendetwas Positives in dieser Richtung erfahren. Wir haben auch mit Ostpeußen gesprochen, die selbst im vergangenen Jahr in diesem Lager 22 gewesen sind und die noch Angehörige in Ostpreußen haben. Sie sagten aus, dass ihnen auf jeden Fall etwas bekannt sein müsste, wenn man Ostpeußen herausgezogen und zu Staatenlosen gemacht hätte; das hätte sich auch in den anderen Lagern um Swerdlowsk unter den Ostpreußen auf jeden Fall herumgesprochen.

Ein Heimkehrer sagte uns folgendes: Etwa vor einem Jahr sind von den Russen teilweise neue Karteikarten angefertigt worden, und auf diesen Stand dann vorwiegend bei Ostpreußen und anderen Ostdeutschen statt bisher, Kriegsgefangener, oder, Kriegsverbrecher, nunmehr, Deutscher Bürger. Diese Männer wurden nochmals eingehend verhört, wo ihre Angehörigen jetzt leben. Dabei sollen alle diejenigen, die als Heimat Orte in Ostpreußen angegeben haben, besonders registriert worden sein, und man hätte sie zu den in der Sowjetzone beheimateten Kriegsgefangenen gerechnet. Da sie dort aber auch kein Zuhause haben, können sie teilweise als Heimatlose oder Staatenlose bezeichnet worden sein. Keinesfalls kann es sich dabei aber um die achtzig Mann handeln, von denen gesagt wurde, dass sie im November 1954 abtransportiert worden seien. Das halten die Heimkehrer aus Swerdlowsk für ausgeschlossen.

Inzwischen sind weitere Erklärungen von Heimkehrern erfolgt, nach denen sich, staatenlose, Ostpreußen in der Sowjetunion befinden, und es ist nicht daran zu zweifeln, dass das auch tatsächlich der Fall ist. Gefangene aus dem Lager Karaganda (5110,38) erklärten, dort befänden sich noch elf Staatenlose, darunter auch sechs Ostpreußen. Ein in Friedland eingetroffener Physiker teilte mit, dass in einem Lager zwölf Deutsche zurückgeblieben sind, weil die Sowjets ihnen als Ostprueßen die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt hätte.

Dass tatsächlich Hunderte, staatenlose, Ostpreußen in der sibirischen Taiga leben, das berichtet jetzt der 27jährige Ostpreuße Harry Dittko, der am letzten Sonntag aus russischer Gefangenschaft im Lager Friedland eintraf. Harry Dittko hat niemals schreiben dürfen; er ist der erste der in diesen Wochen in Friedland eingetrofenen Heimkehrer, von dem keine Nachricht vorlag, der also als verschollen gelten musste. Am gleichen Tage kam noch ein zweiter Heimkehrer an, von dem ebenfalls kein Lebenszeichen in die Heimat gekommen ist, ein 52 Jahre alter Ingenieur. Harry Dittko erzählt, dass er im Gebiet der riesigen sibirischen Taiga viele Ostpreußen getroffen hat, die zu, Staatenlosen, erklärt worden sind.

Harry Dittko hat ein hartes Schicksal hinter sich. Auf der Flucht in seiner ostpreußischen Heimat, wurder er im März 1945 von den Russen festgehalten und verschleppt. Ein halbes Jahr lang musste er in verschiedensten Lagern im Baltikum arbeiten, bis er im November 1945 nach Tilsit flüchten konnte; dort wurde er von Deutschen aufgenommen. 1946 trieb ihn die große Hungersnot nach Litauen, wo er bis 1949 arbeiten und leben konnte. Zusammen mit dem aus dem Memelgebiet stammenden Mädchen Leni Jurkschat, das 1947 aus Deutschland in seine Heimat zurückgekehrt war, wollte er 1949 nach Westdeutschland; beide aber kamen nur bis Königsberg. Leni Jurkschat, die die sowjet-litauische Staatsangehörigkeit hatte, wurde wegen versuchten Landesverrats zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt, Harry Dittko wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat zu der gleichen Strafe. Im Gefängnis in Königsberg gebar Leni Jurkschat ein Kind. Sie wurde zusammen mit dem Säugling, nach Marschansk in Sibirien verbannt.

Harry Dittko kam 1950 in das Kolyma-Gebiet nach Sibirien, wo er als einziger Deutscher unter russischen Verbrechern, den berüchtigten Plotnoys, arbeiten musste. Erst Dezember 1951 traf er im Lager 18 Ustwim südlich Workuta eine deutsche Brigade mit verschleppten Deutschen. Im Mai 1952 kam er in das Lager 20, in dem etwa 1500 Deutsche, in der Hauptsache Zivilverschleppte, arbeiteten. Hier sagte ihm ein russischer Offizier, er habe 1946 von Insterburg aus einen Transport mit dreitausend deutschen Frauen in dieses Lager gebracht; von diesen Frauen sei über die Hälfte verstorben. Es seien darunter viele ostpreußische Frauen gewesen und solche, die aus dem Reich nach Ostpreußen evakuiert worden waren. Harry Dittko durfte nicht schreiben, auch nicht im Lager Sulikamp, in das er dann kam.

