Hallo Jan,
das ist leider falsch geschrieben. Es handelt sich um den "Fiscalis generalis" (mit "F"). Das ist der Vorsitzende des Kirchenvorstands, der sich um die weltlichen Belange der Pfarre (Besitz und Einnahmen, früher auch Kirchenärar oder Kirchenfabrik genannt) kümmert.
Gruß,
Joachim (Behmer)
Hallo zusammen,
jetzt haben wir drei Begriffsdeutungen des Begriffs Fiscal. Meine Definition stammt aus Haberkern/Wallach, Hilfsw�rterbuch f�r Historiker (dort nat�rlich deutlich ausf�hrlicher). Die anderen beiden Definitionen sind mir unbekannt.
Beste Gr��e
Wolfgang Schindler
-----Urspr�ngliche Nachricht-----
Hallo in der Runde,
über Pfingsten erhielt ich den Hinweis auf ein ergänzendes zeitliche Hilfsmittel, nämlich den Adreßkalender des Hochstiftes Münsterfür das Schaltjahr 1776.
Dort findet sich u. a. der Prokurator Gerhard Deiters in der domkapitularischen Jurisdiktion des Amtes Wolbeck.
Mit freundlichen
Bodo Stratmann
Hallo,
der Begriff Fiscalis generalis kommt aus dem Kirchenrecht und bezieht sich nicht speziell auf Steuern, wie wir heute beim Stichwort "Fiskus" denken, sondern allgemein auf Finanzen und Vermögen. Daß "Steuereinnehmer" ins Lateinische mit "Fiscalis" übersetzt werden könnte, steht zwar in Wikipedia, ist deshalb aber noch nicht unbedingt richtig. Im Bereich einer Pfarre geht es wohl eher um die Kirchenfabrik, der Fiscalis ist ein weltlicher Funktionsträger der Pfarrgemeinde. Wenn es sich um einen Steuereinnehmer handelte, wäre das sein Beruf, der genausowenig wie Schuster, Schneider, Bäcker im Kirchenbuch erwähnt werden müßte. Ob es im kleinen Nordwalde überhaupt einen Steuereinnehmer ("exactor") gab, entzieht sich meiner Kenntnis.
Aus der Schule weiß ich noch: "Custos - der Wächter, sedebat - er saß, in turri - auf dem Turme, cum tuba - mit der Blas." Da ist ganz klar von einem Nachtwächter die Rede. In dem Kirchenbuch lasse ich mich durchaus auf den Küster ein, das ist auch ein weltlicher Funktionsträger oder ein Angestellter der Pfarrgemeinde.
Gruß,
Joachim (Behmer)
Lieber Joachim,
die Steuereinnehmer im 17./18. Jahrhundert waren nie hauptamtlich tätig. Vielfach zogen die grössten Landwirte Steuern und auch Zehnten ein. Letztere haben sich oft auch gepachtet. In Nörvenich Krs Düren trug so rin Gutspächter noch den Namen " Fängers ch" für (Empfänger ein). Ausserdem muss man sich hüten Kirchenlatein bzw Mittellatein mit klass Latein zu übersetzen. Da gibts dann die herrlichsten Missverständnisse.
Gruss
Frank Stupp
Beruflich lokal in Nordwalde vernetzt waren in der zeitlich zuständigen Amtsstruktur: