[compgend-L] Forschung zu Familie Broicher

Liebe Forscherkollegen,
   bei der Suche nach der Bedeutung des Namens "Broicher" und eventueller
   Spuren der Familie habe ich wenig Erfolg gehabt. Ich habe die
   verschiedenen Hinweise auf die Ortschaften Broich gelesen, aber bin mir
   nicht klar, ob dies dann auch einfach die Menschen aus einem dieser
   Orte sind, die Broicher!??

   Lieber Bertold,

   die Endung -er deutet auf jemanden aus Broich hin.

   Es mu� aber nicht ein bestimmter Ort (Gemeinde, Stadt) sein, sondern
   ein Bruch, Brock, Brook = Moor, Sumpf.

   Dazu einige Erkl�rungen aus verschiedenen Namenb�chern:

   BR�CH althochdeutsch bruoch, der allgemeinste und durch viele Mundarten
   verbreitete Ausdruck f�r "Sumpf". Neben den gew�hnlichen Familiennamen
   auf -bruch findet sich in Ortsnamen niederdeutsches -brook, -br�ck
   (besonders in Westfalen),

   niederrheinisches -broich.

   Familiennamen

   1. BRUCH; vom und zum BRUCH (seit etwa 1358, Gut Bruch im KLreise Olpe
   in Westfalen); BESENBRUCH;

       ESCHENBRUCH; HACKENBRUCH; HAMBRUCH; VON HEIMBRUCH. (Stammhaus in
   Buxtehude, Comes

       Henricus de HEMBROKE kurz nach 1197); HUCKLENBRUCH; NONNENBRUCH;
   OTTENBRUCH;

       VAHLBRUCH; WILDENBRUCH; HOENSBROECH (sprich H�NSBR�CH).

   2. IMBRUCK; UHLENBRUCK. Genitiv BRUCKS (BRUXMEYER).

   3. BROOK; BROCK; Genitiv BROOKS (seit 1464 in Bosum bei Eutin);
   BROCKES; STICKELBROCKS.

       v. BUDDENBROCK (Stammhaus Brock bei Buer in Westfalen, Godescalcus
   Budde de Burc 1289 baute

       die Buddenburg); DEIPENBR.; v. DIEPENBR.; ELLERBR.; KAHLBR.;
   PAPENBR.; ROSENBR.;

       SCHMALBR.; STUCKENBR.; UHLENBR.

   4. BROICH; ASCHENBROICH (ESCHENBROICH); HUCKLENBROICH; KLEINHERZBROICH

   5. v. KER�ENBROIK (Johannes von Kerssebroke 1262).

   Gro�enteils sind die Benennungen dieser Art, ebenso wie die auf -brink,
   nicht Namen f�r Ortschaften, sondern sie bezeichneten, als sie auf die
   Personen �bertragen wurden, wirklich noch ein Bruch (Moor). So die
   nachfolgenden, die wenigstens in Rudolphs Lexikon sich nicht finden.

   VOM BRUCH; ZUM BRUCH; ERLBRUCH; ELSENBRUCH; GOSEBRUCH; HASSELBRUCH;
   M�HLENBRUCH

   VOM BROCKE; ZUM BROOK; EDELBROCK; GRIESENBROCK; KERKENBROCK;
   KORDENBROCK; KREYENBROCK; M�HLENBROCK; NOTTEBROCK; PIEPENBROCK;
   WIESBROCK:

   AUF DEM BRAUKE; VOM BRAUCK; MECKLENBRAUCK; OSTERBRAUCK; UHLENBRAUCK;

   M�HLENBRUCK.

   Zusammensetzungen mit -mann:

   BRUCHMANN; BROCHMANN; BROKMANN; BROOKMANN; BRAUKMANN.

   Zusammensetzungen mit -m�ller.

   BROCKM�LLER; BRAUKM�LLER.

   Ableitung auf -er (westf�lisch):

   BR�CHER;

   BROICHER;

   BR�KER; BR�CKER, urspr�nglich Hans im BROKE (Preu�.) - BREUCKER;
   H�TTENBR�UCKER; BREDENBR.

   Alle diese niederdeutschen Bildungen mit k sind vorzugsweise h�ufig in
   Westfalen und geh�ren zu den dort die Namengebung beherrschenden.

   Aus: Heintze-Cascorbi "Die deutschen Familiennamen".

   BROICH: aus dem in Nordwestdeutschland h�ufig vorkommenden Orts- und
   Flurnamen Broich entstandener Familienname.