Ich regiere über die ganze Taiga, sagte der Lager-Natschalnik, und der Staatsanwalt ist der braune Bär. Er wollte damit ausdrücken, dass jeder Fluchtversuch zwecklos sei. Jeder Ostpreußen, der aus diesem Lager entlassen wurde, nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, so erzählt Harry Dittko, bekam einen Paß als Staatenloser. Viele von diesen Landsleuten waren in Ostpreußen in der Zeit der Hungersnot wegen kleineren Lebensmitteldiebstähle verurteilt und whrend der Verbannung in dieses lager gekommen. Neben diesen Ostpreußen, die ihre Strafzeit verbüßt hatten, blieben vor allem die Ostpreußen als Staatenlose dort, die nicht die Anschrift ihrer Angehörigen in der Heimat angeben konnten. Harry Dittko schätzt, dass es viele Hunderte von Ostpreußen sind, die als Staatenlose in Lagern in der Sowjetunion ihr Leben fristen müssen. Aus diesen Lagern hat nach seinen Angaben niemand schreiben dürfen.

Bis zum 28. Juni 1955 blieb Harry Dittko in dem Lager Sulikamp. An diesem Tage brach dort ein Aufstand aus. 120 Deutsche lagen auf den Dächern ihrer Baracken und verweigerten die Arbeit; sie forderten eine Kommission aus Deutschland. Es kam jedoch keine Kommission aus Deutschland, und als eine Schreiberlaubnis nach Deutschland versprochen wurde, wurde nach sieben Tagen der Streik aufgegeben. Man zeigte den Gefangenen sogar Karten vom Deutschen Roten Kreuz. Ein Major aus Moskau gab sein Ehrenwort, dass keiner der Streikenden fortgebracht werden würde. Aber als er abgefahren war, wurden 26 Mann als Rdelsführer von Schwerbewaffneten abtransportiert, unter ihnen auch Harry Dittko. Sie kamen nach Uschmar in den, Zentral-Isolator, wo ihnen die Köpfe kahlgeschoren wurden und wo sie fünfzehn Tage lang eingesperrt blieben. Nach zahlreichen Verhören kamen sie in ein verschäftes Regimenelager bei Uschmar. Hier ließ Harry Dittko, als er am 22. September nach Sulikamp entlassen wurde, die beiden Ostpreußen Alfred Hinz aus Königsberg, ehemaliger ostdeutscher Meister im Bantamgewicht-Boxen, und Walter Horn aus Königsberg zurück. Auch diese beiden Ostpreußen hatten noch niemals schreiben können, und auch sie sind zu Staatenlosen erklärt worden.

Aus Sulikamp wurde Harry Dittko in das Kriegsgefangenenlager Swerdlowsk gebracht, von wo er mit einem Transport nach Friedland kam. In Sulikamp blieb noch Siegfried Wittke aus der Gegend von Königsberg, der ebenfalls zum Staatenlosen gemacht worden war.

Harry Dittko hofft, seine Eltern in Königswinter am Rhein zu finden. Er hat zum letzten Male vor seiner Verhaftung 1950 erfahren, dass seine Eltern im Verlauf der Flucht nach Königswinter gelangt sind, er hat aber noch niemals mit ihnen irgendeine Verbindung gehabt.

Seite 1 Foto. Als Partisan in litauischen Wäldern
Als die Kurland-Armee im Mai 1945 kapitulieren musste, flüchtete Lothar Ganowitz, er stammt aus Königsberg, zu den litauischen Freiheitskämpfern. Zweieinhalb Jahre lang jührte er in unmittelbarer Nhe seiner ostpreußischen Heimat ein Partisanenleben, bis die Hütte, in der er schlief, am 20. Dezember 1947 von russischen Truppen umzingelt wurde. Lothar Gandowitz wurde wegen, Beteiligung an der Mithilfe zur Bildung einer neuen litauischen Nationalregierung, zu zweimal fünfundzwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Jetzt ist er über das Heimkehrerlager Friedland nach Westdeutschland gekommen. Über sein Schicksal berichten wir in einem besonderen Beitrag. Unser Bild zeigt Lothar Gandowitz (links) mit seinem ebenfalls zurückgekehrten Kameraden Heinz Gerull, der aus der Kriegsgefangenschaft ein schwarzes Kätzchen mitbrachte.

