Das Ostpreußenblatt, Oktober 1955, Folge 42, Teil 1

Folge 42 vom 15.10.1955
Seite 1 Es gab ein Wiedersehen. Mit Fotos
Wird das, was in wahrhaft geschichtlicher Stunde am 9. Oktober 1955 und in den folgenden Tagen Tausende in Friedland und Millionen und Abermillionen Deutscher an den Lautsprechern des Rundfunks ergriffen unt mit Tränen des Dankes und der Freude in den Augen miterlebten, jemals vergessen werden? Wir glauben es nicht. Vom Höchsten solst du schweigen, hat einmal ein großer deutscher Dichter von jenen Augenblicken des Menschenlebens gesagt, da Worte nicht mehr zureichen, das zu schildern, was unser Herz bewegt, da wir den Atem des Allmächtigen über uns und um uns spüren und von neuem erfahren, dass Einer lebt und wacht, der uns auch in den Stunden schwerster Prüfungen und größter Heimsuchungen nicht verlässt.

Friedland, was schließt dieser gerade uns seit langem auch heimatlich so vertraute Namen nach 1945 an Schicksalhaftem, an Hoffnung und Freude des Wiedersehens, aber auch an bitterer Enttäuschung und Schmerz alles in sich! Tor zur Freiheit, Stätte erschütternden Wiedersehens und Wiederfindesn, ersehnter Hafen nach Jahren unsagbar bitteren Erlebens, das alles und noch viel mehr ist Friedland für Hunderttausende, ja für Millionen geworden. Ehe jene Tausende, denen jetzt erst die Stunde der Heimkehr schlug, über Herleshausen und Eschwege hier eintrafen, gingen Armeen von Vertriebenen, Entrechteten, heimatlos Gewordenen und früher aus den Lagern Entlassenen durch diese Räume. Hartes menschliches Schicksal der Deutschen in jeder Form ist kaum irgendwo sonst so sichtbar geworden wie hier. Denn jeder und jede, die hier eintrafen, oft mit allerletzter Lebenskraft, wie hatten ihre eigene, mit viel Blut, Not und Tränen geschriebene Geschichte. In glücklicheren Jahren haben wir einst mit großer Bewegung die Lieder und Sagen von hartgeprüften Männern gelesen, die erst viele Jahre nach dem Ende der Kriege heimkehren durften nach großen Prüfungen und Abenteuern. Von Odysseus hörten wir da und immer wieder lasen wir in der Heiligen Schrift vom, Verlorenen Sohn. Heute wissen wir, dass die Menschen, dass alle unsere, Friedländer, in unseren Tagen weit Schlimmeres zu tragen hatten als jene symbolischen Gestalten in ferner Vorzeit.

Wir haben es in diesen Tagen als ganzes Volk empfunden; jeder von denen, die nun endlich, endlichheimkehren durften und die wir noch in den kommenden Wochen und vielleicht Monaten zurückerwarten dürfen, ist so ein verlorener Sohn, Gatte und Vater, der der Mutter, dem Vater, der Frau und den Kindern von Gott zum zweiten Mal geschenkt wird, nach dem oft die Flamme der Hoffnung auf die schönste menschliche Wiedervereinigung im Warten schon fast herabgebrannt war. Wie arm müsste die Seele sein, die solche Stunde der Freude und sichtbaren Gnade nicht voller Dank erlebte. So oft jetzt die Glocke von Friedland läutete, wussten wir alle; hier hat Gott von neuem Wunder getan, hat er uns von neuem bewiesen, dass er im Regiment ist und alles, was Menschen böse zu tun gedachten, zum Guten wenden kann. War es nicht erschütternd und wahrhaft herzbewegend, gerade aus dem Munde der Hartgeprüften selber zu hören, wie jedes Fünkchen Liebe und Treue, das ihnen über Abgründe hinweg bis in ihre fernsten Lagern aus der Heimat spürbar wurde, entscheidend geholfen hat, ihnen das Durchhalten, den Lebenswillen auch in der letzten Hölle noch zu ermöglichen? Spürten wir nicht aus jedem Wort aber auch von den Heimkehrern, wie ernst sie es da drüben mit der Treue zum Vaterland und zu den ihren nahmen, wie sie inmitten eines Meeres von Agitation und zersetzender Propaganda dennoch blieben, was sie waren; treue und echte Söhne ihres Volkes. Muss nicht so mancher, dem bei uns im letzten Jahrzehnt ein soviel leichteres Schicksal beschieden war und der allzu früh das große gemeinsame Leid im Glanz eigener Geschäftserfolge vergaß, beschämt die Augen senken, wenn er auch heute wieder erlebt, dass Deutschland ärmste Kinder auch diesmal wieder die getreuesten gewesen und geblieben sind?

