Geehrte Listenleser,
Ostern hat SEHR viele Varianten (s.u. 'Hahnenschlagspiele' in Siebenb�rgen...); auch habe ich mich heute mit 'Osterwasser' begossen (s.u.), ... aber meine Frau meint, sie sehe keinen Unterschied ....
Vielleicht sollte ich doch noch ein Eichh�rnchen opfern (s.u.)... ?
Vergn�gliche famili�re Ostern w�nscht
Hanno V.J.Kolbe
Ostergebr�uche:
Ostern gilt, gleich dem Weihnachtsfest, als ein Freudenfest, bes. f. die Jugend, weshalb die Kirche eine Reihe von alten Gebr�uchen, z.B. das von der Kanzel erz�hlte Osterm�rchen u. die Ostergel�chter, die diesem Scherze folgten, mehr od. weniger in Verbindung od. innerhalb der kirchl. Feier hat fortbestehen lassen, obwohl sie zum guten Teile aus heidn. Zeiten stammen u. urspr�ngl. wahrschl. einer Fr�hlingsgottin Ostara gewidmet waren. Wie noch heute das Osterfest f. viele, die in Handwerks- u. Erwerbsbanden schmachten, die erste Begr�ssung der neuerwachenden Natur auf dem �Osterspaziergang� zu vermitteln pflegt, so begr�sste man ehem. das Fest der neuerstandenen Sonne mit T�nzen, Aufz�gen, dramatischen Spielen u. Freudenfeuern; man stellte dabei bildlich den Abschied des nach vielen K�mpfen besiegten Winters durch den Kampf gegen eine Puppe dar, deren Steinigung, Ers�ufung od. Verbrennung den Schlusseffekt des Festes bildete.
Die hierzu im NW-Teil von Deutschland bis nach Holland, im N bis nach D�nemark u. im S bis Th�ringen u. Hessen �blichen Osterfeuer, in die man ein Eichh�rnchen als Opfertier, ein Bockshorn, in Th�ringen einen Pferdekopf warf, mussten mit �neuem Feuer� entz�ndet werden u. bildeten den Mittelpunkt eines gemeinschaftl., auf bestimmten Bergen (Osterbergen od. Paskebergen) der Gegend gefeierten, der Ackerfruchtbarkeit u. Viehgesundheit gewidmeten Kultes. Das Osterfeuer wurde in ver�nderter Gestalt in den Kultus der griech. u. russ. Kirche aufgenommen, wo man, �hnl. wie in andern Gegenden zu Weihnachten, mit Lichtern zur Kirche geht, u. am Heilig. Grabe zu Jerusalem bildete das angebl. sich von selbst entz�ndende Osterfeuer seit lg. Zeit den Gegenstand einer unw�rdigen T�uschung, die wiederholt u. noch 1895 zu blutigen K�mpfen in der Kapelle f�hrte, weil die Religionsparteien einander den ersten Zutritt zum Osterfeuer streitig machen. In Deutschland ist der Gebrauch der Osterfeuer vielfach auf den Sonntag Invokavit (Funkensonntag) verlegt, ebenso wie die Vertreibung des Winters u. das sogen. Todaustragen oft mit dem Maifest verbunden wurden. Dagegen haben sich die symbol. Speisen des alten Fr�hlingsfestes, welche, wie Osterfladen, Osterei u. Osterhase, meist Symbole der Auferstehung u. Fruchtbarkeit waren, bis heute erhalten, u. namentl. die bunt gef�rbten Ostereier geben Veranlassung zu zahlreichen Wettl�ufen u. Spielen der Jugend, wobei eben Eier die Preise od. Gewinne darstellen. Der einst der Fr�hlingsg�ttin Venus (Freyja) heilig. Osterhase, der meist in Kuchenform gebacken u. verzehrt wird, ist heute ein ziemlich unverst�ndliches Symbol geworden; teilweise wird er durch das Osterlamm ersetzt, welches