Liebe Liste, in einer alten Aufzeichnung finde ich einen Begriff Freismann
in Verbindung mit einer Ehevermittlung. Ob das wohl ein richtiger Ausdruck
ist? So mancher hat sich dabei einen Kuppelpelz verdient heiß es weiter.
Wer kann helfen?
Beim Googeln ist zu Freismann nichts zu finden, deshalb bin ich sehr
unsicher, um den Begriff so einfach zu übernehmen.
Hallo Martin,
wegen des Begriffs "auf Freiersfüßen" habe ich danach gesucht und auch etwas
gefunden, sogar von Goethe:
FREIERSMANN [Lfg. 4,1], m. nuptiarum conciliator, der einem die braut wirbt,
brautwerber: ich will freiersmann sein. was krieg ich, wenn ich sie dir
kupple? GÖTHE 11, 14; só war ich freiersmann, só bin ich jetzt gesandter.
20, 306;
hatten die eltern die braut für ihren sohn sich ersehen,
ward zuvörderst ein freund vom hause vertraulich gerufen.
diesen sandte man dann als freiersmann zu den eltern
der erkorenen braut, der dann in stattlichem putze
sonntags etwa nach tische den würdigen bürger besuchte,
freundliche worte mit ihm im allgemeinen zuvörderst
wechselnd, und klug das gespräch zu lenken und wenden verstehend.
endlich nach langem umschweif ward auch der tochter erwähnet
rühmlich, und rühmlich des manns und des hauses, von dem man gesandt war.
kluge leute merkten die absicht, der kluge gesandte
merkte den willen gar bald und konnte sich weiter erklären.
lehnte den antrag man ab, so war auch ein korb nicht verdrieszlich.
aber gelang es denn auch, so war der freiersmann immer
in dem hause der erste bei jedem häuslichen feste,
denn es erinnerte sich durchs ganze leben das ehpaar,
dasz die geschickte hand den ersten knoten geschlungen. GÖTHE 40, 301.
Demzufolge ist der Freier schon vor dem 18. Jahrhundert, zumindest als
"Kuppler", nicht der um eine Ehefrau sich Bewerbende, sondern einer, der ein
sehr viel kurzfristigeres Interessa an einer Frau hat.
Und es gibt auch die "Freierin".
die (vorwiegende) Bedeutung des Wortes Freismann ist lt. Riemann: "Preu�isches W�rterbuch", Band II (Fi-J), Spalte 142, sehr von der Wohngegend abh�ngig. Danach bedeutete 'Freismann' (1) im nicht n�her bezeichneten Ostpreu�en (l�sst deshalb auf eine weite Verbreitung schlie�en), im Weichselm�ndungsgebiet und iauf der Danziger H�he 'Brautwerber, Heiratsvermittler', (2) im Ermland, Natangen, Ostgebiet, Samland und Weichselm�ndungsgebiet, sonst auch vereinzelt 'Freier', (3) in Spittehnen Krs. Bartenstein, Tenknitten Krs. Preu�isch-Eylau sowie in Gro� Nuhr und Pregelswalde Krs. Wehlau 'Trauzeuge' und schlie�lich (4) in Gr�nflie� Krs. Gumbinnen sowie in Lindenhaus Krs. Schlo�berg 'Schwiegersohn'.
Eine eingeschr�nktere Bedeutungsvielfalt gibt es f�r die Ausdr�cke 'Freisfrau', 'Freisgevatter', 'Freisleute', 'Freismutter' und 'Freisvater'.
Rolf-Peter, Deine Erkl�rung hat mich beinahe vom Stuhl gehauen. Da hat der alte Herr, seines Zeichens Dorfschmied in Kermuschienen im Kreis Pillkallen, den Begriff korrekt geschrieben, derweil wir ihn schon nach Alexa und Johann Wolfgang "eingedeutscht" hatten. Dir und Alexa herzlichen Dank f�r die Hilfe.