Wir haben es alle miterlebt, dass in dieser großen Stunde von Friedland selbst sehr erprobten und gewandten Männern und Frauen des öffentlichen Lebens das Reden schwer wurde, wie auch sie oft hart um das Wort ringen mussten, weil das Herz mehr zu sagen hatte als der Mund, weil allzu viel einfach unaussprechbar ist. In die Freude und Dankbarkeit mischte sich ja auch das schmerzvolle Gedenken an jene Millionen, denen solche Stunde nicht mehr schlägt. Viele der Gräber, in denen sie ruhen, werden wir nie sehen, aber eines wissen wir; der gleiche Vater, der uns dieses Große schenkte in seiner Güte, er hat sie zu sich genommen in ein Reich, wo es kein Dunkel, keinen Schmerz und kein Leid mehr gibt, wo sie die Herrlichkeit schauen. Ihre Augen bleiben auf uns gerichtet, und sie dürfen wohl erwarten, dass alle die Wiedervereinten das Werk so voranführen, wie es ihrem Herzen entspricht.
Unsere Aufnahmen, Foros.
Das Gesicht der Heimkehrer. Die Aufnahme ist am letzten Sonntag in Friedland während einer Ansprache gemacht worden. Unsere Aufnahme rechts zeigt den ehemaligen General der Infanterie Lasch (rechts), wie er von der Tochter seines Kameraden Karl Arning mit einem Rosenstrauß empfangen wurde. Arning kam erst mit dem nächsten Transport.

Seite 1 Die große Heimkehr. Bei unsern Ostpreußen in Friedland. Von Paul Brock
Das war der erste Eindruck, den ich bei meiner Ankunft in Friedland empfing; er ist symbolisch für das, was sich seit einigen Tagen in diesem Durchgangslager für Heimkehrer vollzieht;

Eine große, schlange Frau in grauem Haar und mit verhärmten Zügen verlässt mit mir den soeben eingefahrenen Zug. Auf dem Bahnsteig schlendert ein Mann in etwas fremd anmutendem blauem Anzug auf und ab, eine große, stattliche Erscheinung. Die Blicke der beiden Menschen begegnen sich, und sie gehen langsam aufeinander zu. In ihrem Gebaren ist nichts Besonderes. Sie lächeln sich an. Es ist, als wäre die Frau von einer kurzen Reise zurückgekehrt. Und doch ist es die erste Begegnung seit zehn Jahren.

Und nun stehen sie voreinander und reichen sich lächelnd und stumm die Hände. Plötzlich aber liegen die beide einander in den Armen, und ihre Körper erzittern wie Bäume in einem starken Wind. Die Frau birgt das Gesicht an die Schulter des Mannes, und über sein Gesicht, das über ihre Schulter ragt, rinnen die Tränen. Es ist das Wiedersehen von Menschen, die über zehn Jahre hinweg ohne Hoffnung gelebt haben.

Dann gehen sie langsam, Hand in Hand, den Weg zum Lager hinauf; der Mann, einer von den zweiunddreißig Generälen, die als erste Gruppe der seit Tagen Erwarteten eintraf, und seine Frau. Stimmen und Worte fließen einander zu, als wären Schleusen geöffnet, und doch bleibt eine glückliche Verhaltenheit über ihnen.

Der Abend ist hereingebrochen über dem Lager und weicht schon der kommenden Nacht, aber zwischen den Baracken ist es darum nicht stiller geworden. Menschen gehen auf und ab, schreiten von Tor zu Tor. In den Gesichtern einiger steht zu lesen, dass ihr Warten Erfüllung gefunden hat. Morgen werden sie mit ihren Männern, ihren Vätern nach Hause fahren. In den Mienen anderer ist Erwartung, zuckt Unruhe und Spannung. Sie wissen, dass morgen für sie das Glück anbricht, und die Freude lässt sie nicht schlafen, lässt sie auch nicht von dem Platz weichen, wo nach Mitternacht die Glocke den Einzug ihrer Lieben einläuten wird.

Dazwischen eilen Schwestern in ihren Rokreuz-Trachten hin und her. Vorbereitungen sind noch zu treffen. In den Büros und Ausgabestellen herrscht reger Betrieb. Telefone klingeln und Fernschreiber ticken. Es gibt so manchen, der in dieser klaren Sternennacht im Lager Friedland keine Ruhe findet.

Eine ostpreußische Mutter wartet.
In der Lagerkantine ist reger Betrieb. Die Tür steht kaum still. Sie kommen von draußen, die Menschen, vom großen Tor, wo riesige Scheinwerfer glühen, wo Wochenschau und Fernsehwagen ihre Apparatur aufbauen. Sie suchen ein wenig Wärme und Ausruhen, um bald wieder hinauszueilen.

An den langen, weißgescheuerten Tischen sitzen Frauen, einsam Wartende und ganze Familien. Sie sind gekommen, obwohl keiner sie gerufen hat. Was sie hergebracht hat, ist allein die Hoffnung. Sie werden warten, morgen, und vielleicht auch übermorgen.