Seite 3 Ostpreußische Heimkehrer
In den folgendem veröffentlichen wir die erste Liste der Ostpreußen, die seit dem Beginn der Heimkehrertransporte im Oktober 1955 im Lager Friedland eingetroffen sind. Bei den angegebenen Wohnorten handelt es sich um die Orte, in denen die Betreffenden 1939 in Ostpreußen lebten. Es trafen im Lager Friedland ein:
1. Ulrich Albinus, geb. 15. März 1909, aus Königsberg
2. Willi Albuschat, geb. 25. Oktober, aus Tilsit
3. Heinz Allary, geb. 10. August 1924, aus Neidenburg
4. Lothar Altenberg, geb. 21. September 1923, aus Schwanin, Kreis Heiligenbeil
5. Ernst Barth, geb. 14. August 1903, aus Schloßberg
6. Emil Bekeschus, geb. 3. Juni 1918, aus Schillen, Kreis Tilsit
7. Erich Behrendt, geb. 4. Oktober 1906, aus Königsberg
8. Dodo Berghan, geb. 28. Juni 1914, aus Marienburg
9. Kurt Böm, geb. 16. April 1898, aus Königsberg
10. Erich Böhm, geb. 25. März 1911, aus Cranz
11. Walter Bolowski, geb. 19. Juli 1911, aus Königsberg
12. Fritz Brinkmann, geb. 5. April 1929, aus Tilsit
13. Siegfried Browow, geb. 10. Dezember 1918, aus Heldenfelde, Kreis Lyck
14. Hildegard Deiweleit, geb. 11. Januar 1925, aus Tilsit
15. Alfons Falter, geb. 24. Oktober 1924, aus Elbing
16. Alfred Fehlau, geb. 16. Mai 1921, aus Argenbrück, Tilsit-Ragnit
17. Alfons Freitag, geb. 16. August 1924, aus Rößel
18. Lothar Gandowitz, geb. 4. September 1920, aus Königsberg
19. Fritz Giesa, geb. 19. August 1915, aus Nordenburg
20. Max Grimm, geb. 24. Dezember 1912, aus Waldenhausen, Kreis Neidenburg
21. Bruno Gronau, geb. 24. März 1912, aus Elbing
22. Horst Hinzen, geb. 26. Juli 1918, aus Powayen, Kreis Samland
23. Erich Horn, geb. 1. Dezember 1928, aus Kebbel, Memel
24. Adolf Karnahl, geb. 23. August 1923, aus Schönwalde bei Zinten
25. Franz Kasimir, geb. 17. August 1922, aus Gildengrund, Kreis Tilsit-Ragnit
26. Erich Kendelbacher, geb. 29. Oktober 1917, aus Kl.-Proschellen, Kreis Gumbinnen
27. Kurt Kerstan, geb. 24. Mai 1911, aus Gr.-Heydekrug, Kreis Königsberg
28. Horst Kirm, geb. 4. September 1920, aus Schlösschen, Kreis Sensburg
29. Erich Knetsch, geb. 5. Juli 1930, aus Goldschmiede, Kreis Königsberg
30. Bernhard Lasch, geb. 25. Juni 1893, aus Osterode
31. Werner Lange, geb. 10. Februar 1921, aus Ragnit
32. Paul Liedtke, geb. 19. März 1922, aus Tolkemit
33. Ilse Masuhr, geb. 25. Oktober 1924, aus Königsberg
34. Gerhard Müller, geb. 24. November 1916, aus Ortelsburg
35. Fritz Nickel, geb. 16. April 1917, aus Alt-Höfen, Kreis Sensburg
36. Erich Reuter, geb. 30. September 1904, aus Ortelsburg
37. Fritz Schönhoff, geb. 20. Januar 1926, aus Gutenfeld, Königsberg
38. Karl Spalke, geb. 1894
39. Franz Suhr, geb. 19. Oktober 1929, aus Palmnicken, Samland
40. Kurt Terbeck, geb. 20. Mai 1919, aus Königsberg
41. Siegfried Thomaschki, geb. 1891
42. Kurt Vorwald, geb. 5. August 1924, aus Mühlenhöhe, Kreis Schloßberg
43. Bill Wagner, geb. 18. März 1903, aus Königsberg
44. Alfred Waitzulies, geb. 28. Juni 1920, aus Königsberg
45. Paul Walendy, geb. 6. August 1905, aus Treuburg
46. Hubert Wolfram, geb. 11. April 1923, aus Gronden, Angerburg

Nach Fertigstellung dieser Liste sind noch folgende ostpreußische Heimkehrer nach Friedland gekommen:
1. Ella Beyer, geb. 03.11.1913, aus Tilsit
2. Helga Budnick, geb. 18.06.1928, aus Königsberg
3. Isolde Ebinger, geb. 10.03.1925, aus Insterburg
4. Wally Schwirklies, geb. 08.06.1920, aus Pogegen
5. Brigitte Spielmann, geb. 13.02.1927, aus Insterburg
6. Dietrich-Alfred Buchholz, geb. 07.01.1928, aus Bischofsstein
7. Harry Dittko, geb. 23.02.1928, aus Lyck
8. Herbert Gonschor, geb. 02.01.1931, aus Korschen
9. Franz Hermann, geb. 22.08.1919, aus Allenstein
10. Eduard Kirklies, geb. 12.12.1926, aus Buddelkehmen-Memel
11. Otto Komorowski, geb. 13.07.1906, aus Reuschendorf, Kreis Sensburg
12. Ernst Kroll, geb. 04.05.1894, aus Angerburg
13. Günter Kutzer, geb. 21.11.1914, aus Königsberg
14. Gerhard Langenheim, geb. 26.04.1924, aus Königsberg
15. Horst Langecker, geb. 29.03.1929, aus Königsberg
16. Rudi Mai, geb. 12.12.1924, aus Heiligenbeil
17. Rudolf Mannstein, geb. 09.06.1915, aus Bartenstein
18. Walter Sdrenka, geb. 01.04.1926, aus Peitschendorf, Kreis Sensburg
19. Bruno Teichert, geb. 20.09.1923, aus Quetz, Kreis Heilsberg
20. Gustav Woyciniuk, geb. 16.02.1897. aus Pemerehn, Kreis Heilsberg

Seite 3 Ende September 1955 in der Gefangenschaft geboren
Aus Rößel in Ostpreußen stammt der Heimkehrer Alfons Freitag (rechts vorn im Bild), der nach seiner Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im Jahre 1950 wieder von den Russen in Ostberlin verhaftet und nach Verurteilung wegen Spionage ins Workuta-Gebiet geschafft wurde. Als er dort einmal im Stadtkommando arbeiten musste, lernte er die 25jährige Berlinerin Gerda Seelmann (Bild links) auf einer Lebensmittelbase, einem Arbeitslager verschleppter Frauen kennen. Mehrere Male konnten die beiden sich heimlich treffen. Als Gerda ein Kind erwartete, kam sie ins Lazarett nach Modowia bei Potma, wo die kleine Margarete Ende Sptember 1955 geboren wurde. Auf der Heimfahrt nach Deutschland trafen sich die Eltern des Kindes im Transportzug wieder und kamen gemeinsam mit ihrem drei Wochen alten Töchterchen in Friedland an. Nun wird geheiratet, und dann wird diese Heimkehrerfamilie in Berlin ein gemeinsames Leben beginnen.

