AW: OW-Preussen-L digest, Vol 1 #1612 - 16 msgs Diskussion Vertreibung

Hallo Listis,
ich bin relativ "neu" in der Liste. Das "relativ" bezieht sich auf den
Umstand, dass ich die Mails der Liste lese, aber bisher selbst keine eigene
Beitr�ge geschrieben habe. Zu Anfang hat mich diese Diskussion um
Vertreibung ehrlich gesagt, wegen ihrer eher negativen Tendenzen ein wenig
gest�rt. Mittlerweilen finde ich die Beitr�ge weder blah, blah noch sollte
man ein eigenes Forum f�r diese Diskussion aufmachen. Mein Vater ist 1936
von Grieslienen/Allenstein nach Soest in Westfalen gekommen und die
Diskussion um Vertreibung hat mit dem Schicksal meiner Gro�eltern, Onkeln
und Tanten zu tun. Wenn man sich aber mit der Familiengeschichte
auseinandersetzt, ist diese Zeit unverbr�chlich mit ihr verbunden. Wir
kommen gar nicht am Thema vorbei und wir sind gezwungen uns mit den
m�glichen Schwindeleien in Ahnenp�ssen einerseits und m�glichen
Beteiligungen von Familienangeh�rigen an Verbrechen im sogenannten 3.Reich
auseinander zusetzen. Das Ph�nomen die Verbrechen der Nazis relativen zu
wollen, trifft man nicht nur in dieser Liste an. Es gibt f�r das, was an
geplantem V�lkermord in der Zeit zwischen 1933 und 1945 stattfand, kein wie
auch immer gearteter Vergleich der Legitim w�re. Weder in dem
v�lkerrechtswidrigen Verbrechen der Vertreibung von Deutschen in den
Nachkriegsjahren noch in den Verbrechen des Pol Pot Regimes in Kambodscha
der vergangenen Jahre.
Ich bin aber der �berzeugung, dass auch wenn kein Vergleich stattfinden kann
und darf, das diese Zeit weder f�r die Menschen die vertrieben wurden, noch
f�r Die, die nun in deren H�user wohnen, tabu sein darf. Diese Diskussion
muss in einem gr��er werdenden Europa die politische Konsequenz haben, die
Vertreibungsgeschichten aufarbeiten zu wollen. Das Ergebnis kann aber zu
keiner R�ckgabe von Eigentum f�hren. Begangenes Unrecht kann nicht durch
neues Unrecht wieder gut gemacht werden.
Der Vergleich mit Deutschen j�dischen Glaubens, um dann von der Art ihrer
Wiedergutmachungverfahren profitieren zu wollen, ist perfide, denn er �ffnet
mit dem Verfahrensvorschlag die Relativierung des gezielten V�lkermordes an
6 Millionen Juden indem er ihn mit dem Verbrechen an Vertriebenen
gleichsetzt.
Das die Vertreibung von Juden aus den L�ndern Europas und direkt aus
Deutschland in den zwanzigern und drei�iger Jahren nach Pal�stina in den
vergangenen 40 Jahren wieder zu Unrecht und Vertreibung im heutigen Israel
f�hrte, sollte uns dazu bringen politische Gesamtzusammenh�nge herzustellen.
Bisher leider auch ein Tabuthema.

Gr��e aus Soest

Werner Liedmann

Neue Mail-Adresse: mail@liedmanns.de

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