   Aus DUDEN "Familiennamen"

   BROCK, BROCKMANN, (Brauckmann) Brockmeier, Brockm�ller, Brocksitter
   (Broichsitter), auch BR�CKER

   (bes. westf�l., nebst Br�ucker), sowie Im Bro(o)k (Im Brauck),
   Tombro(o)k, Tenbro(c)k u.�., nebst Brock(e)s, deuten alle auf die
   Wohnlage im "Bruch, Sumpf, Moor", in den tief gelegenen Gegenden
   Nord-Westfalens, Hannovers, Oldenburgs, Schleswig-Holsteins. Herman in
   dem broke 1413 Werdener Urbar, Joh. van dem Broke 1433 Mstr. Bartold
   vor dem Broke 1574 Lippe. Joh. Broc(k)man 1284 Ro (1346 Hi, 1474
   Barth), Joh. Br�ker 1367 Kiel, Chim Br�ker 1584 Amt Bukow/Meckl. Cord
   de Vorste brucmoller 1360 Hann., Tile Brockm�ller 1491 Wormelitz, Ebel
   Brockmoller 1422 Anklam. Zu BR�CKING vgl. B�sching, H�lting!

   Aus: Hans Bahlow "Niederdeutsches Namenbuch"

   BROICH, Grevenbroich, h�ngt mit einem Familiennamen urspr�nglich
   zusammen "Bruch"; curtis (Geh�ft) bruche 1166; 1404: Broiche;
   mittelhochdeutsch bruoch ist Moorboden, Sumpf; vgl. dazu ouwe = Wasser,
   Strom, w�sseriges Land, "Insel".

   ï¿½hnl. N.: FN 1136 G: Weinberg Hecen-bruch = Heckenbruch b. Ahrweiler;
   1117: Hof in Bruechene; vgl. FN Frohnenbroich, 1495 Vronen-brik; Hof zu
   Cleynen-broiche 1405; Ulen-broiche 1402; angels. ule = Eule.

   Aus Friedrich Seuser "Rheinische Namen"

   Broich, mittelniederdeutsch br�k, ist sumpfige, mit Geh�lz bestandene
   Fl�che.

   Aus Josef Karlmann Brechenmacher "Deutsche Sippennamen"

   BRUCH "Sumpfland": Mittelhochdeutsch bruoch, althochdeutsch bruoh
   "Sumpfland, Moor", niederl�ndisch broek "Moorboden, nasses Uferland",
   englisch brook "Bach" sind dunklen Ursprungs. Das westgermanische Wort
   steckt in zahlreichen Ortsnamen, beachte z. B. Bruchsal, Br�ssel,
   Grevenbroich.

   Aus DUDEN "Das Herkunftsw�rterbuch"

   Viele Gr��e

   Heinz (Muhsal)

Lieber Bertold, lieber Heinz,

die Herleitung des FN BROICHER von hochdeutsch Bruch, niederdeutsch Brook (=
sumpfiges Gel�nde, aber auch Geh�lz, Baumgruppe, Wald) ist eine M�glichkeit,
wobei man daran denken sollte, dass die urspr�ngliche Aussprache des Namens
wohl 'Brucher' und nicht 'Breucher' gewesen sein wird (s.a. Ortsnamen im
Niederrheinischen, beispielsweise Grevenbroich und Korschenbroich, die
auch -bruch und nicht -breuch lauten).

Ausgehend von der Aussprache 'Bruch', lie�e sich der FN BROICHER (gesprochen
also 'Brucher') unter Umst�nden auch von mittelhochdeutsch 'brucker' (=
Einnehmer des Br�ckenzolls; mhd. 'brucke' = Br�cke) herleiten.

Die Feststellung eines nicht n�her bezeichneten Namensbuches, dass
"niederdeutsches -brook" besonders in Westfalen beheimatet sei, ist so nicht
richtig. Diese Form ist die im Niederdeutschen generell �bliche, kommt also
im gesamten niederdeutschen Gebiet (einschlie�lich Ost- und Westpreu�ens)
vor (s. z.B. den Kieler Stadtteil D�sternbrook = dunkles Geh�lz).

Viele Gr��e

Rolf-Peter

Lieber Rolf-Peter,

   -bruch und -bruck sind Bezeichnungen f�r Moor, Sumpf usw., wobei -bruck
   auch -brook geschrieben wird, je nach Landschaft.

   --bruck kann auch eine Br�cke bezeichnen.

   ï¿½brigens wird hier am Niederrhein fast immer Grevenbuch gesagt, nicht
   Grevenbreuch.

   Als Ort nach einer Br�cke benannt, gibt es Grevenbr�ck.

   Im Buch von Heintze-Cascorbi "Die deutschen Familiennamen" hei�t es zu

   BR�CK

   "der an der Br�cke". (althochdeutsch prucca, mittelhochdeutsch brucke,
   br�cke, br�gge).

   An der Spitze der davon abgeleiteten Ortsnamen steht Br�gge in Flandern
   (schon im 7. Jh. Brugae); jetzt au�erordentlich viele Namen auf -br�ck,
   -bruck, -br�cken (Dat.Plur.); -br�gge, -brugg, -bruggen.

   Familiennamen

   1. -bruck: Bruck; von Wydenbruyk (O. -brugge).

   2. Br�ck: Delbr�ck (ort am Haustenbach i. Westf.); Geutebr.; Steinbr.;
   Wiedenbr.; Zweibr. (O. -br�cken).

   3. -br�gge: Br�gge; Delbr.; Esselbr. (Westf.); Steenebr.

   4. -br�cken: von Zweibr�cken.