hier u. da, aus Butter od. Kuchenteig geformt, mit zu den Gegenst�nden (Eiern, Mehl, Salz etc.) geh�rt, welche in kath. L�ndern noch heute in der Kirche zu Ostern eingesegnet werden. An die Stelle der ehem. �blichen Feuerweihe ist meist die Einsegnung in die Kirche gebrachter gr�ner Reiser u. Str�usse aus �Weidenpalmen�, Stechginster u. andern immergr�nen Zweigen getreten. Diese Palmenweihe, die irrt�mlich in vielen Gegenden auf den Palmsonntag verlegt wird, geh�rt ebenfalls zu den alten heidn. Ostergebr�uchen, denn die geweihten Zweige sollten nicht nur das Haus bis zur n�chsten Erneuerung vor Blitz u. Feuersgefahr sch�tzen, sondern sie werden an vielen Orten auch mitsamt den Schalen der Ostereier u. den Kohlen der Osterfeuer in den Ecken der Felder eingesteckt od. vergraben, um diese fruchtbar zu machen. Anderseits werden gr�ne getriebene Baumzweige namentl. im O-Teil von Deutschland als Symbol der Fruchtbarkeit u. des Gedeihens, geradeso wie in Altindien u. Rom (wo namentl. auch das Vieh mit den ersten gr�nen Zweigen, den Lebensruten, geschlagen wurde) zum St�upen (Osterstiepe, Kindleinstreichen) derjenigen gebraucht, denen man Gutes w�nscht. Fr�h am Ostermontag (an andern Orten auch am Palmsonntag, selbst am Stephanstag od. Pfefferleinstag), suchen sich Eltern u. Kinder gegenseitig in den Betten zu �berraschen, um die gesundheitbringenden Rutenstreiche einander auf den nackten Leib applizieren zu k�nnen. Die Kinder od. Bediensteten erhalten daf�r ein bes. Geschenk in Geld od. Leckereien (Schmackostern od. Schmeckostern).
Als ein �hnl. �berbleibsel aus der Heidenzeit erscheint das Sch�pfen des Osterwassers beim Aufgang der nach dem Volksglauben dreimal vor Freuden aufh�pfenden Ostersonne an einer gegen Morgen fliessenden Quelle, ohne dass dabei ein Wort gesprochen wird; das hier u. da in der Kirche mit eingesegnete Osterwasser, mit welchem sich die jungen Leute gegenseitig begiessen, soll sich dann das ganze Jahr frisch erhalten, heilbringend u. versch�nernd wirken. An den Osterfeiertagen werden in verschiedenen Gegenden bestimmte Osterspiele ausgef�hrt, in S�ddeutschland vorzugsweise Eierspiele, in der Mark, Westfalen u. England das Osterballspiel, was fr�her selbst in den Kirchen ge�bt wurde, wie Beleth (1165) aus Frankreich berichtet. Der Ball scheint das Symbol der steigenden Sonne gewesen zu sein u. wurde meist in Verbindung mit dem j�ngsten Ehepaar gedacht, welches die Kosten des Ballspiels bestritt, weshalb der Osterball auch Brautball hiess. In den slav. L�ndern u. Hellas (Griechenland) feiert man Ostern mit feierl. Reigent�nzen, in Erdely-Orsz�g (Siebenb�rgen) mit Hahnenschlagspielen, in Russland mit allgem. Volksbelustigungen auf dem Anger, woselbst sich ein vollkommenes Jahrmarktstreiben u. ein Heiratsmarkt (Krassnaja-Gorka, Brautschau) entwickelt.
Histor. Litteratur: Freybe �Ostern in deut. Sage, Sitte u. Dichtung� (G�tersloh 1893).
Quellennachweis:
Meyers Konvers.-Lexikon, Bd. 13, 5. Aufl. (1896), Ed. Bibliograph. Inst., Leipzig u. Wien, Seite 281-282.