Da sitzt eine Frau, klein und müde, aber in ihren Augen hinter den Brillengläsern flackert ein Licht. Die Lider können sich nicht schließen, weil der Schlaf nicht kommen will, obwohl in einer der Baracken ein Bett auf sie wartet. Aus ihrer Tasche kramt sie Bilder hervor, Bilder ihrer Tochter, die vor zehn Jahren verschleppt wurde. Die Frau stammt aus Schirwindt. Sie wohnt jetzt irgendwo in der Nähe von Frankfurt. Es ist ein reizendes Bild, das uns von den alten Fotografien entgegenschaut, eine junge, dunkelhaarige Frau mit großen, schönen Augen, ein kleines Mädchen neben sich haltend. Wir alle müssen immer wieder das Bild anschauen, und wenn sich Neuankömmlinge zu uns setzen, holt sie die Bilder wieder hervor und zeigt sie von neuem, den andern, die sie nocht nicht gesehen haben. Sie hat gehört, dass bei der nächsten eintreffenden Gruppe auch ein paar Frauen dabei sein sollen, und keiner wagt es, ihr den Glauben zu nehmen, dass ihre Tochter dabei sein kann. Am Morgen weiß sie, dass ihr Warten vergeblich war.

Es ist sieben Uhr morgens. Der Sonntag zieht strahlend herauf, mit blauem Himmel und blendem Licht. Trotz der frühen Stunde treffen bereits wieder Menschen ein, in kleinen Gruppen zuerst. Einige davon kommen so früh, weil sie am Gottesdienst in einer der beiden Lagerkirchen, katholischer und evangelischer Konfession, teilnehmen wollen, die einen mit dem sicheren Wissen, weil ihr Warten heute ein Ende haben wird, denn am Nachmittag treffen sechshundert Männer ein, die anderen mit der Bitte, dass auch sie bald ihre Angehörigen in die Arme schließen mögen.

Vor der Tür der Baracke, in der die Helfer des Suchdienstes wirken, bildet sich bald eine lange Schlange von Menschen, die Einlass begehren. Sie haben Fragen zu stellen, wollen sich noch ein weiteres Mal bemühen, wollen fragen, ob neue Listen da sind, worauf der Name des Erwarteten vielleicht schon verzeichnet ist. Sie bringen Bilder mit, die vor den Augen der ankommenden Heimkehrer ausgehängt werden sollen, ob einer von ihnen die Verschollenen vielleicht irgendwo im weiten Russland gesehen hat.

Auch unter diesen Wartenden, die in Ungewissheit schweben, finde ich eine ostpreußische Frau, ein altes Mütterchen aus Eydtkuhnen, die ihren Sohn noch vermisst. Von ihm ist noch niemals eine Nachricht gekommen, aber sie meint, dass auch er nun zurückkehren müsste, weil sie doch jetzt alle kommen sollen.

Großer Gott, wir loben Dich!
Endlich ist die Stunde gekommen, wo die erwarteten sechshundert Männer eintreffen sollen. Die Wege zwischen den Baracken sind voller Menschen, ein großes, dunkles Gewoge, das auf- und abfließt, sich zu Haufen sammelt und wieder zerstreut. Mit den eintreffenden Nachrichten staut sich die Erregung. Zuerst heißt es, sie kämen bereits um elf, dann wurde eine Stunde Verzögerung gemeldet, schließlich wurde mit Sicherheit gesagt, um zwei Uhr nachmittags würden die Autobusse von der Station Herlinghausen eintreffen.

Jetzt ist es soweit. Die Menge der Wartenden, es sind inzwishen ein paar Tausend geworden, drängt sich zu dem großen Platz vor dem Tor hinter der neuen steinernen Kirche mit dem halbfertigen Glockenturm. Unzählige Ordner bemühen sich, die Menge zu ordnen und sie an den vier Seiten des Platzes zu ruhigem Verharren zu bringen. Da stehen sie dann wie eine dunkle Mauer aus festgefügten Menschenleibern. Über den Köpfen ragen weiße Schilder mit Namen von Verschollenen heraus. Und dann geht ein Erzittern durch die Menge. Die Friedensglocke im Lager beginnt zu läuten. Das ist das Zeichen, dass sie kommen! Eine lange Kette von Wagen rollt ein. Von Mund zu Mund geht ein Raunen. Hinter den Fenstern der langsam einfahrenden Wagen erscheinen Gesichter. Eine Frau aus der Menge schreit auf. Sie glaubt ihren Mann schon erkannt zu haben. Es spielt ein Bläserchor, und unter dem Lang der Musik steigen die Männer aus. Großer Gott, wir loben Dich! Herr, wir preisen Deine Stärke!

Da ein Ruf! Ein alter Mann hat die Absperrkette, die von Rotkreuz-Schwestern gebildet wird, durchbrochen. Er zieht seine Frau, ein altes Mütterchen, hinter sich her. Sie laufen über den weiten Platz zu den Wagen; sie haben ihren Sohn erkannt.

Neben mir steht eine Frau aus Lötzen, die ihren Bruder erwartet. Aber er war nicht dabei. Nun stehen sie alle vor dem Podium, woher man Begrüßungsworte an sie richten wird.

Ministerpräsident Hellwege ist zur Begrüßung erschienen, Vizekanzler Blücher, Bundesminister Oberländer.

Eng zusammengedrängt stehen die Heimgekehrten und lauschen den Worten aus den Lautpsrechern, in ihren Kleidern, die sie in Russland getragen haben. Ihre Gesichter sind braungebrannt, aber die Wangen sind eingefallen und die Haut spannt sich straff über die Backenknochen.