Seite 3 Lieber Partisan als Kriegsgefangener
Das abenteuerliche Schicksal des Königsbergers Lothar Gandowitz
Es ist ein hartes, schweres, abenteuerliches Schicksal, das der 35jährige Heimkehrer Lothar Gandowitz, aus Königsberg hinter sich hat. Er wollte kein Kriegsgefangener werden, deshalb wurde er Partisan, Kämpfer der litauischen Widerstandsgruppen, bis er doch den sowjetischen Soldaten in die Hnde fiel und als politischer Gefangener die Straflager des Eismeergebietes kennenlernte.

Anfang Mai 1945 war es den Russen nach monatelangen Kämpfen gelungen, den Kessel um die ausgemergelte, verzweifelt kämpfende Kurland-Armee endgültig zu schließen. Noch drei Tage dauerte der deutsche Widerstand, dann siegte die übergroße Übermacht.

Als viele der deutschen Soldaten keinen anderen Ausweg mehr sahen, als sich in die gefürchtete Kriegsgefangenschaft zu begeben, suchte der Königsberger Gandowitz verzweifelt nach einem Ausweg. Er war nicht weit von seiner ostpreußischen Heimat entfernt. Vielleicht konnte man scih durchschlagen und daheim einige Zeit, untertauchen, vielleicht konnte man auch mit den litauischen Freiheitskämpfern Verbindung bekommen.

Der Ausbruch aus dem sowjetischen Einschließungsring gelang Lothar Gandowitz unter großer Lebensgefahr. Er schaffte es. Tagelang irrte er in den Wäldern umher, doch er hatte den Wunsch und den eisernen Willen, nicht in die russische Kriegsgefangenschaft zu kommen. Seine Marschrichtung ging nach Süden, in Richtung Heimat.

Eines Nachts sah sich Lothar Gandowitz plötzlich Menschen gegenüber. Sollte seine letzte Stunde geschlagen haben? Aber vor sich hatte er keine Rotarmisten, sondern es waren Litauer, Männer, die ihre Heimat und ihre Freiheit liebten und dafür jeden Preis zu zahlen bereit waren. Sie waren in die Wälder gegangen, als die Sowjets das neue Regime einführten. Aus den Wäldern heraus organisierten sie den Widerstand.

Bei diesen litauischen Freiheitskämpfern wurde Lothar Gandowitz aufgenommen, und dann begann für ihn das Partisanenleben in unmittelbarer Nähe der geliebten ostpreußischen Heimat. Trotz aller Bemühungen gelang es dem Königsberger nicht, mit irgendeinem seiner Angehörigen Verbindung zu bekommen oder irgend etwas über sie zu erfahren.

Lothar Gandowitz lebte unter seinen litauischen Kameraden, kämpfte mit ihnen gegen die Sowjetrussen, kämpfte mit ihnen gegen die Sowjetrussen, arbeitete in den Widerstandsgruppen und gab die Hoffnung auf eine Befreiung des Landes nicht auf.

Es war ein schweres, hartes, gefährliches Leben, das er führte, er möchte heute davon nicht viel Aufhebens machen. Aber es war wenigstens ein Leben in der Freiheit, die er so sehr liebte und die dann doch, nach zweieinhalb Jahren, eines nachts ganz plötzlich vorbei war.

Diese Nacht zum 20. Dezember 1947, in der es bitter kalt war, vergisst Lothar Gandowitz sicher nicht so schnell. Denn sie veränderte sein Schicksal mit einem Schlage. Die Hütte, in der er schlief, war plötzlich von russischen Soldaten umzingelt. Gegen die drohend auf ihn gerichteten Mündungen der Maschinenpistolen gab es nur den Tod oder das sich ergeben. Lothar Gandowitz hob die Hnde.

Aber er war jetzt kein Kriegsgefangener, er wurde als Hochverräter ins Gefängnis gesteckt und wie ein Verbrecher behandelt. Ein sowjet-litauisches Militärtribunal saß über ihn zu Gericht und verurteilte ihn zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit. Die Anklage lautete: Beteiligung an der Mithilfe zur Bildung einer neuen litauischen Nationalregierung.

Eineinhalb Jahre, sehr schwere Jahre, lag Lothar Gandowitz in einem sowjetischen Kerker in Libau. Es war eine böse Leidenszeit. Aber sie wurde noch weit übertroffen von jenen siebzehn Tagen, die er als die schlimmste Zeit seiner gewiss harten Gefangenenjahre, als eine unbeschreibliche Hölle, bezeichnete. Denn über Riga ging es nach Moskau, und hier wurde er mit drei Litauern in einen Spezial-Gefangenenwagen gesteckt, um nach Workuta ins Polargebiet in ein Straflager transportiert zu werden. Was er auf dieser Fahrt in der vergitterten, dunklen Einmann-Zelle des Zellenwagens erlebte, lässt ihn heute noch schaudern. Unheimlicher Durst quälte ihn, denn es gab nichts zu trinken, er konnte die ganze Fahrt über keinerlei Notdurft verrichten, und er erhielt jeden Tag nur ein Stück Brot.