   5. -br�ggen: Osenbr�ggen.

   Ableitung auf -er (oberdeutsch und westf�lisch):

   1. -brucker: Brucker (Baden); Prucker (bair.); Haarbr. (Salzb.);
   Tiefenbr.

   2. -br�cker: Br�cker; Haarbr.

   3. -brugger: Brugger (Baden); Prugger (�sterr.).

   4. -br�gger: Erdbr�gger; Ibr. (Westf.)

   Verkleinerungsform Br�ckel (1315 dictus an dem Bruggelin)

   BRUCKHEI "Br�ckenaufseher" Auch Bruggey. Dass. ist Bruckert
   (Bruckwart).

   Aus DUDEN "Das Herkunftsw�rterbuch":

   Br�cke: Die �lteste Form der Br�cke in germ. Zeit war der Kn�ppeldamm
   oder Bohlenweg in sumpfigem Gel�nde. Die Fl�sse wurden in Furten oder
   auf F�hrbooten �berquert, kleinere Gew�sser auch auf bohlenbelegten
   Stegen. So sind mittelhochdeutsch br�cke, brucke, althochdeutsch
   brucca, niederl. brug, engl. bridge, schwed. brygga nahe mit Pr�gel
   "Holzscheit, Kn�ppel verwandt und geh�ren zu einer indogermanischen
   Wurzel bhreu-, bhru- "Balken, Kn�ppel".

   Lieber Rolf-Peter, wie Du siehst, kommt -bruch bei den Namen mit
   Br�cken nicht vor.

   Zum "nicht n�her bezeichneten Namenbuch" sieh einfach unter den
   verschiedenen Abschnitten nach.

   Ich schreibe bei Ausk�nften immer Titel und Autor dazu.

   Zu -bruch und -br�ck kann ich aus mindestens 50 weiteren B�chern
   Auskunft geben, meist wiederholt sich aber alles.

   Viele Gr��e

   Heinz (Muhsal)

   die Herleitung des FN BROICHER von hochdeutsch Bruch, niederdeutsch
   Brook (=
   sumpfiges Gel�nde, aber auch Geh�lz, Baumgruppe, Wald) ist eine
   M�glichkeit,
   wobei man daran denken sollte, dass die urspr�ngliche Aussprache des
   Namens
   wohl 'Brucher' und nicht 'Breucher' gewesen sein wird (s.a. Ortsnamen
   im
   Niederrheinischen, beispielsweise Grevenbroich und Korschenbroich, die
   auch -bruch und nicht -breuch lauten).
   Ausgehend von der Aussprache 'Bruch', lie�e sich der FN BROICHER
   (gesprochen
   also 'Brucher') unter Umst�nden auch von mittelhochdeutsch 'brucker' (=
   Einnehmer des Br�ckenzolls; mhd. 'brucke' = Br�cke) herleiten.
   Die Feststellung eines nicht n�her bezeichneten Namensbuches, dass
   "niederdeutsches -brook" besonders in Westfalen beheimatet sei, ist so
   nicht
   richtig. Diese Form ist die im Niederdeutschen generell �bliche, kommt
   also
   im gesamten niederdeutschen Gebiet (einschlie�lich Ost- und
   Westpreu�ens)
   vor (s. z.B. den Kieler Stadtteil D�sternbrook = dunkles Geh�lz).
   Viele Gr��e
   Rolf-Peter

Lieber Heinz,

vielen Dank f�r Deine Flei�arbeit. Als Germanisten sind mir die
verschiedenen Formen und Ableitungen durchaus bekannt. Mit Deinem
Einleitungssatz - " -bruch und -bruck sind Bezeichnungen f�r Moor, Sumpf
usw., wobei -bruck auch -brook geschrieben wird, je nach Landschaft" -
best�tigst Du meine �berlegungen zu einer m�glichen Alternative der
Herleitung des FN BROICHER. Interessant erscheint mir insbesondere die
Schreibform des FN (hier: -oi-), die auf eine urspr�ngliche Herkunft aus dem
Niederrheingebiet hinweist (vgl. a. die Schreibweise -oe- im
Niederl�ndischen f�r den gleichen Laut). Die niederdeutsche Wortform Brook
findet sich in s�mtlichen niederdeutschen Regionalw�rterb�chern. Die um
'Geh�lz, Baumgruppe, Wald' erweiterte Bedeutung des Wortes kann
beispielsweise auch bei Lindow, Wolfgang. Plattdeutsches W�rterbuch, hrg.
vom Institut f�r Niederdeutsche Sprache, Reihe Dokumentation Nr. 8.
Schuster: Leer 1984 nachgeschlagen werden. Zus�tzlich weise ich darauf hin,
dass sich der Begriff 'brucker' (= Einnehmer des Br�ckenzolls) bei dem
�blicherweise in Seminaren zum Mittelhochdeutschen verwendeten Werk
'Matthias Lexers Mittelhochdeutsches Taschenw�rterbuch' aus dem S. Hirzel
Verlag in Stuttgart findet.

Viele Gr��e

Rolf-Peter