Liebe Listenmitglieder,
ich war sehr überrascht, so viele Rückmeldungen zum Thema Hausschlüssel zu erhalten. Verstehen kann ich das auch, ich hätte wahrscheinlich auch abgeschlossen und den Schlüssel mitgenommen, alleine schon, weil man gewohnheitsmäßig sein Haus abschließt, wenn man es verlässt. Es gibt in der Ausstellung Tafeln mit Erzählungen, dass manche Menschen nur zehn Minuten Zeit hatten, ihre Sachen zu packen - das meinte ich mit Panik. Ich wäre da wohl auch völlig kopflos geworden. Mein Vater hat 1985 seine Heimat nochmals besucht; das Haus war in schlechtem Zustand, sogar die Dielenbretter hat man herausgerissen und die Obstbäume abgeholzt. Seine Familie konnte gar nichts mitnehmen, weil sie tagelang im Bunker gehockt haben und die Russen schon auf dem Hof waren. Meine Tante hatte schweres Kindbettfieber, ihre neugeborenen Zwillinge waren gestorben. Ich hätte viel darum gegeben, eine Erinnerung aus seiner Heimat zu haben - nur eine Kleinigkeit, einen Becher, einen Schlüssel oder ein Spielzeug. Meine Familie ist auch jahrelang davon ausgegangen, wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Ich glaube, dass der frühe Tod meiner Großeltern (1950 und 1951) mit dem Verlust der Heimat zu tun hat. Ich hätte sie gerne kennengelernt (bin Jahrgang 1967).
Zum Glück habe ich alles, was meine Eltern aus ihrer Kindheit erzählt haben, aufgeschrieben. Mein Vater wollte seine Flucht noch näher aufschreiben, aber durch seinen plötzlichen Tod Ende Mai ist es nicht mehr dazu gekommen. Ich werde jetzt alles ins Reine schreiben und versuchen, das Buch zu veröffentlichen. Falls es jemanden interessiert, kann ich hier gerne Bescheid geben, falls ich Erfolg habe.
Danke für Eure Rückmeldungen und das Interesse an der Ausstellung.
Viele Grüße
Susanne (Nitsch