Mein Problem ist, dass da immer wieder Worte und Begriffe erscheinen, die selbst mir als altem Preu�en fremd sind. So suche ich schon seit Stunden nach einer Best�tigung f�r den Begriff "Okel", der soll f�r eine Babywiege stehen.
Falls Du so verm�gend sein solltest, das Preussische W�rterbuch in Deinem Besitz zu haben, darf ich Dich dann k�nftig direkt um Deine Hilfe bitten? Oder hast Du irgendwie einen Onlinezugang zu den 3600 Seiten gefunden?
Danke und sch�ne Gr��e aus dem k�hlen Oldenburger Land (wo der Riemann schon mal zuhause war..) -
Martin
"so verm�gend" musste ich in diesem Fall zum Gl�ck nicht sein, da ich als ehemaliger Mitarbeiter des 'Preu�ischen W�rterbuchs' in meiner Kieler Studienzeit die sich �ber viele Jahre hinziehenden Einzellieferungen (ca. 100 Seiten pro Lieferung) zu einem Vorzugspreis erwerben konnte. Du kannst gerne nachfragen, falls Du wieder auf ein unl�sbares Dialektproblem sto�en solltest. Allerdings muss man wissen, dass im W�rterbuch auch eine ganze Reihe ost- und westpreu�ischer Ausdr�cke fehlen, da nat�rlich nur das verzeichnet sein kann, was die Gew�hrsleute (Dialektsprecher) gemeldet haben. Dies wurde noch erg�nzt durch die Auswertung der vorhandenen Literatur - von Vorg�ngerw�rterb�chern �ber wissenschaftliche Arbeiten, "sch�ne" Literatur, bis hin zu Zeitschriften und Zeitungen (wie z.B. dem "Ostpreu�enblatt"). Auch Dialektaufnahmen auf Tonband wurden herangezogen. Das Riemannsche 'Preu�ische W�rterbuch' (das neueste seiner Art) steht zum direkten Internetzugriff leider nicht zur Verf�gung.
Nun zum Begriff "Okel": Als 'Wiege' ist mir das Wort nicht bekannt, es steht mit dieser Bedeutung auch nicht im 'Preu�ischen W�rterbuch'. Wie oben erw�hnt, schlie�t dies aber nicht aus, dass es "Okel" als 'Wiege' tats�chlich gegeben haben k�nnte.
Allgemein bedeutet "Okel" (auch in der Form "Oke" bekannt) aber 'Dachwinkel, Bodenwinkel, Raum zwischen Dachbodenbrettern und dem schr�gen Dach', manchmal auch 'kleine Dachkammer'. Evtl. k�nnte sich eine Verbindung zur Wiege dadurch ergeben, dass der Stirnteil der Wiege als 'Giebel' bezeichnet wurde.
Moin, Rolf-Peter, Michael und wer alles mir noch bisher geholfen hat, die Begriffe, die mein alter Herr in seinen Erinnerungen untergebracht hat, zu kl�ren. Wir sind jetzt etwa auf Seite 30, einige hundert kommen noch, alles handgeschrieben, bis auf die Kriegszeit, damit hat sich schon mal vor vielen Jahren jemand die M�he gemacht.
Zum Begriff Okel: weil in dem Satz ein Komma fehlte, war ich im Glauben, dass das ein anderes Wort f�r Wiege sein sollte. Tats�chlich wurde die Wiege vom Dachboden geholt, auch Okel genannt. Wie ich mich mit dem Satz besch�ftigt habe, war es dann auch schon so um Mitternacht, also Uleflucht. Und mit den Augen ist das ja auch schon so eine Sache.
Ich habe mir vorsorglich den Frischbier gespeichert, und so wie es aussieht, kann man damit leben (auch wenn es die Uleflucht 1883 noch nicht gegeben hat). Wenn ich dann mal nicht weiterkomme, dann melde ich mich wieder.
Noch einmal herzlichen Dank an alle Listies, Ihr seid Klasse -
Martin
(geboren in Kermuschienen im Kreis Pillkallen)