Mehr tot als lebendig taumelte er nach der endlos erscheinenden Fahrt nach siebzehn Tagen mit seinen litauischen Kameraden von der Widerstandsgruppe im Strafgebiet von Workuta aus dem Zellenwagen. Diese schreckliche Leidenszeit hatte ein Ende, jetzt im Februar 1949, begann das Leben eines Sträflings im riesigen Zwangsarbeitsgebiet Workuta, im Schacht, im Steinbruch, beim Wege- und Eisenbahnbau.

Sechseinhalb Jahre musste Lothar Gandowitz schwer schuften, so wie viele Tausende deutsche Männer und Frauen mit ihm, aber nie verließ ihn, den zähen Ostpreußen, der Mut und die Hoffnung auf eine Rückkehr. Er hielt aus, bis jetzt endlich im Oktober 1955, auch ihm, die Stunde der Freiheit schlug. Nach seiner plötzlich erfolgten Begnadigung ging es im Transport zum Entlassungslager Potma und dann auf die Reise nach Deutschland, wo er als leidgeprüfter, doch ungebrochener Mann in Friedland eintraf. Nun will der Königberger bei seinen Angehörigen, die jetzt in einem Ort an der Unterweser wohnen, ein neues Leben beginnen.

Seite 3 Vergesst uns nicht! Heimkehrer nun auch in der Zone umjubelt
Bis zum letzten Sonntag waren bereits rund 3700 Deutsche, Kriegsgefangene und auch Zivilinternierte, in die Bundesrepublik zurückgekehrt. Fast stündlich werden neue Tansporte angekündigt. Das Lager Friedland war zu Beginn der neuen Woche bereits so überfüllt, dass auch andere Ausweichlager, zum Beispiel in Hann.-Münden, in Anspruch genommen werden mussten. Bei Redaktionsschluss waren bereits neun weitere Transporte angekündigt. So dar man hoffen, dass der Heimtransport nicht nur der 9629 Kriegsgefangenen, sondern auch der Zivilinternierten weiterlaufen wird.

In fast allen westdeutschen Städten wie auch in unzähligen Dörfern erlebt das ganze deutsche Volk das erschütternde und zugleich erhebende Erlebnis der Heimkehr. Neben Sechzig- und Siebzigjährigen treffen hartgeprüfte Männer und Frauen aller Altersklassen ein, und auch an solchen fehlt es nicht, die selbst jetzt nach vielen Jahren der Gefangenschaft noch als Jugendliche angesprochen werden müssen. Oft werden sie von den Glocken der Heimat begrüßt, und man gibt sich große Mühe, den endlich Befreiten so rasch wie möglich den Weg zu einem neuen und glücklicheren Leben zu bahnen. Es sind inzwischen auch Männer heimgekehrt, die in den Tagen der Gefangenschaft mit ihrer Familie überhaupt keine Verbindung aufnehmen konnten; eine Reihe von Einzelschicksalen gerade unserer Landsleute werden in dieser Folge des Ostpreußenblattes geschildert.

Tiefbewegt nahmen oft Heimkehrer mit ihren Familien mit Freunden und Bekannten an Dankgottesdiensten in der Heimat teil, und viele, deren Angehörige niemals wieder nach Deutschland zurückkehren werden, weil sie ein Opfer der unsagbaren Nöte und Strapazen wurden, wenden alle ihre Liebe den Heimkerhern zu. Obwohl sich die fragwürdigen Machthaber der sowjetisch besetzten Zone gegen jede Begrüßung und würdige Behandlung deutscher Heimkehrer wandten, obwohl zum Beispiel sogenannte Volkspolizisten heimkehrenden Gefangenen und Internierten sogar Trinkwasser verweigerten, lässt sich auch die Bevölkerung Mitteldeutschlands nicht mehr zurückdrängen. Heimkehrer berichten, dass auf fast sämtlichen Bahnhöfen der Zone Schlangen von Menschen standen, die ihren Brüdern und Schwestern zuwinkten und ihnen zuriefen: Vergesst uns nicht. Auch für eine ganze Reihe von Zivilpersonen aus der Zone, die 1945 drüben verhaftet und verschleppt wurden, hat jetzt die Stunde der Freiheit und Heimkehr geschlagen.

Unter den Heimkehrern befand sich auch der erfolgreiche Jagdflieger des Zweiten Weltkrieges, der Brillantenträger Major Erich Hartmann. Man versuchte, ihn in die Dienste des Zonenregimes zu ziehen, wobei ihm eine hohe militärische Charge versprochen wurde. Hartmann hat abgelehnt. Er hat im letzten Kriege nicht weniger als 345 sowjetische Flugzeuge abgeschossen.

Da ein ganz erheblicher Teil der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten diesmal drüben nicht ausreichend mit Kleidung und Wäsche versorgt wurde, gingen die Vorräte an Anzügen, Schuhen und Unterwäsche bei der schnellen Folge eintreffender Transporte rasch zur Neige. Die Lagerpfarrer der verschiedenen Konfessionen richteten darauf an die deutsche Textilindustrie einen Aufruf, sofort Kleidung nach Friedland zu schicken. Man darf wohl erwarten, dass die deutsche Wirtschaft sich hier von der guten Seite zeigen wird. Nachdem der Papst den Lagergeistlichen seine Segenswünsche für die Zurückgekehrten übermittelt hatte, spendete der Caritasverband 85 000 DM, mit denen allein fünfhundert Heimkehrer eingekleidet werden können. Wer zu diesem großen Zweck beitragen will, kann sofort Geldbeiträge auf das Konto, Heimkehrerhilfe im Lager Friedland, bei der Hauptzweigstelle Friedland der Kreissparkasse Göttingen überweisen.