Sichtlich geht eine Bewegung durch die Reihen, als die Alterspräsidentin des Bundestages, Frau Dr. Lüders, spricht. Nur in den einleitenden Worten erwähnt sie die Tatsache, dass sie als Vertreterin des Bundestages und der Längerparlamente Begrüßungsworte zu sagen hat. Dann beginnt die Frau in ihr zu den Männern zu sprechen. Keiner von ihnen möge doch in den Irrtum verfallen, sagt sie, dass ihr Leben in der Weise beginnen würde, wie es früher einmal gewesen ist. Sie würden Frauen vorfinden, die anders sind, als wie sie in ihrer Erinnerung leben. Ich bitte euch, habt Geduld mit ihnen, wie sie mit euch Geduld haben werden, haben müssen, denn auch ihr seid anders geworden! Vermeidet harte Worte! Lasst ihnen Zeit!

Die Antwort von den Männern ist langanhaltender Beifall.

Ein Polizeioffizier bahnt sich indessen einen Weg durch die dichte menge der Heimkehrer, bis er einen gefunden hat, den er sucht, dessen Frau aus großer Erregung und übermäßiger Anspannung des Wartens einen Herzanfall erlitten hat. Der Offizier bringt den Mann durch eine mühsam gebahnte Gasse zu ihr, die man in einen der leerstehenden Omnibusse gebettet hat.

Landesbischof Lilje, und mit ihm die Menge, Heimgekehrte und Wartende, alle sprechen laut das Vaterunser.

Nun kann auch ich mich mühsam in die Reihen der Angekommenen hineinschieben. Es ist ein seltsames Gefühl, die Hand des einen von ihnen in der meinen zu fühlen. Er heißt Albrecht und ist aus Lötzen, ein Mann in grauem Haar. Am gleichen Tage schon wird er bei seiner Familie in Wolfenbüttel sein. Und er bemüht sich darum, mich zu einem Kameraden zu bringen, der aus Königsberg gebürtig ist und Ernst Barth heißt. In Recklinghausen wartet seine Frau auf ihn. Das heißt, er glaubt, dass sie dort wartet. Vielleicht ist sie ihm in dieser Minute näher, als er ahnt, und ehe eine Stunde vergeht, werden sie sich in den Armen liegen. Und ebenso mag es Beitat aus Insterburg ergangen sein, dessen Angehörige in Bochum eine Unterkunft gefunden haben.

Es wären eine ganze Anzahl Ostpreußen unter den Sechshundert, sagte man mir, aber so viel wir vier auch gemeinsam suchten, sie waren in dem Strom der flutend Drängenden nicht zu entdecken.

Das ist jedenfalls dabei klar geworden, dass auch von den ostpreußischen Gefangenen keiner zurückgehalten wird, wie fälschlich hier und da zu lesen war. Wir brauchen uns deshalb nicht zu beunruhigen. Am Ende sprach auch noch einer der Heimkehrer zu der Menge, zu den Kameraden und zu den Wartenden, und seine Worte, mit denen er auch der Gräber gedachte, die sie in den Lagern für Kameraden gegraben und nun zurückgelassen haben, seine Worte gepfelten in dem Gelöbnis, dass sie, die zur Zeit Ärmsten, die treuesten des deutschen Vaterlandes sein würden.

Als der Bläserchor dann zum Schluss das Deutschlandlied anstimmte, fielen sie alle freudig und bewegt ein.

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes bleibt am Werk
Wir zweifeln nicht daran, dass die führenden Männer der Sowjetunion das Versprechen, das sie dem deutschen Bundeskanzler gegeben haben, einlösen werden. Dennoch wird manche Hoffnung, die heute noch hier und da in den Herzen lebt, enttäuscht worden sein, wenn diese große Aktion beendet ist. Es werden Männer dabei sein und kommen, die als verschollen galten, aber manche, von solchen, die noch keine Nachricht gaben, werden auch jetzt fehlen. Deshalb braucht jedoch noch keiner zu verzweifeln. Gerade jetzt nimmt der Suchdienst jede Möglichkeit war, um durch Befragen jedes einzelnen Heimkehrers festzustellen, von wem er weiß, wer noch am Leben ist und wo er weilt.

Freilich wird auch mancher noch unbekannte Todesfall dabei festgestellt werden. Die Angehörigen werden dann wenigstens Gewissheit erhalten, die ihren nach der Überwindung des Schmerzes Ruhe gibt.

Über die Art der Heimschaffung der Gefangenen verlautet im Übrigen noch, dass die einzelnen Transporte nach dem Alphabet zusammengestellt werden. Bei dem am Sonntag eingetroffenen Transport waren die Namen der Buchstaben A und B vorhanden. Bis zum 20. Oktober 1955 soll die große Aktion beendet sein.

