Hallo,
Zur Ausweisung aus dem Kreis Mohrungen erzaehlte mir die Schwester
meiner Tante folgendes.
Als sich die russische Front naeherte, floh sie mit ihrem Sohn zu den
Eltern nach Kahlau, dort waren schon russische Fahrzeuge angekommen,
weil der Vormarsch aus dem Sueden (Soldau) so schnell vorrankam, dass
fast niemand fliehen konnte. u. dann mussten alle bleiben.
Die Front zog zuegig weiter u. mit der Besatzung begann eine absolut
rechtlose Zeit. Sie mussten ihre Hoefe weiter bewirtschaften, Ernten
einbringen, auch bei den grossen Guetern (z.B. Mohrungen) es gab
willkuerliche Erschiessungen u. allerlei extra Arbeitseinsaetze,
Strassen eisfrei halten etc. Frauen wurden fuer Tage weggeholt! Es gab
keine Versorgung, alles ging nach Russland, vom Geernteten durften sie
nichts behalten, auch waren die Russen Meister im Auffinden ihrer
Wintervorraete gewesen. Gegen Herbst waren sie froh ein paar
Ruebenschalen zu haben, es muss der blanke Hunger geherrscht haben. In
Herbst wurden die noch uebrig gebliebenen ausgewiesen, halb verhungert
u. zerlumpt (Die weibl. Soldaten hatten gleich die Kleiderschraenke
ausgerauemt). Der Transport dauerte lange, waehrend der Aufenthalte
nahmen ihnen polnische Milizen die letzten Habseligkeiten ab, sogar
Fotos. Ein Familienmitglied starb im Zug.
Meine Tante lebte bei den Eltern in Kahlau, wie der groesste Teil der
Bewohner, wurde sie nach Sibirien verschleppt, sie starb, wie die
meisten. Es kehrten nur sehr wenige zurueck. Ich habe noch 2 Briefe,
weil meine Oma immer nach meiner Tante gesucht hatte. In diesen Briefen
beruehrt mich der soziale Abstieg, die Ueberlebende aus Hagenau
schreibt, ihr Mann arbeitet bei einem Gaertner, sie als Kuechen?hilfe,
"damit wir uns wieder etwas zusammenklauben koennen"
Nach Paradies zurueckgekehrt fand die Schwester die verkohlte Leiche
ihres poln. Knechtes im Windfang, sie hat ihn im Garten begraben, die
poln. Magd hatten die Russen mitgenommen. Beide waren ein Paar u.
hatten ein Kind in Polen, sie wollten nicht fliehen, weil sie sich vor
den Russen nicht fuerchteten.
Mit freundlichen Gruessen
Renate Kroeber
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