Seite 4 Allein (mit Foto)
Mutterseelenallein stand der 52jährige Ostpreuße Bill Wagner, ein alter Königsberger, im Lager Friedland, als er nach elfjähriger Kiregsgefangenschaft endlich entlassen wurde. Von seinen Königsberger Verwandten fehlt jede Spur. Die einzige Postverbindung war die mit einem Kameraden, der schon früher als er aus der Gefangenschaft entlassen worden war. Jetzt will Heimkehrer Wagner in der Stadt Duisburg, die für Königsberg die Patenschaft übernommen hat, Unterkunft finden und von dort die Suche nach seinen Angehörigen und nach der Familie Karl Thiel, Kohlenkaufmann aus Königsberg, Weidendamm, aufnehmen.

Seite 4 Die Kinder warten (mit Foto)
Aus Tilsit stammt Helene Markendorf, die nach jahrelanger Gefangenschaft in den Arbeitslagern Karaganda nun endlich die Freiheit wiedergewonnen hat und mit einem Heimkehrertransport in Friedland eintraf; sie will zu ihren Kindern, die bei Verwandten in Berlin leben.

Seite 6 Gumbinnen. Gesucht werden:
Stadt Gumbinnen.
Fritz Bartschat, Gumbinnen, geboren 1914 oder 1915
Elisabeth Basner, geb. Katluhn, Wilhelmstraße 30
Emma Beutler, Blumenstraße 9
Karl Boenck, Stellmachermeister
Ernst Brassat, geb. 15.02.1920
Franz Busching, Stellmachermeister, Königstraße
Minna Eschment, Poststraße 9
Ehepaar Girgsdies, Kasernenstraße 13
Witwe Minna Grigoleit, Kasernenstraße 13
Walter Günther, Reg.-Rechnungsrevisor
Horst Helms, Hndelstraße
Hübner, geb. Kurschat, Graudenzer Straße
Eugen Kehrer, Sodeiker Straße 13
Lina Konrad, Trakehner Straße 14
Witwe Maria Kontroschowitz, Poststraße 21
Kröplien, Polizeihauptwachtmeister
Hermann Kurz und Ehefrau Minna, Trakehner Straße
Otto Lange und Ehefrau Else, geb. Podolski, Bismarckstraße 74
Frau Margarete Loyak, Goldaper Straße 43
Erich Masurat, Albrechtstraße 33
Gustav Masurat, Königstraße 22
Herr P. Meslin, Gumbinnen
Eduard Neitz, Schneidermeister, Ernst-Moritz-Arndt-Straße 4
Johannes Neitz, Buchbinder, Kirchenstraße
Paul Nowodtka, Vermessungsobersekretär
Ida Perkampus, Meelbeckstraße
Frau Kläre Peter
Frau Freiheit
Rudolf Randzio, Rektor
Maria Reinhard, Kasernenstraße 13
Fritz Rudat, Johann-Sebastian-Bach-Straße
Frau Schaf, Kasernenstraße 3
Fritz Schober und Ehefrau Frieda, Trakehner Straße 14
Familie Schwarz, Blumenstraße 1a
Louise Thiel, geb. Stemminger, sowie Hans Arnold und Rudolf Thiel, Kasernenstraße 6
Fritz Weber und Ehefrau Anna, geb. Hitler, Trakehner Straße 14
Franz Weitowitz und Auguste, Mozartstraße
Max Wenger, Mützenfabrik, Friedrichstraße 13
Kurt Zimmermann, Königstraße 11
Franz Zimmermann, Studienrat und Ehefrau Thea, Walter-Flex-Straße 6

Kreis Gumbinnen
Gustav Girod, Schröterlauken
Fritz Kaprolat, Eichenfeld
Heinz Kisslat, Preußendorf
Wilhelm Krause, Kl.-Baitschen
Johanna Lange, Bahnfelde
Berta Rimkus, geb. Käding, Kleinweiler
Max Rohrer, Schweizertal
Sauvant, Kl.-Datzen
Fritz Schattkowski, geb. 1925, aus Angereck oder Umgebung
Erna Scheller, geb. Podschus, Gr.-Baitschen
Georg Schwandt, Schorschienen
Fritz Steinleger, Roßlinde
Otto Stremplat, Sodinehlen
Familie Stutzke, Gr.-Stangenwalde

Seite 6 Angerapp
Gesucht werden:
Familie Rundkowski, Klein-Bacherode
Familie Bechler, Klein-Bacherode und die Geschwister Leonhard und Monika Straube. Leonhard ist etwa am 15.10.1941 und Monika etwa am 20.05.1943 geboren. Sie sollen angeblich in Angerapp oder in Klein-Angerapp gewohnt haben. Der Vater soll bei der Stadtverwaltung tätig gewesen sein. Ich bitte dringend, sofern etwas über die Familie Straube bekannt ist, mir Nachricht zukommenzulassen.

Seite 6 Johannisburg
Gesucht werden:
Wiludda, Bäcker in Drigelsdorf. Er war zu Anfang des Krieges in der Kraftf.-Abtlg. 1, Bursche bei seinem Kompaniechef und wird von diesem gesucht.

