Arriernachweis (von Arno Seeger)

Hallo Arno,

Deinen Hinweis zum Bundesarchiv finde ich hochinteressant.

Bei mir liegt das Problem darin, dass ich von meinem Ur-Großvater nur den Namen weiß. Von meinen Großeltern kenne ich das Hochzeitsdatum nicht, jedoch ist auf einem Hochzeitsbild ein Bruder meiner Großmutter in einer Uniform mit Hakenkreuzbinde zu sehen. Dieser hat jedoch schon 1931 geheiratet.

Da ich mir nicht vorstellen kann, dass normale Wehrmachtsangehörige diese Hakenkreuzbinde getragen haben (oder mussten) nehme ich an, dass er zumindest in der Partei war.

Besteht die Möglichkeit, das er deshalb diesen Arriernachweis „nachliefern“ musste und könnte ich über diesen Weg ebenfalls Informationen vom Bundesarchiv bekommen?

Gruß Michael

Suche: Baumgardt, Belkyte (Lauknen); Schiefke, Sattler (Gilge), Komm (?)

hallo Michael,

ich bin kein Kenner des Bundesarchivs. Da meine Eltern nicht der "privilegierten Klasse" angehört haben, war der Kontakt mit dem Archiv nur sehr kurz.
Ruf doch dort einmal an und fordere die Fragebögen an. Am Telefon ist eine nette Dame die gern Auskunft gibt. Ich würde als Ausgangspunkt einen möglichst nahen Verwandten wählen, der in der Partei oder einer Massenorganisation war.

Bundesarchiv, 12205 Berlin (Lichterfelde), Finkensteinallee 63
Tel. 01888-7770-0 Fax 01888-7770-111

Viel Glück bei Deinen Forschungen.
Gruß Arno

Hallo Arno, Hallo Michael,
eine Armbinde wurde nur von Funktionären der NSDAP getragen, also Parteimitgliedern.
Berufsoffiziere der Wehrmacht konnten nicht Mitglied der NSDAP sein.
Ausnahme: Nur SS-Angehörige trugen die NSDAP-Armbinde .
Gruß Jan-Holgar

"Michael Baumgardt" <michael.baumgardt@duerrschmidt.de> schrieb:

Hallo Wissende,

was bedeutet es, wenn jemand in seinem Lebenslauf schrieb:
"Von 1937 - 1939 war ich nominelles Mitglied der NSDAP"

Schlu�folgere ich richtig, dass Beh�rdenangestellte, wie in diesem Falle ein
Katasteramtsleiter (Kreisoberinspektor) automatisch als Parteimitglied gef�hrt
wurden?

Beste Gr��e

J�rg Glewwe

betr.
was bedeutet es, wenn jemand in seinem Lebenslauf schrieb:
"Von 1937 - 1939 war ich nominelles Mitglied der NSDAP"

Adalbert Goertz responds >>>>>>>>>>>>

Ich meine, dass heisst, er war Parteimitglied um des lieben Friedens
Willen, ein Mitla:ufer, um seinen Job nicht zu verlieren und wollte kein
oppositioneller Ma:rtyrer sein.

Hallo, Joerg:
Soweit ich mich entsinnen kann war die Mitgliedschaft in der NSDAP seit
Ende 1936 "mehr oder weniger" obligatorisch. Und Deine Annahme ist
korrekt. Das bezog sich ebenfalls auf die Hitlerjugend (HJ, DJ, et
cetera).
Tschuess !
Karl-Heinz Becker
(American by choice, born in Germany by the grace of God)

Bezueglich NSDAP Parteimitgliedschaft:

Das Bundesarchiv hat eine sehr detaillierte Abhandlung ueber dieses Thema.
Dort wird von etwa 11.5 Millionen Parteimitgliedern geredet. In den
Materialien wird darauf hingewiesen, dass der Eintritt freiwillig sein
musste, dass Antraege auf Mitgliedschaft vereinzelt abgelehnt wurden, wenn
es sich um Konjunkturritter/Karriereorientierte handelte, denen es an
Ueberzeugung fehlte, und dass es langzeitige Aufnahmesperren gab, z. B. von
1933-1937.

Ferner hatte die NSDAP die Einstellung, dass ein 10% Bevoelkerungsanteil als
Mitglieder in der NSDAP eine zufriedenstellende Parteibeteiligung
darstellte. Die wollten also gar nicht all haben.

