Hallo,
sollte ein Bergmann wirklich ein Jahreseinkommen von etwa 1000 Mark
gehabt haben?
Doreen Heisig schreibt, dass ihr Urgroßvater in den 1924-46 Jahren als
Bergmann ca. 120 Mark monatlich bekam (1.440 Mark/Jahr).
Wenn ein Hauptlehrer um 1880/90 (40-50 Jahre vorher) als Jahreseinkommen ca.
1.000 Mark jährlich bekam, dann denke ich mir, stimmen die Angaben.
Auch in altem Preußen gab es ja sicherlich eine leichte Inflation. Als nach
dem 2 WK die DM eingeführt wurde, da verdiente ein Lehrer auch nicht gleich
ca.5.000/7.000 DM/mtl. wie jetzt und ein Brot kostete nach dem IIWK auch
nicht gleich ca. 5 DM. Ich denke einfach in den ca. 60 Jahren (1880-1940)
gab es da schon leichte Bewegung im Geldwert (jetzt noch nicht mal die große
Inflation von 1929 betrachtet).
Ich könnte mir auch schon vorstellen, dass so ein Bergmann wegen der Schwere
seiner Arbeit und der Gefahr, damals (ob um 1870 oder auch 1940) zumindest
in etwa gleich bezahlt wurde wie ein Lehrer.
Nach der Militärzeit ging er als junger Adjuvant(Praktikant) nach
Niedersteine. Hier hatte er neben freier Station ein fürstliches
Monatsgehalt von 20 Mark, genausoviel wie sein Gefährte der Ortskaplan...
Tja, nach einem altem Sprichwort "fängt man meistens klein an". Man muß ja
bedenken, dass Dein Ururopa als Praktikant auch eine "freie Station"
(Wohnung / Appartament / Wohngelegenheit) bekam. Wie viel bekommen
eigentlich heute Lehrer-Praktikanten ?
Der Ortskaplan nehme ich an, ist der Pfarrer des Ortes ?.....In unserer
Gegend (Oberglogauer Land) hatten die Pfarrer meistens überhaupt kein
Gehalt.....sie lebten von der "Uofiara" (Spenden/Opfern) der Dorfbevölkerung
und meistens hatten sie auch noch mehrere Hufen Ackerland, von dem sie
lebten. Manche Pfarrer waren mehr Bauer als Seelsorger. Dann gab es noch
einige Abgaben (Meßkorn / Kolende...), die zwar seit ca. 1811 offiziell
abgeschafft waren, die aber von der Bevölkerung weiterhin gewohnheitsgemäss
abgeliefert wurden (passiert sogar heute noch in Oberschlesien).
Das sind jetzt so einfach meine Überlegungen, nach den Antworten, die ich
auf meine gestrige Anfrage bekam. Lasse mich natürlich hier noch eines
Besseren belehren.
Auf jeden Fall sind diese Geschichten äußerst interessant und die heutigen
Antworten haben mir viel weiter geholfen. Wenn man überlegt, dass ich
gestern früh noch nicht mal wußte, welche Währung es eigentlich in Preußen
gab.....
Übrigens:
Trost und Ablenkung suchten in der nahen Feldschenke bei einem Glase Bier
für 5 Pfennig und einer Zigarre.
Da kenne ich eine Geschichte aus meiner Familie, aus der indirekt
hervorgeht, dass um 1830/40 in Oberschlesien ein Glas Bier (wie groß?) einen
halben Pfennig kostete.
"...Dominik Janocha aus Neuhof (geb.1809) war ein großgewachsener Mann und
war bei der Armee/beim Militär (wird auch wieder die Leibgarde
erwähnt-->Lange Kerls ?).
Als er zu Hause war, ging er mal nach Körnitz in den Kretscham (später
Cieciors-Kretscham). Da er beim Militär war, hatte er Geld (?) und so setzte
er sich in der Wirtschaft, rauchte gemütlich eine Zigarre und trank ein
Bier. Da kamen gleich mehrere sogenannte Freunde um sich von ihm ein Bier
ausgeben zu lassen. Da hat sich Dominik so aufgeregt, dass er diese
"Freunde" verprügelt hatte und sie aus der Wirtschaft rausschmiss.
Seit dem nannten ihn die Dorfbewohner "Dominik Poufennig (Halbpfennig)",
weil er seinen "Freunden" ein Bier für einen halben Pfennig geizte. Dieser
Beiname hat sich bis ins 20. Jahrhundert gehalten. Da es in Neuhof und
Körnitz mehrere Janocha- Familien gab/gibt, wurde die Familie meines
Großvaters Franz Janocha (Urenkel des Dominik Janocha), um sie von den
anderen Janocha -Familien in der Umgebung unterscheiden zu können, oft als
die "Poufennig Janochas" bezeichnet...."
So gruß
Andreas Smarzly