August Koslowski, Bahnbeamter, Arys
Gertrud Zipplies, geb. Jendruschka, Arys, auf der Flucht verschollen

Rudolf Hempel, Gutachter für Grünheide und Dzietko

Ludwig, Gutachter für Brüderfelde, unbekannt verzogen

87. Geburtstag, Johann Kizio-Arys, am 19.10.1955, jetzt wohnhaft Hausberge a. d. Porta, Gänsekamp 3

Gesuchte Personen der Gemeinde Johannisburg, Andreaswalde und Drugen.
Marie Kruska, Obsthandlung, Johannisburg, Lindenstraße 3

Kurt Lagotzki, Klempner, Johannisburg, Lindenstraße 3

Rudolf Hübner, Johannisburg, Lindenstraße 3

Wilh. Gemballa, Johannisburg, Lindenstraße 3

E. Schillak, Johannisburg, Lindenstraße 3

Bendig, Johannisburg, Lindenstraße 3

Fritz Bartuschewitz, Schmiedegeselle und Frau, Andreaswalde
Fritz Cholewa, landw. Arbeiter, und Familie, Andreaswalde
Kostrzewa, Postbote, und Frau, Andreaswalde
Auguste Milarski, Melkerwitwe, und Tochter Anna, Andreaswalde
Paul Puck, Postbote, und Familie, Andreaswalde
Hermann Schiemann, Obermelker, und Familie, Andreaswalde
Woszidlo, Untermelker, Andreaswalde

Witwe Luise Boguhn, und Kinder, Drugen
Cherubin, Zollbeamter, und Familie, Drugen
Franz Harder, Zollbeamter, und Fmilie, Drugen
Helmut Hellmanzik, (Sohn des Stellmchers), Drugen
Werner Herbst, Zollbeamter, und Frau, Drugen
Gustav Kowallik, Bauer, und Familie, Drugen
Krl Kania, Schuhmacher, und Familie, Drugen
Otto Krickhahn, Zollbeamter, und Familie, Drugen
Kurschat, Zollbeamter, und Familie, Drugen
Auguste Kowallik, und Familie, Drugen
Wilhelm Karkoska, jun., Drugen
Irmgard Karkosk, und Helga, Drugen
Otto Mack, Bauer, und Familie, Drugen
Johann Mack, Altsitzer, Drugen
Walter Malinowski, Zollbeamter, und Frau, Drugen
Marie Nittka, und Kinder, Drugen
Richard und Hildegard Pissowotzki, Drugen
Johann Skorzik, Johann, Bauer, und Familie, Drugen
Witwe Helene Schorn, und vier Kinder, Drugen
Emil Walter, Maurer, und Kinder, Drugen
Kurt Tonat, Zollbeamter, und Familie, Drugen
Lerbs, Zollbeamter, und Familie, Drugen

Seite 6 Tilsit-Ragnit
Unser Landsmann, Pfarrer Ernst Auringer, aus Trappen, der jetzt in Brasilien wohnt und alle seine alten Bekannten herzlich grüßen lässt, hat mich gebeten, ihm alle Träger seines Namens mitzuteilen, um Verbindung mit ihnen aufnehmen zu können.

Gesucht werden:
Trappen: Fräulein Erika Paulikat
Untereißeln: Franz Schelmat. Ida Schelmat
Kamanten: Schmied, August Herbst, geb. 1895. Vermisst seit der Flucht Frischen Haff. Wer kennt sein Schicksal?
Altenkirch: Willy, Fritz, Max, Michael Taruttis und deren Frauen.

Oberlotse i. R. Alfred Krüger
Am 22. Oktober 1955 feiert in Laboe in Schleswig-Holstein der Oberlotse i. R. Alfred Krüger, ein gebürtiger Pillauer, seinen 70. Geburtstag. Er ist Mitbegründer der Pillauer Rettungsstelle der, Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, und von 1911 bis zum Zusammenbruch war er dort Vormann des Rettungsbootes. In dieser Eigenschaft hat er an der Rettung von mehr als zweihundert Menschen teilgenommen, wobei er oft sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt hat. Wir werden in einer unserer nächsten Ausgaben ausführlich über die seemännische Laufbahn und über die Rettungstaten dieses mutigen Landsmannes, der mit vielen ehrenden Auszeichnungen bedaht wurde, berichten.

Seite 6 Allenstein-Stadt
Willkommen für General Thomaschki
Auf der Durchfahrt nach Hamburg wurde General der Artillerie Thomaschki nach mehr als zehnjähriger russischer Gefangenschaft soeben entlassen, in Lüneburg von mir und dem Mitglied des Allensteiner Stadtvorstandes, Rechtsanwalt Westphal, in der Heimat willkommen geheißen.

Wir Allensteiner stehen in tiefer Dankesschuld bei General Thomaschki, der in nicht endenwollenden Jahren stellvertretend für uns gelitten hat. Der Dank der Stadt Allenstein wurde ferner dem, Vater der Allensteiner 11. Division, die General Thomaschki als Divisionär in schweren Kriegsjahren geführt hatte, ausgesprochen. General Thomaschki war, Soldat, nie, Militär, und führte seine Soldaten mit dem Herzen. Unvergessen wird General Thomaschki seiner Allensteiner Division bleiben, wie er nach der Kapitulation der deutschen Kurlandarmee nunmehr als Kommandierender General des X. Armeekorps von den Russen die Erlaubnis erwirkt, noch einmal zu, seiner, 11. Division zu sprechen, und ihr mit Tränen in den Augen zuruft: Jungens, was auch immer kommen mag, bleibt aufrecht und anständig!
Die Elchschaufel der Landsmannschaft am Rock, nahm der General bewegt die guten Wünsche, die Blumen der Allensteiner Stadtverwaltung entgegen. Der General lebt jetzt mit seiner Gattin in Hamburg (Hamburg 13, Mittelweg 40)

