AW: Archiv Oppeln

Hallo Wolgfgang,

meine diesjährigen Erfahrungen beim Staatsarchiv Oppeln habe ich betreits am
23.05.2001 beschrieben und in die Liste gestellt:

"Quasi als Ergänzung möchte ich kurz meine Erfahrungen in Schlesien bei den
Archiven in Oppeln und Breslau beschreiben:

Zunächst habe ich in Oppeln nach einem speziellen Urbarium (Blaschewitz
1655) gesucht, von dem ich nach tel. Rücksprachen im März wußte, dass es
dort vorliegen soll.
Als ich das erste mal am 08.05 im oppelner Staatsarchiv war, hat die
dortige, zwar sehr freundliche doch meiner Meinung nach etwas unkompetente
Mitarbeiterin (Frau Sypko) lange nach dem Urbarium gesucht und mir dann
mitgeteilt, ich sollte doch einen neuen Termin machen, dann würde sie dieses
Urbarium (und andere noch gesuchte Unterlagen) für mich vorliegen haben. Die
Frau, die mir Anfang März tel. mitteilte, dass dieses Urbarium dort
vorliege, sei bis ende Juni ! in Frankreich und sie (Frau Sypko) hätte im
Moment keine Ahnung wo Sie suchen sollte, sie würde aber diese Frau in
Frankreich anrufen und sie danach fragen und es dann für mich bereitlegen.
So sind wir bis nächsten Dienstag 15.05 verblieben. Als ich eine Woche
später wieder in Oppeln war, war Frau Sypko jedoch nicht im Hause und die
anderen Damen dort wussten von "allem nichts". So sind wir wieder
verblieben, dass diese Kolleginnen Frau Sypko eindringlich an unsere
Absprache erinnern und ich werde am Freitag (ein Tag vor meiner Abreise)
nochmals nachfragen. Als ich dann Frau Sypko endlich erreichte (mindestens
7x vorher erfolglos versucht) sagte sie, sie hätte immer noch nichts
gefunden, ich solle doch wieder kommen wenn die andere Kollegin aus
Frankreich da ist (Ende Juni). Naja so hoffe ich, dass ich Ende Juni
diesbezüglich noch etwas telefonisch ausrichten kann.

Neben ein paar anderen nicht so wichtigen Dingen, die ich nicht fand oder
keine Zeit hatte zu suchen habe ich jedoch auch paar Erfolgsmomente zu
verzeichnen.

So konnte ich in oppelner Staatsarchiv u.a. die Verzeichnisse der
Positionen "Landratsamt Neustadt" und "Regierung Oppeln/Rejencja Opolska"
durchsehen und mir einige Dokumente davon anschauen und kopieren lassen,
u.a. eine Akte von 1856 mit eine Anfrage der Kreisverwaltung an alle
Gemeinden im LK Neustadt über den dortigen Bestand an Urbaren sowie
Antwortbriefen der Gemeindevorsteher mit recht ausführlichen Informationen.

->>> Archivverzeichnis <<<--> so was gibt es nicht, ich blicke da noch nicht
so ganz durch aber ich glaube, dass es gerade das größte Problem beim
Staatsarchiv in Oppeln ist, dass dort kein "vernünftiges"
Allgemeinverzeichnis bzw. "Wegweiser" existiert nach dem man sich etwas
orientieren könnte was überhaupt in Oppeln liegt und wo man danach suchen
soll. Für Breslau gibt es das Buch "Staatsarchiv Breslau-Wegweiser durch die
Bestände bis zum Jahr 1945 von R. Zerelik und A. Deren--> Stand 1996" nach
dem man sich gut orientieren kann.
Von einem Computer (bei beiden Archiven) wo man einfach ein Stichwort
eintippt, nach dem man sucht und der einem anzeigt was und wo vorhanden ist
kann man wohl nur träumen. In Oppeln ist das wohl nach Beständen oder Ämtern
gegliedert. So gibt es z.B. die Akten der Kreisverwaltungen (zB Landratsamt
Neustadt) oder der Bezirksregierung Oppeln oder anderer Ämter der
Provinz....und so kann man in den einzelnen Verzeichnissen der bestimmten
Ämter auf Gutglück suchen.......eine "Abteilung" wo Zb. nur Urbaren oder nur
Steuerlisten oder nur Unterlagen zu Oberglogau oder Kreuzburg wären gibt es
nicht.

