ich habe heute eine bisschen ungewöhnliche Anfrage.
Meine Großmutter ist im Dezember 1904 in Neuendorf im Landkreis Lyck. 1906
zog die Familie nach Gross-Mrossen östlich von Lyck, wo sie zum teil bis
1945 lebte.
Im August 1914 ist der südlichen und östliche Teil Ostpreußens von
russischen Truppen besetzt worden. Sie sind im September 1914
zurückgeschlagen, kamen aber im Oktober 1914 in den östlichsten Teil
Ostpreußens zurück - so wohl auch in den Landkreis Lyck. Erst im Februar
1915 wurde ganz Ostpreußen wieder von den Besatzungstruppen befreit.
Ich bin an Aufzeichnungen über die Zerstörungen interessiert. Gibt es
Dokumente? Wo kann ich sie einsehen? Es geht mir dabei nicht um
Schlachtbeschreibungen und historische Zusammenhänge, sondern um die
Verwüstungen, die konkret die Menschen Vorort betreffen. Wurden die
Zerstörungen dokumentiert? Gibt es Aufzeichnungen zu Verletzten und Toten
unter der Zivilbevölkerung?
Wer kann weiterhelfen? Ich bedanke mich schon mal vorab und wünsche einen
schönen Sonntagabend.
sehr umfangreich ausgewertet wurden die Akten durch: Dr. Fritz Gause: "Die Russen in Ostpreu�en 1914/15", Gr�fe und Unzer Verlag, K�nigsberg 1931.
D�e Akten, die im GStA in K�nigsberg vorhanden waren, wurden bis auf wenige (Kreis Johannisburg) fast vollst�ndig vernichtet.
jetzt:
GStA PK XX.HA. Rep. 235 Provinzialkriegsarchiv (Findbuch 561)
Kreis Johannisburg ist erhalten geblieben. (Nr.1-219)
Kirchspiel Adelig Kessel, Alt-Ukta, Arys, Baitkowen, Bialla, Bogumillen, Drygallen, Eckersberg, Gehsen, Gro� Rosinsko, Johannisburg, Skarzinnen, Turoscheln, Weissuhnen
Stadt Johannisburg
Die damaligen Aussagen der Dorfbewohner finden sich teilweise in Chroniken wieder, so zum Beispiel zum Ort Lipowitz (Lindenort) im Kreis Ortelsburg, zu dem ich eine handgeschriebene Chronik des Dorfschullehrers bearbeitet habe. Der Ersteller der Schulchronik Gottlieb Fiedrich verwies Anfang 1933 dabei auch auf das Provinzialkriegsarchiv.
Daneben gibt es viele Postkarten zu den Kriegszerst�rungen und nat�rlich auch einiges an Material zum Wiederaufbau.
Der Link f�hrt zu den Einlassungen eines mittelm��igen Historikers, der noch nicht einmal wei�, dass nicht beide, Hindenburg und Ludendorff, gleichzeitig Befehlshaber sein konnten und nat�rlich auch wieder das Geschehen des 1. Weltkriegs in Ostpreu�en zwanghaft mit dem Nazitum verkn�pfen muss. Erbarmung!
Klaus, der Kreis Pillkallen hatte 1914/15 drei Mal "Besuch" aus dem Osten,
dazu schicke ich Dir gleich etwas Anschauungsmaterial bilateral. Und
Lesestoff - authentisch - gibt es auch, wie z. B. die "Kriegschronik
Schirwindt von Pfarrer Alfred Färber, 1926".
Hier noch etwas aus meiner Familie: der Bruder meiner Großmutter wurde samt
Ehefrau 1914 nach Sibirien verschleppt, im Bahnabteil hinter Jekaterinburg
wurde eine meiner Tanten geboren, eine weitere am Baikalsee, 1918 kam die
Familie wieder zurück in die Heimat nach Wabbeln in den Kreis Stallupönen.
Und heute herrscht dort wieder die Große Wildnis, wie vor Jahrhunderten...
Gruß - Martin Kunst (früher Kermuschienen, Kreis Pillkallen)