Gesucht werden:
Paul Haxenskin, Allenstein
Anton Hinzmann, Allenstein
Lucia Nahs, geb. Skrypski, geb. 02.04.1902, Allenstein, Zimmerstraße 7
Paul Liebiewski, Allenstein, Haydnstraße 20
Hildegard Kurz, Allenstein, Mohrunger Straße Nr. 7
Familie Dragosch, Allenstein, Roonstraße 15
Kurt Munter und Otto Munter, Allenstein, Straße der SA 61

August Moritz, geb. 07.08.1881, verstorben 13.03.1951 in Allenstein. Wer war bis März 1951 noch in Allenstein und kann über die allgemeinen Lebensbedingungen Angaben machen? Wer kannte dort August Moritz? August Moritz ist am 13.03.1951 aus unbekannter Ursache in Allenstein verstorben.

Familie Johannes Schumann, Allenstein, Wadanger Straße
Reg.-Insp. (Ehefrau Helene und Kinder, Jürgen und Roswitha)
Kurt Salten, techn. Angestellter, Allenstein, Adolf-Hitler-Allee, und Ehefrau Frieda
Kann jemand Auskunft über die Begräbniskasse, Evgl. Sterbevorsorge, der Stadt Allenstein geben?
von Stein, Handelsvertreter, Allenstein, Roonstraße 15 oder 17
Versicherungsbeamter Gronau, Allenstein, Roonstraße 15 oder 17
Ernst Sanio, Allenstein, Zigarrengeschäft, gegenüber dem Rathaus
Emil Truschinski, früher Büfettier bei Otto Goertz, Allenstein, neben Harich, Buchstraße, Ecke Jakobstraße
Aloys Stolla, Allenstein, Likörfabrik von M. Buetow
Franz Sowa, Allenstein, Bankvorsteher einer Bauernsparkasse, Raiffeisen-Bank
Joseph Piefkowski, Allenstein, Jommendorfer Straße, Abbau
Vera Melms, geborene Lindenau, Allenstein
Karl Zebrowski und Karl-Heinz Zebrowski, Allenstein, Kronenstraße 28
Oskar Pudelski, Allenstein, Wadanger Straße
Familie des Friseurmeisters Birmanski, Allenstein, Hohensteiner Straße
Landwirt Bischof; Steinsetzermeister Broczi und Fleischermeister Wieler, alle drei Ortelsburger Straße, am Skander See
Gertrud Czarnowski, geb. Ritter, Allenstein, Warschauer Straße 61 (Straße der SA 12)
Frau G. Czarnowski ist zuletzt im Juli 1945 in den Baracken am Bahnhof gesehen worden. Hier haben die Frauen auf ihre Ausreise gewartet. Wer ist im Juli 1945 ebenfalls ausgewiesen worden und kann Angaben über Frau Czarnowski machen?

Wer kann Auskunft geben über: Otto Dolewski; Otto Krämer; Eduard Hoffmann und Steffen. Alle Vorgenannten waren in Allenstein beim Festungspionierstab 25, Schirrhof, Sterkentaler Weg
Erika Reich; Alex Korinth und Agnes Korinth, geb. Turowski, alle aus Allenstein, Hohensteiner Straße 36
Lehrerin Helene Krause, geb. in Wardang und ihre Schwester Gertrud, aus Allenstein
Richard Schulz, Allenstein, Jägerstraße
Lindemann Nachfl. Inhaber: E. Goergens Bedachungsgeschäft, Allenstein, Adolf-Hitler-Allee 10
Bedachungsgeschäft A. Erdmann, Allenstein, Hohensteiner Querstraße 16 bzw. Ringstraße
Bernhard Falaschek; Familie Korinth und Franz Hartel, alle aus Allenstein, Hohensteiner Straße 36

Seite 7 Ortelsburg. Gesucht werden:
1. Frau Bauerfeld, früher Ortelsburg, Wohnblock der Jägerkaserne
2. Fräulein Hedwig Niemierski, früher Ortelsburg, Posener Straße 10

Seite 7 Osterode
Gesucht werden:
Kinobesitzer Kalina, aus Hohenstein
Kurt Palm, geb. 14.09.1922, Osterode, Memeler Straße 21, letzte Feldpostnummer 32 859 H
Die Gattin des Versicherungsinspektors Breckow, Friedrichstraße, Osterode
Frau Erna Neumann, geb. Siebling, geb. Soldau
Wilhelm Burdinski, aus Locken. Er hatte dort eine Siedlung und arbeitete als Maurer
Familie Semelka, aus Osterode, Sendenhauptstraße 33

Seite 7 Bartenstein
Der Bürodirektor der Kreisverwaltung Bartenstein und stellvertretende Landrat, Albrecht Frentrup, ist im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Er wohnte jetzt in Senne II, Kreis Bielefeld, seiner Geburtsgegend. Frentrup ist wohl sehr vielen Landsleuten aus seiner Tätigkeit bekannt. Er war ein stets freundlicher und gerecht denkender Kreisbeamter, der namentlich allen in der Gemeindeverwaltung tätigen Männern stets mit Rat und Tat zur Verfügung stand. Mich selbst verbindet mit ihm eine beinahe dreißigjährige amtliche Kameradschaft. In der Geschichte der Kreisverwaltung wird Frentrup seinen verdienten Platz haben.