Bauern und Gärtner

Hallo Dr Claus Christoph,

ohne jetzt wieder in das endlose Thema Gärtner einzusteigen, die Bezeichnung Gärtner
= Kleinbauer bei Wikipedia ist absolut korrekt, wenn man von der Entstehung des Begriffs
ausgeht. Auch die Bezeichnung Gärtner im 19. Jh. geht in der Regel von der Gärtnerstelle
aus. Wenn sich mit dem Begriff Gärtner regional Standesbezeichnungen bilden, die faktisch
der eines Tagelöhners entsprechen (der klassische Tagelöhner jener Zeit war eigentlich
der Häusler, der sich auf dem Bauergut als Tagelöhner verdingte), ändert das nichts an
der besten, auf den kleinsmöglichen Nenner gebrachten Definition.
Der Begriff Gärtner ensteht nach der deutschen Ostsiedlung im mittelostdeutschen Raum,
der besiedlungsgeschichtlich und kulturell eine gewisse Einheit bildet, aus der Unterscheidung
zwischen "mit Fuhrwerk fronenden" und "mit der Hand fronenden" Bauern, in Sachsen auch
Pferdner und Gärtner genannt. Die Bezeichnung blieb immer an die Stelle gebunden, so dass
es in Sachsen um am Ende des Mittelalters u.a. Güter gab, die zu den Größten in einer Region
gehörten, mit Vieh und Pferden, und in den Kaufverträgen immer nur als Gärtnergüter bezeichnet
wurden. Im Grunde genommen, wie ein steuerliches Privileg behandelt, auf dass man nicht
verzichten wollte.
Der Begriff Gärtner suggeriert also von der Entstehung her bereits einen Kleinbauern,
was nicht immer zutraf, in die eine wie in die andere Richtung (Tagelöhner / Bauergutsbesitzer)
aber für die Masse der bis ins 19. Jh. als solche bezeichneten nach wie vor zutreffend war.
Der Besitzer einer Gärtnerstelle wurde automatisch Gärtner genannt, egal ob sie durch Erbteilung
oder Verkauf auf ein Haus mit Vorgarten geschrumpft war. Genauso wie aus einem Häusler und
Ackerbesitzer kein Gärtner wurde.

Gruß Jürgen

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Hallo J�rgen (Marx),

danke f�r Deine Erweiterung des Themas.

Die Bezeichnung G�rtner
= Kleinbauer bei Wikipedia ist absolut korrekt, wenn man von der Entstehung des Begriffs
ausgeht.

Wie der von mir ins Netz gestellte Vertrag zeigt, waren die "G�rtner", die zu der Oberschlesischen Gutswirtschaft geh�rten, keine Bauern, sondern abh�ngig landwirtschaftlich T�tige.

Mit dem Begriff "Bauer" verbindet man im deutschrechtlichen Dorf einen freien und selbst�ndigen Landmann.

Nat�rlich gab es z. B. auch in Niederschlesien "G�rtner", die �hnlich frei wie ein Bauer arbeiteten, aber kein Getreide anbauen durften, sondern anderes (Flachs, Gem�se, Obst usw.). Sie hatten deshalb im Dorf auch andere Rechte als Bauern, unterlagen nicht dem Flurzwang und durften ihre G�rten einz�unen, was Bauern wegen der Hutung im Herbst stets verboten war.

Auch die Bezeichnung G�rtner im 19. Jh. geht in der Regel von der G�rtnerstelle
aus. Wenn sich mit dem Begriff G�rtner regional Standesbezeichnungen bilden, die faktisch
der eines Tagel�hners entsprechen (der klassische Tagel�hner jener Zeit war eigentlich
der H�usler, der sich auf dem Bauergut als Tagel�hner verdingte), �ndert das nichts an
der besten, auf den kleinsm�glichen Nenner gebrachten Definition.
Der Begriff G�rtner ensteht nach der deutschen Ostsiedlung im mittelostdeutschen Raum,
der besiedlungsgeschichtlich und kulturell eine gewisse Einheit bildet, aus der Unterscheidung
zwischen "mit Fuhrwerk fronenden" und "mit der Hand fronenden" Bauern, in Sachsen auch Pferdner und G�rtner genannt.

In der deutschen Ostsiedlung nach deutschem Recht gab es keine "Fronenden" mehr. Diese geh�rten zum slawischen Recht und auch zuvor zum Recht des fr�hmittelalterlichen Villikationssystem, das sich aber ab dem 12. Jahrhundert �berlebt hatte und dem Dorf mit Scholz und Bauern wich - ausser z. B. in Pommern und Teilen Oberschlesiens unter slawischem Einflu�.

Die Bezeichnung blieb immer an die Stelle gebunden, so dass
es in Sachsen um am Ende des Mittelalters u.a. G�ter gab, die zu den Gr��ten in einer Region
geh�rten, mit Vieh und Pferden, und in den Kaufvertr�gen immer nur als G�rtnerg�ter bezeichnet
wurden. Im Grunde genommen, wie ein steuerliches Privileg behandelt, auf dass man nicht
verzichten wollte.

Das ist richtig, eine Stelle konnte ihren Umfang wesentlich ver�ndern, aber die Bezeichnung war etwa bis 1800 unverr�ckbar.

Der Begriff G�rtner suggeriert also von der Entstehung her bereits einen Kleinbauern,
was nicht immer zutraf, in die eine wie in die andere Richtung (Tagel�hner / Bauergutsbesitzer)
aber f�r die Masse der bis ins 19. Jh. als solche bezeichneten nach wie vor zutreffend war.

Nein, hier kann ich leider nicht zustimmen, weil der Begriff "Bauer" die Selbst�ndigkeit impliziert. "Nebenerwerbs-Bauer" k�nnte ich aber f�r gewisse sp�te G�rtner akzeptieren.

Der Besitzer einer G�rtnerstelle wurde automatisch G�rtner genannt, egal ob sie durch Erbteilung
oder Verkauf auf ein Haus mit Vorgarten geschrumpft war. Genauso wie aus einem H�usler und Ackerbesitzer kein G�rtner wurde.

Ja, G�rtner war der Inhaber einer so bezeichneten Stelle.

Ich glaube, wir liegen in unserer Auffassung nicht so auseinander, aber G�rtner = Kleinbauer erzeugt ein zu einseitiges und deshalb falsches Bild.

Mit freundlichen Gr��en

Claus (Christoph)