Seite 2 Hitler und Bormann sind tot! Flugkapitän Baur und der frühere Kammerdiener Hitlers über die letzten Stunden im Berliner Bunker
Unter den aus der Sowjetunion jetzt zurückgekehrten Gefangenen befanden sich sowohl der frühere Flugkapitän Hitlers, Hans Baur, wie auch der ehemalige Kammerdiener Heinz Linge. Beide betonten nach ihrer Ankunft in Friedland übereinstimmend, an dem Tod Hitlers wie auch des früheren NS-Reichsleiters Martin Bormann könne kein Zweifel bestehen. Baur erklärte, er sei bis zuletzt mit Hitler zusammengewesen; dieser habe sich von ihm mit den Worten verabschiedet, er wolle sich jetzt das Leben nehmen, da die Lage hoffnungslos geworden sei. Die Leiche Hitlers habe er nicht gesehen. Man habe ihn wie auch den ehemaligen Kammerdiener Linge ein Jahr nach der Gefangennahme von Russland nach Berlin gebracht, wo er angeblich bei einem Lokalterin über den Tod Hitlers aussagen sollte. Die Russen hätten dann jedoch plötzlich auf einen solchen Lokaltermin verzichtet, ihn nach Moskau zurückgebracht und zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Baur will von Hitler den Auftrag erhalten haben, Bormann mit einer viermotorigen Maschine vom Flugplatz Rechlin in das westliche Reichsgebiet zu fliegen. Bei dem Versuch, die russischen Linien an der Stadtgrenze zu durchbrechen, sei Bormann gedoch gefallen. Die Leiche habe man offenbar achtlos zu anderen Gefallenen geworfen und verscharrt. Baur selbst fiel schwerverwundet sowjetischen Panzertruppen in die Hände.

Der frühere Kammerdiener Linge besttigte die Aussagen Baurs und berichtete dann, dass er selbst die Leiche Hitlers aus dem Bunker getragen habe. Zusammen mit Hitlers Adjudant Günsche schaffte er dann auch die tote Eva Braun ins Freie. Man habe die Leichen mit Benzin übergossen und angezündet. Er selbst habe fünf Minuten diesem schaurigen Akt unter dem Krachen der russischen Granaten beigewohnt. Er sei auch selbst zusammen mit Martin Bormann aus dem sogenannten Führerbunker geflüchtet und habe an der Weidendammer Brücke den in brauner Uniform vor ihm gehenden Bormann aus den Augen verloren. Es sei mit Sicherheit anzunehmen, dass Bormann wenig später mit vielen anderen ums Leben gekommen sei. Linge wurde bis 1950 in einem Moskauer Gefängnis festgehalten und dann, wie Baur, als angeblicher Kriegsverbrecher verurteilt. Baur erklärte, er plane, seine Aufzeichnungen über die letzten Tage des itler-Regimes später als historische Quelle zu veröffentlichen.

Seite 3 Der Verteidiger von Königsberg zurückgekehrt. Das Leben von achtzigtausend Frauen und Kindern war General Lasch wichtiger als die Befolgung von Katastrophenbefehlen. Mit Foto: Ungebrochen und unverzagt. Unter den Heimkehrern, die am letzten Sonntag im Lager Friedland ankamen, befand sich auch der 65jährige Heinrich Babbel (links mit Bart) aus Königsberg. In den zehn Jahren seiner Kriegsgefangenschaft ist er kreuz und quer durch die Sowjetunion gebracht worden, bis er jetzt aus dem Lager Asbest bei Swerdlowsk entlassen wurde. Er ist zu seiner Frau gefahren, die jetzt in Ober-Uhldigen am Bodensee wohnt.

Am 8. Oktober 1955 war im Heimkehrerlager Friedland General der Infanterie Otto Lasch der Zielpunkt aller anwesenden Pressephotographen und Berichterstatter. Der überaus frisch und gesund erscheinende Zweiundsechszigjährige, von aufrechter und elastischer Gestalt und mit sehr gewinnenden Zügen, gab offensichtlich nur ungern Rede und Antwort.

Sofort aber änderte sich seine Miene, wurde sie aufgeschlossen und freundlich, als wir uns ihm als Ostpreußen vorstellen, und seine Worte drückten die tiefe Verbundenheit mit dem Land aus, in dem sich der größte Teil seiner militärischen Laufbahn vollzog, aus dem seine Frau stammt, und wo er mit seiner Familie die glücklichsten Jahre und die schwersten Monate seines Lebens verlebte. 1939 rückte er als Kommandeur des Osteroder Bataillons ins Feld. Später wurde er Kommandeur des Infanterie-Regimentes 3 in Deutsch-Eylau. Als Divisionskommandeur führte er die aus Ostpreußen bestehende 217. Infanteriedivision. Bekannt wurde sein Name durch den Handsteich auf Riga, den er mit einer Vorausabteilung am 1. Juli 1941 unternahm.

Der Befehlsstand auf dem Paradeplatz
Es ist das, was den General heut noch am stärksten bewegt und worauf er schon nach den ersten Worten das Gespräch lenkte; die Verteidigung und der Untergang der geliebten Stadt Königsberg. Höchste Überraschung bereitete ihm die vom Führer verfügte Kommandierung zur Verteidigung von Königsberg im Oktober 1944. Bei den Kämpfen an der Invasionsfront in Frankreich war er schwer erkrankt, und e war noch lange nicht genesen, als ihn der Befehl erreichte. Sofort leitete er alle Maßnahmen ein, die bei dem drohenden Angriff auf die ostpreußische Hauptstadt notwendig wurde, und er tat, was in seinen Kräften stand, um die Festung zu halten, doch mangelte es an Truppen und an Munition. Die Nahrungsmittel gingen zur Neige. Das tragische Schicksal von Königsberg vollzog sich mit grausamer Sicherheit und Unaufhaltsamkeit. Vor den Augen des Verteidigers sank die schöne, stolze Stadt in Trümmer. Der Befehlsstnd auf dem Paradeplatz wurde zu einer letzten Insel der tapferen Truppe. Hier vollzog sich die Schicksalsstunde ihres ehrenhaften Generals.

