Hallo,
ich glaube, es war nicht so völlig an der Tagesordnung, dass Frauen schon
mit 16 Jahren Kinder bekamen. Bei meinen 183 erfassten Heiraten (Raum: Land
Oberglogau / Zeit: 1700-1900) ist nur ein einziges Mal die Frau jünger als
18. Und nur in 7 Fällen hatte eine Frau (keine jünger als 18) vor der
Trauung schon ein uneheliches Kind geboren, wobei in 6 Fällen waren dies
Kinder von den Männer, die diese Frauen später heirateten.
Der eine Fall, wo das Mädchen mit 16 heiratete und mit 17 ein Kind bekam,
ist schon bemerkenswert. Da heiratete der 31-jährige Franz S., Erbe einer
Mühle und Freibauer mit 100 Morgen (ca. 400 Ha) Land (also aus der
Dorfprominenz wo man normalerweise nur unter sich heiratete)im Jahre 1801
die 16-jährige Susanna P., Tochter eines kleinen Einliegers und
Landarbeiters auf dem Hof des Franz S. Bei der Tauung steht "der ehrbare und
arbeitsame Müler und Freibauer Franz S. heiratet die Magd Susanna..." also
war hier die Susanna noch keinesfalls "ehrbar" sondern nur "Magd", aber
schon zwei Monate nach der Hochzeit ist sie bei einer Taufe die "ehrbare und
sittsame Müllerfrau, Weib des ehrbaren etc. Müllers Franz...)und das gleiche
bei der Geburt des ersten Kindes 11 Monate nach der Trauung: ehrbar,
sittsam,rbeitsam.........Interessant hier wie flexibel die Gesellschaft doch
damals war. Da wurde eine junge wohl wenig resepktierte kleine Magd in den
Augen der Gesellschaft in nur kürzester Zeit zur "ehrbaren Müllerfrau (und
"Frau" war schon damals die respektablere Andede als "Weib").
Ach ja, Fazit dieser einer Ehe: nach der Geburt von 9 Kindern und 30
Ehejahren vertreibt der 60. Jährige Franz P. Susanna vom Hof zugunsten einer
23jährigen Barbara. Jetzt erscheint unsere Susanna in den Kirchenbüchern des
benachbarten Kirchenspiels als "das Arbeitsweib" oder "die alte
Einliegerin", als welche sie mit 98 Jahren stirbt.
Gruß
Andreas Smarzly