Hallo Listis,
ich bin relativ "neu" in der Liste. Das "relativ" bezieht sich auf den
Umstand, dass ich die Mails der Liste lese, aber bisher selbst keine eigene
Beitr�ge geschrieben habe. Zu Anfang hat mich diese Diskussion um
Vertreibung ehrlich gesagt, wegen ihrer eher negativen Tendenzen ein wenig
gest�rt. Mittlerweilen finde ich die Beitr�ge weder blah, blah noch sollte
man ein eigenes Forum f�r diese Diskussion aufmachen. Mein Vater ist 1936
von Grieslienen/Allenstein nach Soest in Westfalen gekommen und die
Diskussion um Vertreibung hat mit dem Schicksal meiner Gro�eltern, Onkeln
und Tanten zu tun. Wenn man sich aber mit der Familiengeschichte
auseinandersetzt, ist diese Zeit unverbr�chlich mit ihr verbunden. Wir
kommen gar nicht am Thema vorbei und wir sind gezwungen uns mit den
m�glichen Schwindeleien in Ahnenp�ssen einerseits und m�glichen
Beteiligungen von Familienangeh�rigen an Verbrechen im sogenannten 3.Reich
auseinander zusetzen. Das Ph�nomen die Verbrechen der Nazis relativen zu
wollen, trifft man nicht nur in dieser Liste an. Es gibt f�r das, was an
geplantem V�lkermord in der Zeit zwischen 1933 und 1945 stattfand, kein wie
auch immer gearteter Vergleich der Legitim w�re. Weder in dem
v�lkerrechtswidrigen Verbrechen der Vertreibung von Deutschen in den
Nachkriegsjahren noch in den Verbrechen des Pol Pot Regimes in Kambodscha
der vergangenen Jahre.
Ich bin aber der �berzeugung, dass auch wenn kein Vergleich stattfinden kann
und darf, das diese Zeit weder f�r die Menschen die vertrieben wurden, noch
f�r Die, die nun in deren H�user wohnen, tabu sein darf. Diese Diskussion
muss in einem gr��er werdenden Europa die politische Konsequenz haben, die
Vertreibungsgeschichten aufarbeiten zu wollen. Das Ergebnis kann aber zu
keiner R�ckgabe von Eigentum f�hren. Begangenes Unrecht kann nicht durch
neues Unrecht wieder gut gemacht werden.
Der Vergleich mit Deutschen j�dischen Glaubens, um dann von der Art ihrer
Wiedergutmachungverfahren profitieren zu wollen, ist perfide, denn er �ffnet
mit dem Verfahrensvorschlag die Relativierung des gezielten V�lkermordes an
6 Millionen Juden indem er ihn mit dem Verbrechen an Vertriebenen
gleichsetzt.
Das die Vertreibung von Juden aus den L�ndern Europas und direkt aus
Deutschland in den zwanzigern und drei�iger Jahren nach Pal�stina in den
vergangenen 40 Jahren wieder zu Unrecht und Vertreibung im heutigen Israel
f�hrte, sollte uns dazu bringen politische Gesamtzusammenh�nge herzustellen.
Bisher leider auch ein Tabuthema.
Gr��e aus Soest
Werner Liedmann
Neue Mail-Adresse: mail@liedmanns.de
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