Als sich General Lasch schließlich dazu entschloss, die Kapitulation zu vollziehen, um die sterbende Stadt zu übergeben, ging es ihm um das Leben von achtzigtausend Frauen und Kindern, die in den letzten heilen Bunkern und zwischen Haustrümmern Schutz gesucht hatten. In dem Gewissenskonflikt, den er als Soldat empfand, entschied er nach der menschlichen Seite. Seine starke Bindung an das Gebot der Menschlichkeit zwang ihn, den Schritt zu tun, der ihm dann als Ungehorsam gegen einen widersinnigen Befehl ausgelegt wurde. Das Opfer, dem Makel der Ehrlosigkeit preisgegeben zu werden, wog nichts geben das Bewusstsein, den Menschen, die seiner Entscheidung ihr Leben verdanken, die Treue gehalten zu Hben. Königsberg fiel, aber viele tausend Königsberger leben! Ich würde, in die gleiche Lage versetzt, auch heute nicht anders handeln als im April 1945, erklärte uns der General.

Die Familie in Sippenhaft genommen
Nicht das Los der Gefangenschaft war seine größte Sorge. Auch das vom Führer ausgesprochene Todesurteil, ohne eine Gerichtsverhandlung und nur im Wehrmachtsbericht zur Kenntnis gegeben, berührte ihn nicht so sehr. Die schwerste Qual bereitete ihm die Sorge um die Familie, um seine Frau und die beiden Töchter, denen es zwar gelungen war auf dem Seeweg nach Dänemark zu kommen, die aber dort sofort von der deutschen Kommandantur in Gefängnishaft genommen wurden. Erst nach der deutschen Kapitulation erlangten sie ihre Freiheit wieder.

Heute lebt die Familie Lasch in Godesberg am Rhein. Es wird wohl die glücklichste Lebensstunde des Generals bleiben, als er, im Lager Friedland noch, seine Frau in die Arme schließen durfte. Sie war auf die Nachricht von seiner Ankunft hin sofort herbeigeeilt, um ihn zu begrüßen und abzuholen.

Das Todesurteil der Sowjets
1947, nach fast zweijährigem Aufenthalt im Gefangenenlager bei Moskau, war General Lasch vor ein sowjetisches Gericht gestellt und zum Tode verurteilt worden. Es ist überflüssig zu sagen, dass er die Untaten, die ihm zur Last gelegt wurden, niemals begangen oder gedeuldet oder befohlen hat. Er konnte sie schon deshalb nicht begangen hben, weil er nchweisbar gr nicht dort gewesen war, so die angeblichen Greueltaten verübt sein sollten. Dass das Urteil nicht vollstreckt wurde, hat er dem Umstand zu verdanken, dss die Todesstrafe inzwischen abgeschafft worden wr. So kam er als Zwangsrbeiter in die Bergwerke des nördlichsten Ural. Er war den größten körperlichen Strapazen und seelischen Qualen ausgesetzt wie alle anderen Kriegsgefangenen auch. Aber sein Wille zum Leben hat ihm geholfen, alles zu überstehen. Die Hoffnungslosigkeit, den größten Feind der Gefangenen, ließ er nicht in sich aufkommen. Das ließ ihn Krankheit und Not und alles Elend der Zeit überwinden.

In Woikowo kam die Erlösung
Vor einigen Monaten wurde er plötzlich ohne ersichtlichen Grund us dem Ural nach Woikowo gebracht. Generale und andere hohe deutsche Offiziere trafen sich dort zu einer Lagergemeinschaft, wo ihr Dasein sich fast bis zur Umkehrung des Vorhergegangenen änderte. Sie waren aller Arbeitspflicht entbunden und wurden gut verpflegt. Der Briefverkehr mit den Angehörigen wurde lebhafter. General Lasch meldete sich auch nach der Aufhebung des Zwanges zu freiwilliger Arbeit, die erträglich war. Er glaubt, dass er dieser Betätigung seinen ausgezeichneten Gesundheitszustand verdankt. Zuversichtlich sieht er dem Kommenden entgegen, das das Leben in Deutschland für ihn bereithalten wird.

Bestimmte Pläne für die Zukunft hat General Lasch nicht. Er will vor allem zu sich selbst kommen, mit seiner Familie leben und Ruhe finden.

