Churstadt Herzberg

Liebe Mitforscher,

ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit Vorfahren (Augenärzten)
die sich ca 1570 bis 1628 in der "Churstadt" Herzberg
(an der schwarzen Elster) aufhielten.
Ich suche nach Urkunden aus dieser Zeit, und bin in Wernigerode kürzlich
fündig geworden, zB. Kauf- und Handelsbuch 1620.
Ich werde in Kürze auch in Dresden suchen.

Zwei Fragen möchte ich in die Runde stellen:
1) Wo liegen noch Urkunden aus dem "Meißnischen" Herzberg aus dieser Zeit?
2) Was bedeutet "Churstadt" in dieser Zeit? (Der Kurfürst residierte nach meiner
Kenntnis zu dieser Zeit in Wittenberg oder Torgau; und mein Eindruck, den ich
aus Wernigerode mitbrachte, ist dass Herzberg eine bitterarme Stadt, gerade
im Vergleich zu Schweinitz, Jessen und Prettin war, mit nur wenigen Steuerzahlern).

Herzliche Grüße,
Matthias Waack

Sehr geehrter Herr Waack!

In Wikipedia habe ich folgendes gefunden.
" Hirzberg der heutige Name Herzberg. Graf Friedrich II. von Brehna (1156–1181) verfügte zunächst nur über die Schutzherrschaft über das Gebiet, später nahm er es als erledigtes Lehen in seinen Besitz. Vermutlich waren es niederländische Wasserbauern, welche Gräben und Wälle um die Stadt anlegten um die Stadt auszubauen und zu befestigen; es handelte sich dabei um Lapine, Mühlgraben, Nord- und Südpromenade. Nach dem Tod von Graf Otto III. (IV.) von Brehna († 1290) übertrug König Rudolf am 31. August 1290 die Grafschaft Brehna mit der Stadt Herzberg als erledigtes Lehen an die Wettiner in Wittenberg, den Askanierherzog Rudolph I. Die Bürgerschaft erwirkte es die Stadt als Kurstadt dem Fürsten zu unterstellen. 1361 erwarb die Stadt Herzberg das Privileg über den Salzmarkt. Der mittelalterliche Fernhandel von Leipzig über Torgau führte an Herzberg vorbei nach Frankfurt/Oder. 1467 erwarb die Stadt vom Kurfürsten die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand. Die Stadt besaß Geleitsfreiheit in ganz Kursachsen, pachtete aber 1558 das „Haupt und Beigeleit“ an der Straße Leipzig–Frankfurt/Oder. Schon 1522 wurde der evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache durch Johannes Wagner eingeführt. Philipp Melanchthon verfasste 1538 eine Schulordnung für das hier ansässige Gymnasium, die im Laufe des 16. Jahrhunderts in ganz Deutschland übernommen wurde.

Herzberg gilt als eine der wenigen deutschen Städte, die während des 30-jährigen Krieges nicht erobert werden konnten. Bedingt wurde das durch ein umfangreiches Fluss- und Grabensystem."

Churstadt bedeutete also, daß die Stadt direkt dem Churfürsten unterstellt war und nicht einem anderen Lehnsherren. Zu vergleichen im Reich mit einer reichsfreien Stadt.

Arm kann der Ort wohl auch nicht gewesen sein, denn dann hätte man ja wohl kaum so umfangreiche Befestigungsanlagen bauen können. Ich vermute, daß der Salzhandel einigen Wohlstand brachte.

Viele Grüße

Jürgen Schweimler

Guten Morgen Herr Schweimler,

was für ein schönes "Osterei". Danke für den Hinweis!
Dass sich fahrende Mediziner an einem wichtigen Strassenkreuz
niederlassen, scheint nachvollziehbar. (Übrigens scheint kaum einer
der vielen "Oculisten" dieser Familie älter als 35 geworden zu sein).

Aus dem Text ergibt sich nochmal eine Frage, die ich in die
Runde stellen möchte: was verstehe ich unter "Geleitsfreiheit"?
Was hatte das für Konsequenzen für einen (reisenden?) Einwohner)

Mit den besten Grüßen für die Ostertage,
Matthias Waack