Man muss natuerlich auch unterscheiden zwischen NSDAP Mitgliedschaft und dem
Wahlverhalten. In den Wahlen hatte die NSDAP immer von viel mehr Leuten
Zustimmung und Vertrauen ausgesprochen bekommen, als sie Mitglieder hatte.

In der Abhandlung wird auch die Frage besprochen ob und wie die
Mitgliedschaft in der Hitlerjugend automatisch und ohne Mitwirkung des
Betroffenenen in eine NSDAP Mitgliedschaft umgewandelt werden konnte. Das
Bundesarchiv verneint die Moeglichkeit des unfreiwilligen Beitritts auch
fuer die Hitlerjugend.

Nach dem Krieg hatte und hat natuerlich jeder ehemalige NSDAP Mensch ein
enorm grosses Interesse, der Welt zu erklaeren, dass er irgendwie
unfreiwillig als Mitglied in den Karteien erscheint, und dass seine
Mitgliedschaft ohne sein Mitwirken erfolgte.

Natuerlich kann jede Tat immer als "erzwungen" erklaert werden, wenn wir die
Einwirkungen von Eltern, Lehrern, Bossen und Vorgesetzten im Nachhinein als
Zwang bezeichnen. Am schoensten waere es natuerlich wenn man sagen koennte,
dass es von 1933 bis 1945 per Gesetz kein freiwilligen Verhalten in
Deutschland gab, eine nationale Lobotomie. Dann haette man den absolut
sicheren Persilschein.

Bei einer Bevoelkerungszahl am 16. Juni 1933 von 66 030 491 waeren 10% 6,6
Mio. Mitglieder. Man muesste natuerlich auch die Anzahl derjehnigen, die
das 18. Lebensjahr vollendet hatten, wissen, um einen besseren Eindruck der
Beteiligung unter den Erwachsenen zu gewinnen.

MFG Knut Barde

Gesetz: Hitlerjugend, 1936
Gesetz �ber die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936
Von der Jugend h�ngt die Zukunft des Deutschen Volkes ab. Die gesamte
deutsche Jugend mu� deshalb auf ihre k�nftigen Pflichten vorbereitet werden.

Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit
verk�ndet wird:

�1. Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in der
Hitlerjugend zusammengefa�t.

�2. Die gesamte deutsche Jugend ist au�er in Elternhaus und Schule in der
Hitlerjugend k�rperlich, geistig und sittlich im Geiste des
Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu
erziehen.

�3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der
Hitlerjugend wird dem Reichsjugendf�hrer der NSDAP �bertragen. Er ist damit
"Jugendf�hrer des Deutschen Reichs". Er hat die Stellung einer Obersten
Reichsbeh�rde mit dem Sitz in Berlin und ist dem F�hrer und Reichskanzler
unmittelbar unterstellt.

�4. Die zur Durchf�hrung und Erg�nzung dieses Gesetzes erforderlichen
Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften erl��t der F�hrer
und Reichskanzler.

Berlin, den 1. Dezember 1936

Der F�hrer und Reichskanzler: Adolf Hitler

Der Staatssekret�r und Chef der Reichskanzlei:

Dr. Lammers

Quelle: Reichsgesetzblatt 1936 I S. 993.

betr.
Bundesarchiv verneint die Moeglichkeit des unfreiwilligen Beitritts auch
fuer die Hitlerjugend.

Adalbert Goertz responds >>>>>>>>>>>>

Das ist sicher falsch. Man hatte zum HJ-"Dienst" zu erscheinen. Sonst
tauchte der Polizist auf und fragte, warum man nicht erschienen war.

Klaus, hier nun einige Antworten zur obigen Frage betr. meines Gro�vaters
Emil Glewwe.
�brigens: Adalbert G�RTZ (adresse siehe unten) ist DER Mennoniten-
Experte jenseits des "Gro�en Teichs"

J�rg

Adalbert Goertz schrieb:

Mein Onkel Alfred war U-Bahn-fahrer in Berlin. Als
Lockomotivenführer musste er in der Partei sein. In seinem
Falle war es aber freiwillig. Er war der einzige Überzeugter
in unserer Familie. Nach dem Krieg holten ihn die Russen in
der Ostzone von einem Kirschbaum um ihn umzutaufen.
Das dauerte fast drei Jahre. Er kam als menschliches
Wrack wieder nach Hause und lebte danach auch nicht
mehr lange.

Fred

4788 Corian Court
Naples, FL 34114
239-775-7838; 609-284-6007 (cell)
FredRump@earthlink.net