Hallo Andreas,
mit dieser Fragestellung befasse ich mich auch. Mein bisherigen Ergebnisse
dazu sind ebenfalls gering.
Was ich bislang herausfinden konnte:
Bis zu der Zeit des Aufkommens des Nationalismus (19.Jhd.) diente man
zuerst dem Landesherren bzw. seiner Grundherrschaft. Schlesien war immer
ein oder mehrere selbst�ndige Herzogt�mer, seit 1392 unter der B�hmischen
Krone. Vertreter des K�nigs von B�hmen war der Landeshauptmann. In
unserem Gebiet (Waldenburger Bergland) war sein Sitz in Schweidnitz.
Dem einfachen Untertanen war es sicherlich egal wer nun der Landesherr war,
solange dieser Religionsfreiheit gew�hrte und sich der Untertan nicht
religi�s
umerziehen/umdenken musste. Wie war es aber mit den Grundherren, die
dem Landesherren eine Treueeid geschworen hatten? Eine interessante
Anmerkung fand ich in der Chronik von Tannhausen:
http://www.boehm-chronik.com/tannhausen.htm
"In der Zeit des ersten Schlesischen Krieges (1740-1742) geh�rte das
Rittergut
Tannhausen dem General-Feldmarschall Freiherrn Hans Christoph von
Seherr-Tho�, welcher in �sterreichischen Diensten stand. [...] Da Friedrich
der Gro�e w�hrend des 1. Schlesischen Krieges dem �sterreichischen
Feldmarschall nicht traute, beschlagnahmte er alle seine G�ter, gab sie
jedoch
1747 wieder heraus. Der Feldmarschall starb 1743 in Br�nn."
Ferner habe ich in meiner Sippenliste 1740 einen George B�hme
(1742 Georg Friedrich B�hm) als Kammerdiener auf Schloss F�rstenstein.
Welche Funktion er als Kammerdiener innehatte, konnte ich noch nicht
feststellen. Die T�tigkeit eines Kammerdieners des Grafen war weitreichend,
von der Pflege der Per�cken bis hin zum Privatsekret�r.
In der Chronik von Hermsdorf gibt mir folgender Eintrag zu denken:
"Da erschien am 5. Juni 1769 die neue schlesische Bergordnung, deren
Hauptpunkt darin bestand, da� das Abbaurecht als Regal des Staates erkl�rt
wird. Neu war das Vorbaurecht, das den Grundherren einger�umt, durch
die Deklaration vom 1. Februar 1790 aber in ein Mitbaurecht des
Grundbesitzers umgewandelt wurde."
In Zeiten der Habsburger war die Nachfrage nach Steinkohle noch schwach
und der Kohleabbau hatte sich noch nicht so entwickelt. Die Kohlenbauern
betrieben den Kohleabbau teilweise als Nebenerwerb zu ihrer Landwirtschaft.
Die Preussen r�umten nun dem Grundherren zu Lasten der Kohlenbauern mehr
Privilegien ein, die sie aber 1790 wieder r�ckg�ngig machten. Warum?
Sicherlich
wollten die Preussen nach der �bernahme Schlesiens ihre Macht festigen und
gaben
deshalb den Grundherrschaften mehr Rechte als diese vorher hatten. Die
Grundherrschaften waren seinerzeit die unterste Stufe der Verwaltung.
In meiner direkten Linie kaufte mein Urgrossvater 1870 den Gasthof
"Zur Stadt Wien" in Langwaltersdorf. Warum er wohl nach dem Krieg von 1868,
Preussen gegen �sterreich, dem Gasthof einen damals sicherlich
provozierenden
Namen gab, ist bemerkenswert. Der grosse Krach 1890 mit der Verwandtschaft
war also vorprogrammiert.
http://www.boehm-chronik.com/forschung/stadtwien.htm
Was haben die Menschen damals gedacht, wie haben sie gef�hlt, wie wurden sie
von der Politik manipuliert? Sicherlich genau wie heute.
Herzliche Gr�sse aus Upstate New York,
Guenter Boehm (*1939 Friedland, Kreis Waldenburg in Schlesien)