Unter den heimgekehrten Generalen befinden sich, außer General Lasch, zwei, die in Ostpreußen recht gut bekannt sind: General Siegfried Thomaschki und Generalmajor Dr. Hans Spalcke. General Thomaschki, Sohn eines ostpreußischen Pfarrers, war bis 1938 Abteilungskommandeur im Artillerieregiment 11 in Lötzen und am Ende des Krieges Kommandierender General an der Kurlandfront. Generalmajor Dr. Spalcke stand in Tilsit und in Mohrungen in Garnison. Er geriet als Militärattaché in Bukarest in russische Gefangenschaft. Seine Gattin und sein Sohn, die aus Mohrungen verschleppt worden waren, kehrten Neujahr 1954 über Friedland aus der Sowjetunion zurück.

Seite 6 Ebenrode (Stallupönen)
Gesucht werden folgende Personen, die bei Wiesenbaumeister Praß vom Hauptgestüt Trakehnen gearbeitet haben:
Friedrich Wilkat, Sidlung Birkenwalde
Tilwokat, Pakallnischken (Schleusen), und Franz Meyer, Trakehnen

Seite 6 Johannisburg
Gesucht werden:
Otto Warda, Kurt Warda, Horst Warda, Paulshagen;
Wer weiß etwas über das Schicksal von Heinz Krisch, Drosselwalde, geb. 21.05.1928 (Monat unsicher, da undeutlich) zuletzt in Arys gesehen worden und Karl I??ch (?? = nicht lesbar) und Wilhelm Lach, Johannisburg, am 30.04.1945 in Berlin verhaftet und seitdem verschollen=

Am 22. September 1955 verstarb nach langem Leiden unser Landsmann Drogeriebesitzer Otto Barowski, Johannisburg, Mitbegründer des Ruderklubs Masovia. Er war immer kameradschaftlich, entgegenkommend und hilfsbereit, ein Vorbild für die Jugend und ein truer Mitkämpfer um unsere Heimat und Verfechter des landsmannschaftlichen Gedankens.

Seite 6 Suchanzeigen
Aloys Dettki, Oberzahlmeister, geboren 13.03.1902 in Nerwigk, Kreis Allenstein, zuletzt wohnhaft Wormditt, Andreasdamm 9, verschleppt in Zivil am 09.02.1945 von den Russen aus Mühlhausen, Ostpreußen. Nachr. erb. Frau Maria Zekorn, Hoheneggelsen, Hannover

Steffi Kromm, geb. 07.05.1939, lebte im Juni 1947 bei ihrer Großmutter Johanna Schmuhl, in Königsberg, 7. Kommadantur Hammerweg 39, Ecke Dürerstraße. Nachricht erb. unter Nr. 57 322 Das Ostpreußenblatt

Gesucht wird Grenadier Aloisius Orlick, geb. 20.09.1927 in Kleisak, Kreis Rößel, Ostpreußen, letzter Wohnort Bottau, Kreis Ortelsburg, Ostpreußen. Letzte Nachricht vom 8. Januar 1945 von Unteroffiziersschule Potsdam, 2. Komp. Ruinenbergkaserne, sollte zum Einsatz gekommen sein. Nachr. erb. Josef Orlick, Bechingen, Württ., über Riedlingen, Kreis Ehingen, Donau

Wer kann Auskunft geben über meine Ehefrau Hedwig Tommerdich, geb. Bienienda, geb. 27.01.1899, aus Allenstein, Ostpreußen, Straße der SA 105, ehemalige Jommendorfer Straße? Nachr. erb. Viktor Tommerdich, Hamburg-Bahrenfeld, Dammkoppel 91

Suche Arbeitskollegen meines vermissten Mannes, Emil Zimmer, in Rehdorf, Kreis Stuhm, Westpreußen, zwecks Geltendmachung von Rentenansprüchen. Letzte Arbeitsstelle Baufirma Vogt, Stuhm. Dorothea Zimmer, Pforzheim, Kleiststraße 3

Die Einwohner des Hauses Königsberg-Ponarth, Brandenburger Straße 76, werden um ihre Anschrift gebeten. August Schoel, Egenbüttel Post Rellingen, Tannenweg 9

Seite 7 Heiligenbeil.
Ministerialdirektor Dr. Gramsch verstorben
Unser ehemaliger Landrat, Ministerialdirektor z. Wv. Dr. Friedrich Gramsch, ist am 1. Oktober 1955 in Bonn, im Alter von fast 61 Jahren, nach einer Mandeloperation, verstorben. Unter sehr großer Beteiligung fand am 5. Oktober 1955 im Kirchsaal der evangelischen Gemeinde in Siegburg die Trauerfeier statt.

1926 wurde der damalige Regierungsrat Dr. Gramsch im Preußischen Innenministerium zum Landrat des Kreises Heiligenbeil berufen. Er hat sieben und ein viertel jahr an der Spitze des Kreises gestanden. In der gesamten Bevölkerung genoss er durch seine vorbildliche Arbeit und seine angenehme, verbindliche Art großes Vertrauen und hohe Verehrung. Trotz der wirtschaftlich schweren Zeit gelang es Dr. Gramsch, im Kreise Heiligenbeil bedeutsame Aufgaben durchzuführen. Er ließ mehrere Chauseestrecken fertig stellen, die Bahnaubrücke auf der Stecke Hohenwalde-Grunenfeld erbauen, die Häfen Brandenburg und Rosenberg instand setzen, das Kreis-Johanniter-Krankenhaus baulich erweitern, das Kreisaltersheim in Sonnenstuhl errichten, die Kreissparkasse umbilden und förderte sie in ihrer Entwicklung. Vorbildliche Ordnung herrshte während seiner Amtszeit in den Kreisfinanzen; den inneren Geschäftsbetrieb der Kreisverwaltung modernisierte er nach neuesten Erfahrungen. Seinem Drängen gelang es, im Verein mit Landrat Neumann, Pr.-Eylau, die gesetzliche Festlegung des Bahnbaus Heiligenbeil-Zinten-Pr.-Eylau durchzusetzten; den Baubeginn, Ende 1934, hat er allerdings in Heiligenbeil nicht mehr miterlebt, ihn aber von Berlin aus, wohin er berufen war, auch weiterhin bis zur Vollendung, Herbst 1938, gefördert.