Viele Akten wurden nach der Wiederbegründung der Provinz Oberschlesien
(Wojewodschaft Oppeln)1999 von Breslau nach Oppeln (zurück)verlegt<<<-->
auch hierzu gibt es kein richtiges Verzeichnis (weder in Oppeln noch in
Breslau), man sagte mit lediglich an beiden Stellen, dass die größte
Abteilung die nach Oppeln verlegt wurde, die Akten der "Regierung
Oppeln/Rejencja Opolska" wären. Die o.g. Unterlagen bestehen aus den Akten
der (eigene Übersetzung aus dem polnischen):
---> Allgemeinen Abteilung
     - Polizeibüro für:
        ~ Wasser- und Landwirtschaft
        ~Bauwirtschaft / Bauen
        ~Kommunalangelegenheiten
        ~Industrie- und Handel
        ~Verkehr- und Gesundheitsverwaltung
---> Abteilung für Kirchen und Schulen
---> Abteilung für Domänen und Wälder
     -Verwaltung der
        ~Domänen
        ~Wälder
        ~Katasteramt
---> Regierungshauptkasse
---> Mappen und Pläne

->>> Informationen über die "Erlaubnis-Einholung" in Oppeln und
Breslau<<<---> lt. mündl. Info der Archivare gibt es in Polen ein neues
Gesetz über die Staatsarchive, das sich von dem altem nur insoweit
unterscheidet, als dass man heute nicht mehr die Erlaubnis in Warschau
sondern vor Ort einholt. Als ich die Frauen vom Archiv bat mir dieses Gesetz
ebenfalls zu kopieren, suchten sie erst mal nach Ausreden wie Zb "ob ich
schon jemals Probleme mit der Erlaubniseinholung gehabt hätte" etc....als
ich "aufdringlicher" wurde, wurde mir ohne nähere Begründung klar zu
verstehen gegeben, dass sie dieses Gesetz nicht kopieren würden. Naja
grundsätzlich ist das ja wohl auch wirklich nicht so wichtig....so aus der
Erfahrung sage ich mal: beantrage vor der Fahrt dorthin bei beiden Archiven
so eine Erlaubnis, die ist ja nicht zeitlich befristet und wenn du diese
einmal vorlegst, kannst du denke ich nach allem suchen.

Ja in Breslau war meine Suche wohl am erfolgreichsten für mich. Hier hatte
ich nämlich das genaue Verzeichnis der "Generalkommission für Schlesien III
Reg. Oppeln", wusste also ganz genau wonach ich suche und was ich will. Vor
allem Akten zu den Ablösungen aus Blaschewitz habe ich mir kopieren lassen
aber auch eine gesamte Akte zu einem Rechtstreit meiner Vorfahren, der
Zelliner Müller Sluzallek mit den Herrschaften von Seher-Thoß. Zusammen etwa
200 Seiten aus Akten , in denen (nach einem in der Akte beiliegendem
Kärtchen in das man sich eintrage sollte) das letzte mal 1904 und 1928
jemand gelesen hatte...hammerhart das wird teuer (1 Kopie 2 Zl = etwas mehr
als 1 DM). "Wird" deswegen, weil ich diese Kopien (sowohl die paar Sachen
aus Oppeln als auch die aus Breslau) nicht gleich kopiert bekommen habe. Die
senden es mir bald mit einer Rechnung zu. Hoffentlich auch wirklich das, was
ich gekennzeichnet habe. Aber es ist schon verdammt aufregend ein Dokument
in der Hand zu halten, das einst vor 200 Jahren auch ein direkter Vorfahre
von mir in der Hand hielt, dieses las und mit seinen vielleicht dreckigen
oder
schwitzenden Bauershänden unterschrieb........schade, dass man nur
eine Kopie dessen bekommen kann....

Kurz und knapp kann ich zur Suche vor Ort in Schlesien sagen--> man sollte
vorher am besten genau wissen was man will und in welchem "Fach" im welchem
Archiv es vorliegt und erst dann sich sehr viel Zeit und sehr viel Geduld
nehmen um in Archiv aufzukreuzen und hoffen, dass die Suche klappt. Aber
wenn es klappt findet man durchaus viele Schätze."

Nachtrag zum Beitrag vom 23.05.2001:
Die Mitarbeiterin des oppelner Staatsarchives, die Ende Juni aus Frankreich
zurückgekommen ist habe ich mittlerweile gesprochen. Sie kann sich zwar
erinnern, dass jemand (ich) im Frühjahr nach dem Urbarium von Blaschewitz
gefragt hätte, kann sich jedoch nicht mehr erinnern, wiso sie dann die
Auskunft gab, dass so ein Urbarium von 1655 vorliegen würde. Warscheinlich
meinte sie wohl die gedruckten Bücher "Urbarze Slaskie" von Heck,
Leszczynski.... doch in diesen Büchern, taucht Blaschewitz nicht auf. Naja,
das war wohl voll der Reinfall...

Die Kopien aus Breslau, die ich bereits vor einem Monat bezahlt haben, sind
immer noch nicht eingegangen.

Gruß

Andreas Smarzly