Mit der ostpreußischen Heimat war Dr. Gramsch durch seine Herkunft und seine starke Heimatliebe tief verbunden. Dies zeigte sich bei den Arbeiten zur Instandsetzung der Burgruine Balga und bei deren Ausgestaltung mit einer heimatkundlichen Sammlung; aus seinen Gedanken zur Heimatpflege erwuchs gemeinsam mit dem Nachbarkreise Pr.-Eylau und dem Heimatforscher E. J. Guttzeit der Natanger Heimatkalender für die Kreise Heiligenbeil und Pr.-Eylau. Er gab die Anregung für sein Entstehen und für manchen heimatkundlichen Aufsatz. Durch diese Förderung konnte der Natanger Heimatkalneder fünfzehn Jahre lang, 1928 – 1942, erscheinen.

In den zwanziger Jahren wurde Landrat Dr. Gramsch mehrfach ins Preußische Innenministerium gerufen, weil man dort seine überragenden Fähigkeiten als Verwaltungsfachmann benötigte. Seine Mitarbeit an dem Gesetzentwurf über die Auflösung der Gutsbezirke in Preußen vom Jahre 1927 ist allgemein bekannt und hat Dr. Gramsch unverwelklichen Ruhm eingetragen. Ende 1933 wurde er Ministerialrat im Preußischen Innenministerium und er stieg bald zum Ministerialdirektor im Reichs- Innenministerium empor.

Der Krieg hat auch Dr. Gramsch und seine Gattin, Metta, geb. Freiin von Eckardstein, aller Habe beraubt und beide das Vertriebenenschicksal erleben lassen. 1947 übernahm Dr. Gramsch die Geschäftsführung des Niedersächsischen Landkreistages in Hannover und bald nach Gründung des Deutschen Landkreistages 1953 die Geschäftsführung dieser kommunalen Spitzenorganisation in Siegburg.

Die Bewohner des Kreises Heiligenbeil gedenken mit hoher Verehrung und Dankbarkeit ihres ehemaligen Landrats Dr. Gramsch. Er hat nicht nur in den sieben und ein viertel Jahren, als er an der Spitze des Kreises stand, dessen Belange in hervorragender Weise wahrgenommen, er blieb dem Kreise auch in den folgenden Jahren bis in die jüngste Zeit hinein herzlich und treu verbunden. Er nahm mehrfach an den Kreistreffen teil, half mit gütigem Herzen vielen Landsleuten des Kreises mit Rat und Tat und er setzte sich in vorbildlicher Weide für unseren Heimatkreis und unsere Kreisgemeinschaft ein. Ihm ist es auch in erster Linie zu danken, dass der Kreis Burgdorf, Hannover die Patenschaft über unseren Kreis Heiligenbeil übernommen hat.

Nun ist Dr. Freidrich Gramsch mitten, aus einem Leben voller Güte und Schaffenskraft, von Gott, in die Ewigkeit gerufen worden. Sein Name und Werk aber bleiben aufs tiefste mit dem Kreise Heiligenbeil verbunden; sie sind mit goldenen Lettern in seine Geschichte eingegraben. Und nicht nur das, sein Name lebt fort in unseren Herzen und ist uns ein Ansporn für die Wiedergewinnung unserer Heimat.
Im Namen von Kreisausschuss und Kreisvertretung Heiligenbeil. Karl-August Knorr, Kreisvertreter, Bad Schwartau, Ortsteil Rensefeld, Kreis Eutin

Seite 7 Lyck
Gesucht werden:
Helmut Scharnetzke (1928) aus Steinberg verschleppt
Franz Brozio (1889) aus Ulrichsfelde
Adolf Czernitzki, geb. 1904, aus Wachteldorf
Ernst Glagow und Frau aus dem Kreise Lyck
Anna Witt, Lyck, Yorckstraße 23a
Fritz Bartholoweizik, geb. 1886, aus Zielhausen
Angehörige des Gustav Gera, geb. Januar 1905, Wischniewen, gefallen 01.05.1945
Familie Franz Lalla, Bartendorf
Dannowski, Borschimmen oder Sawadden
Hans Masuhr, Heizer an der Bahn in Lyck, und Ehefrau Auguste
Hans Vorwald, Oberwachtmeister in Lyck, Remonteschule?
Bitte neue Anschrift melden! Wo wohnt Oberstraßenmeister Brozio jetzt?